M.O.M. - Milf oder Missy © Joyn / Benedikt Müller
DWDL.de-TV-Kritik

"Milf oder Missy" bei Joyn: Doppelter Bachelor, halber Spaß

 

Mit "M.O.M. - Milf oder Missy" versucht sich Joyn erstmals an einer Realityshow. Doch obwohl sich der Streamingdienst bemüht, der üblichen TV-Kuppelei eine neue Facette zu verleihen, bleibt es beim Versuch, weil Charme und Glanz fast ausnahmslos fehlen.

von Alexander Krei
08.05.2020 - 14:23 Uhr

Datingshows haben derzeit Hochkonjunktur – insbesondere beim RTL-Streamingdienst "TVNow", der Treue auf "Temptation Island" testet, "Prince Charming" verkuppelt oder neuerdings die Frage stellt: "Are You The One?". Der Konkurrent Joyn konnte da bislang nicht mithalten und fokussierte sich bei seinen Eigenproduktionen bislang vorwiegend auf fiktionale Formate wie die sehenswerten Comedys "Frau Jordan stellt gleich" oder "Check Check". Nun hat aber auch Joyn das Reality-Fach für sich entdeckt. Doch wenn man sich die neue Kuppelshow "M.O.M." so ansieht, dann hätte sich Joyn den Ausflug in den siebten Himmel auch ganz gut sparen können.

Gemessen an der erstaunlichen Viefalt, die das Fernsehen im Dating-Bereich mittlerweile zu bieten hat, kann der Neustart, hinter dem die Produktionsfirma Constantin Entertainment steht, kaum neue Akzente setzen, auch wenn sich die Macher zumindest redlich bemühten, einen anderen Ansatz zu finden. "M.O.M.", das muss man wissen, steht für "Milf oder Missy" – und zumindest "Milf" bezeichnet eigentlich etwas abschätzend eine ältere Frau. Oder eben eine "Mother I'd Like To Fuck". Anders als beim "Bachelor" geht es also nicht nur um alleinstehende Mädels, die gerade erst die Volljährigkeit vollendet haben.

Dazu passt, dass es in der Joyn-Show auch nicht nur einen Junggestellen gibt, sondern gleich zwei: Einmal den älteren Unternehmer Felix, der so reich ist, dass er schon mal ein Flugzeug mietet, um seine Dates bei einem Rundflug die Stadt von oben zu zeigen. Und den 27-jährigen Marko, der, so erzählt es der Off-Sprecher, ein "Traumtyp wie aus dem Bilderbuch" ist. "Das einzige, das er mir voraus hat, sind seine Jahre – mehr aber auch nicht", sagt der Junior über den Senior, mit dem er fortan um die Gunst der jeweils sieben "Milfs" und "Missys" buhlt.

Triste Kulisse statt schöner Bilder

Wer jedoch schöne Bilder und viel Romantik erwartet hat, wird enttäuscht. Die erste Folge besteht ausnahmslos aus einem Kennenlernen in den dunklen Räumlichkeiten eines Münchner Hotels. Wo andere Datingshows mit weißen Villen in traumhaft schönen Locations aufwarten können, findet die ersten Dates also bei "M.O.M." vor ziemlich trister Kulisse statt. Auch sonst wirkt alles wie eine abgespeckte Variante bekannter Formate. Dazu kommt, dass die beiden Männer vor der Kamera nur wenig Präsenz und Glanz versprühen. Wer da am Ende wen bekommt, scheint noch mehr egal zu sein als anderswo.

Bezeichnend ist folgender Dialog: "Du riechst auch so gut", lobt eine Kandidaten den Senior, woraufhin dieser kaum mehr als ein fragendes "Echt?" über die Lippen bekommt. Der Junior wiederum spricht nach Ansicht der potenziellen Herzdamen von einem "echt krassen Dating-Experiment" und sagt, dass "beide Parteien" – er meint die "Milfs" und "Missys" – extrem attraktiv und anziehend seien. Danach entschwindet er mit zwei von ihnen zum Backen kroatischer Pfannkuchen, während sein Kontrahent zur Weinverkostung lädt. Viel mehr passiert nicht.

Auch die zweite Folge macht nur bedingt Lust auf mehr. Dass die Frauen in den Schubladen der Männer wühlen dürfen (Überraschung, da sind ja Kondome!), besitzt allenfalls den Charme eines Nachmittags-Formats. Schmunzeln lässt sich höchstens über manch unfreiwillige Komik. "An Gabriela reizt mich das Geheime", verrät der Junior und spielt damit nicht etwa auf ihren Charakter an, sondern auf die Tatsache, dass sie Vegetarierin ist. Sein Fazit: "Man kann sich an sowas gewöhnen."

Eigentlich besäße "M.O.M. - Milf oder Missy" mit der Mischung aus Jung und Alt das Potenzial, sich spürbar von jenen Datingshows abzugrenzen, in denen es schwer fällt, die nach dem stets gleichen Muster gecasteten Protagonistinnen voneinander unterscheiden zu können. Doch leider wirkt die neue Joyn-Show bloß wie ein liebloser Klon. Da ist nichts zu spüren von Fantasie und Kreativität, ganz zu schweigen von Charme und Glamour. Alles plätschert vor sich hin und nichts von dem, was hier zu sehen ist, wird auch nur ansatzweise in Erinnerung bleiben. Die einzige gute Nachricht ist, dass Joyn kein Geld dafür verlangt. 

Ab sofort stehen zwei Folgen von "M.O.M - Milf oder Missy" bei Joyn zum Abruf bereit. Die weiteren Folgen erscheinen jeweils freitags.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

Teilen

Kommentarbereich anzeigen
Montags: Aktuelles aus dem Milliardengeschäft Sport - präsentiert von Eurosport zum Sports-Update Dienstags: Neuigkeiten aus der Fernseh- und Medienlandschaft Österreichs zum Austria-Update Mittwochs: Very british: Die News der Woche aus dem Vereinigten Königreich zum UK-Update Donnerstags: Aktuelles rund um Audio - präsentiert von der WDR Mediagroup. zum Audio-Update Freitags: Die wichtigsten Medien-Nachrichten aus den Vereinigten Staaten zum US-Update Samstags: Ulrike Klode schreibt, was sie in ihrer Serienwoche bewegt hat zu Meine Woche in Serie Sonntags: Fernsehkritiker Hans Hoff über Aufreger und Programmperlen zum Hoff zum Sonntag
Mit den Newslettern der DWDL.de-Redaktion sind Sie werktäglich bestens informiert. Für die Rundum-Versorgung abonnieren Sie einfach alle Angebote oder wählen den für Sie passenden Newsletter...
Name:
E-Mail:
Frage: 5 + 9 =

Ich möchte die folgenden Newsletter erhalten:
Sie können sich jederzeit wieder abmelden. Beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.