The Mole © Sat.1/Florentin Becker - BECKER FILMS
DWDL.de-TV-Kritik zu "The Mole"

Maulwurf-Suche in Sat.1: Ein Hauch von "Breaking Bad"

 

20 Jahre nachdem bei ProSieben nach dem "Maulwurf" gesucht wurde, feiert das Format sein Comeback - in Sat.1, unter dem Titel "The Mole" und mit sichtbar großem Aufwand gedreht. Doch lässt sich das Publikum auf den spannenden Roadtrip ein?

von Alexander Krei
06.05.2020 - 22:20 Uhr

Alles beginnt mit einer Autofahrt durch eine hügelige Landschaft. Im Inneren: Zwei Männer auf dem Weg zu einem unbekannten Ziel, auf der Ablage ein Cowboy-Hut. Doch die gute Laune, die die folkloristische Musik suggeriert, ist nicht von langer Dauer. Immer wieder wird der Frohsinn durch schweres Atmen, Dunkelheit und sorgenvolle Gesichter unterbrochen. Dann endlich kommt der Wagen zum Stillstand, die Männer steigen aus – und beginnen zu sprechen. Erst jetzt wird klar: Ihre zehn Zuhörer liegen irgendwo in der argentinischen Wildnis begraben.

Was so wirkt, als sei man in eine Folge von "Breaking Bad" hineingeraten, entpuppt sich in Wirklichkeit als der Beginn einer neuen Realityshow, deren Macher offensichtlich weder Kosten noch Mühen gescheut haben, um einen hochwertigen Blockbuster-Look im Stile eines Roadmovies zu erzeugen. Und bei den dubiosen Gestalten handelt es sich nicht etwa um geheimnisvolle Drogenschmuggler aus Albuquerque, sondern um das Musiker-Duo The BossHoss, bestehend aus Alec Völkel und Sascha Vollmer.

Zusammen mit den Kandidaten begeben sie sich in den kommenden Wochen auf die Suche nach "The Mole", also nach dem "Maulwurf". Damit dürfte eingefleischten Fernsehkennern allmählich dämmern, dass sie gerade Zeuge eines Comebacks werden. 20 Jahre nach der ersten Staffel, die einst noch bei ProSieben lief, hat Sat.1 die noch junge Produktionsfirma Fabiola damit beaufragt, eine zeitgemäße Version zu schmieden, die zumindest optisch nicht viel gemein hat mit jener Show, für die einst Steven Gätjen und, kaum zu glauben, Michael Stich, vor der Kamera standen.

The Mole

Foto: Sat.1/Florentin Becker - Becker Films

"Nur wer alles riskiert und genau beobachtet, kann den Mole enttarnen", tönt die Stimme aus dem Off und erklärt, dass einer aus der Gruppe falsch spielt und ein Verräter ist. "Einer ist der Mole." Weshalb man der Show ihren englischen Original-Titel verpasst und sich nicht auf den verständlicheren deutschen Namen besonnen hat, bleibt bis zum Schluss unklar – zumal der Begriff stets wie ein Fremdkörper wirkt. Wann immer Moderatoren, Kandidaten oder der Erzähler vom "Mole" sprechen, stellt sich die Frage, warum nicht einfach vom Maulwurf die Rede ist.

Davon abgesehen macht "The Mole" jedoch einiges her. Jede Einstellung zeugt davon, welch großer Aufwand nötig war, um die Show derart gut in Szene zu setzen. Dazu kommt, dass es gleich zur Sache geht. Befreien können sich die Kandidaten nur dann, wenn sie sich mit ihrem Sarg-Nachbarn verständigen und auf engstem Raum diverse Rätsel lösen. Das eigentliche Rätsel zieht sich jedoch durch die gesamte Show, schließlich kann sich keiner sicher sein, wer der sagenumwobene "Mole" denn eigentlich ist und möglichst unbemerkt versucht, das Spiel zu sabotieren.

Wer sich auf "The Mole" einlässt, wird ohne Zweifel gut unterhalten. Damals wie heute geht das Konzept des ursprünglich aus Belgien stammenden Formats auf. Fraglich ist jedoch, ob die Show den Geschmack der Masse trifft. Zweifel sind schon deshalb angebracht, weil das Format stellenweise an "Survivor" erinnert, das ebenfalls mit großartigen Bildern und vielen Taktik-Spielchen aufwartete – und vor einem halben Jahr bei Vox krachend scheiterte. Dazu kommt, dass "The Mole" verglichen mit dem gerade zu Ende gegangenen Kuriositätenkabinett von "Promis unter Palmen" einen regelrechten Kulturschock verursacht.

Das alles schmälert freilich nicht die gute Leistung dieser Produktion, der ein Erfolg dringend zu wünschen wäre, bietet doch alleine die erste Folge schon ein erstaunliches Maß an Abwechslung und Spannung. So sind die Kandidaten nicht nur lebendig begraben, sondern müssen sich auch als Lama-Jäger und Brückenspringer beweisen - mit einem in gleich mehrerlei Hinsicht tiefen Fall. Am Ende dann gilt es, mittels eines Fragebogens einzuschätzen, bei welchem der Mitstreiter es sich um den Mole genannten Maulwurf handelt. In gespannter Atmosphäre verrät ein Fingerabdruck schließlich, für wen das Spiel beendet ist.

Und dann geht alles ganz schnell. Ohne viele Worte zu verlieren, schnappen sich The BossHoss den Verlierer und ziehen mit ihm davon. Kurz darauf klingelt ein Handy. Es ist für Yves. Der Schweizer Kandidat verlässt die Gruppe und entschwindet mitsamt seinen Koffern in die dunkle argentinische Nacht. Plötzlich liegt wieder ein Hauch von "Breaking Bad" in der Luft.

Sat.1 zeigt "The Mole - Wem kannst du trauen?" mittwochs um 20:15 Uhr.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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