Pocher und Papa auf Reisen © TVNow/Banijay
DWDL.de-TV-Kritik

Die Pochers auf Reisen: They give their best and it’s good

 

RTL schickt Oliver Pocher und seinen Vater Gerhard auf Weltreise, zum Auftakt geht’s nach Thailand. Das ist manchmal überraschend ernst, aber auch immer wieder sehr unterhaltsam, weil vor allem Pocher senior ungeahnte Entertainer-Qualitäten besitzt.

von Timo Niemeier
19.06.2020 - 16:41 Uhr

Inzwischen dürfte man auch in der RTL-Chefetage gar nicht mehr so genau wissen, wie man in den letzten Jahren ohne Oliver Pocher das Programm füllen konnte. Seit seiner "Let’s Dance"-Teilnahme im vergangenen Jahr ist der Entertainer gefühlt omnipräsent im Programm der Kölner, beide Seiten einigten sich auf eine exklusive Zusammenarbeit. Neben bestehenden Formaten soll Pocher auch neue Sendungen präsentieren, neben der Late-Night "Gefährlich ehrlich" zählt dazu auch "Pocher und Papa auf Reisen", in dem Pocher gemeinsam mit seinem 70-jährigen Vater Gerhard in verschiedene Länder reist. 

Zum Auftakt geht es nach Thailand. Und falls Sie schon vor Wochen in der Boulevardpresse gelesen haben, dass sich Pocher bei den Dreharbeiten mit einem Gewehr selbst eine Platzwunde zufügte, sei bereits an dieser Stelle erwähnt, dass das erst zu sehen sein wird, wenn Vater und Sohn kommende Woche in die USA reisen. Das macht die Thailand-Ausgabe aber nicht weniger unterhaltsam. Auf der einen Seite Pocher, der Haudrauf-Komiker, und auf der anderen Seite sein Vater Gerhard, ein pensionierter Buchhalter und Zeuge Jehovas. 

Die großen Unterschiede von Vater und Sohn hatten sowohl RTL als auch Pocher selbst im Vorfeld der Sendung das ein oder andere Mal thematisiert. Tatsächlich ist der Glaube von Vater Gerhard Thema auf der 11-tägigen Reise durch Thailand. Das passiert aber keinesfalls plump, sondern überraschend ernst. Pocher senior weigert sich etwa, in einen buddhistischen Tempel zu gehen und plötzlich ist es Oliver Pocher, der versucht eine ernsthafte Diskussion darüber mit seinem Vater im deutschen Fernsehen zu führen. Es hilft aber alles nichts: Papa Pocher ("Für mich ist Buddhismus die falsche Religion") will nicht in den Tempel und begibt sich für einige Stunden alleine auf Entdeckungstour durch Thailand. Beim Thema Religion wird immer deutlich, dass die beiden sich nicht einig sind - und es wohl auch nicht mehr werden. Später sagt Pocher senior außerdem noch, er hätte bei einer Varieté-Show nicht mitgemacht, hätte er vorher gewusst, dass sich dort vor allem Männer als Frauen verkleiden. 

Es gibt keine Gewinner - und das ist gut

In weiten Teilen von "Pocher und Papa auf Reisen" überwiegt aber der Unterhaltungsfaktor - und Papa Gerhard macht auch vieles mit. Und es ist vor allem der 70-Jährige, der für viele Lacher sorgt. Etwa dann, wenn er bei der Feuermassage seinem Sohn das Massagegerät zu lange auf die Haut hält, mit einem Hula-Hoop-Reifen um die Hüfte kreisend "Atemlos" singt oder der thailändischen Masseurin am Straßenrand ein Kompliment für ihre Arbeit machen will und sagt: "You give your best". Pocher senior: "Und ich habe keine Hornhaut, it’s all clear". Pocher und sein Vater können sich in Thailand zwar verständigen, das liegt aber vor allem am Comedian. Aber auch er weiß nicht so recht weiter, als bei einem Mittagessen der Kellner plötzlich hinter ihnen stehen bleibt und sie beim Essen beobachtet. 

Während der Start in die Sendung noch etwas schleppend verläuft, steigt der Unterhaltungswert mit der Zeit, in der Pocher und Pocher in Thailand sind. Dabei verfolgen sie kein wirkliches Ziel. Sie haben zwar immer etwas zu tun, anders als beim "Duell um die Welt" geht es aber nicht um Punkte oder Siege. Zeitweise, so scheint es zumindest, geht es Pocher und seinem Vater tatsächlich darum, mehr Zeit miteinander zu verbringen. Was manchmal etwas ziellos wirkt ist in Wirklichkeit herrlich unaufgeregt - und am Ende gibt es keinen Gewinner. Das muss es auch nicht, die Sendung funktioniert auch als Reise-Unterhaltungshow gut. 

Pocher und Papa auf ReisenNach einer kleinen Übungsstunde und einem Umstyling geht's auf die Varieté-Bühne.

Und immer wieder kommt es kuriosen Szenen, weil Papa Pocher authentisch und unbedarft ist. Gerhard ist beispielsweise sehr angetan von der Idee, einen kompletten Anzug (von Armani!) für nur 35 Euro zu kaufen. Und schon nimmt der Verkäufer Maß und zwei Tage später können Vater und Sohn ihre Bestellung abholen. Kaum aus dem Laden draußen, lässt Pocher senior den nagelneuen, weißen Anzug in eine Pfütze fallen. Als man an einem Abend in einer Strandbar als eine Art Promi-DJ-Duo auflegt, kommt Papa Gerhard außerdem unabsichtlich auf die Stopp-Taste - und die Musik verstummt schlagartig. Das ist ihm aber gar nicht peinlich - und da sieht man auch, was Pocher junior und Pocher senior gemeinsam haben. Er habe da viel von seinem Vater, so der Entertainer. "Bis wir gescheitert sind, da muss schon einiges passieren."

Nein, gescheitert sind weder die Pochers, noch RTL oder die Produktionsfirma Banijay mit dem neuen Format. Und wenn Pocher sagt, dass sein Vater einen "hohen Unterhaltungswert" hat, möchte man ihm einfach nur beipflichten. Insofern kann man nur hoffen, dass die beiden noch weitere Trips rund um die Welt unternehmen, um verschiedene Menschen, Kulturen und letztlich auch sich gegenseitig besser kennenzulernen. 

RTL zeigt zunächst zwei Ausgaben von "Pocher und Papa auf Reisen" am Freitagabend um 20:15 Uhr. 

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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