Dass Politiker machtgierig und korrupt sind, haben wir aus einigen der packendsten Serien der letzten Jahre von "House of Cards" bis "Baron Noir" mitgenommen. Sie lügen und manipulieren, missbrauchen ihr Amt – und dennoch fiebern wir mit ihnen, weil sie uns zu faszinieren vermögen.

Auch gegenüber Peter Laurence sind alle skeptischen Instinkte angebracht. Darüber hinaus scheint der konservative britische Verkehrsminister viel zu selbstgefällig, als dass man auf Anhieb so etwas wie Sympathie für ihn empfinden könnte. Aber Laurence wird ja von Hugh Laurie verkörpert, das lässt auf Charme und Vielschichtigkeit hoffen. Eine Hoffnung, die nicht enttäuscht wird.

Zu Beginn der Serie hat Laurence gerade eine Verleumdungsklage im Wert von 1,5 Millionen Pfund gegen eine Zeitung gewonnen, die ihm Bestechlichkeit während seiner Zeit als Gesundheitsminister vorgeworfen hatte. Laurence ist nicht der Typ, der es bei stillem Triumph belässt. Er feiert lautstark in der populistischen Radioshow "Alltalk", wo er jede Woche auftritt: "Die Menschen mögen mich, weil ich die Regeln breche." Gewisse Parallelen zum Trump-Johnson-Typus sind wohl weder zufällig noch ungewollt. Allerdings birgt Lauries Spiel mit gekonntem Understatement bis zur letzten der vier Episoden noch die Möglichkeit, dass hinter dem destruktiven Narzissten und scheinbar seelenlosen Karrieremonster doch ein gebrochener Idealist mit guter Absicht steckt.

Showrunner David Hare ("Collateral", "Der Vorleser") siedelt "Roadkill" in einem Post-Brexit-London an, in dem es an ernsthaften politischen Herausforderungen für Laurence mangelt. Seine selbstgemachten Probleme sind bei Weitem die größten. Nach dem Sieg vor Gericht dauert es dann auch nicht lange, bis er von einer regelrechten Kaskade an Krisen eingeholt wird. Die haben vor allem mit Frauen zu tun, die ihn entweder zu Fall bringen wollen oder es zumindest könnten. Diese starke Linie reicht von seiner innerparteilichen Erzrivalin, der scharfzüngigen Premierministerin Dawn Ellison (Helen McCroy), bis zur einer anonymen Gefängnisinsassin, die behauptet, Laurence' uneheliche Tochter zu sein. Irgendwo dazwischen machen ihm zu schaffen: die Journalistin Charmian Pepper (Sarah Greene), deren Karriere durch die Klage zerstört wurde; seine Anwältin Rochelle (Pippa Bennett-Warner), die nicht allzu überrascht wäre, wenn ihr Klient unter Eid gelogen hätte; seine verärgerte Tochter Lily (Milie Brady) und seine enttäuschte Geliebte Madeleine (Sidse Babett Knudsen).

Das gesamte Ensemble erweist sich als stark und überzeugend, Laurie ist hier nicht der einsame Star. Das passt deshalb so gut, weil auch seine Figur weder im Leben noch in der Politik so weit gekommen wäre ohne die Frauen, die sich jetzt für das erlittene Unrecht rächen wollen. Hare lässt einen zunehmend hektischen Laurence durch eine gelungene Mischung aus politischer Farce und Verschwörungsthriller tänzeln – immer ein bisschen zu gut vernetzt und zu manipulativ, als dass er gänzlich vom Chaos überwältigt würde, und mit dem tragikomischen Talent gesegnet, stets auf der Karriereleiter nach oben zu scheitern.

Es macht somit diebischen Spaß, dem durch und durch unmoralischen Aufstieg des Politprofis zu folgen, während man gleichzeitig substanzielle Kritik an real existierenden Taktikern in Regierungsämtern herauslesen kann. Völlig zutreffend riet das Branchenblatt "Variety" seinen Lesern zur US-Premiere von "Roadkill", lieber Gin als Tee mit den vier Folgen zu genießen.

"Roadkill", ab sofort bei Magenta TV