Sollte irgendwann einmal eine umfassende Chronik der Sendergeschichte von RTLzwei geschrieben werden, dann muss dem Januar 2011 vermutlich ein besonders großes Kapitel gewidmet werden. Damals startete der Privatsender innerhalb von nur zwei Wochen gleich zwei neue Formate, die das Programm von RTLzwei länger prägten als es einst "Big Brother" tat. Ziemlich genau 15 Jahre ist es nun her, dass erst "Die Geissens" und schließlich "Die Wollnys" die Bildschirme eroberten - zwei Familien, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber sich beim TV-Publikum gleichermaßen großer Beliebtheit erfreuen.

Hier die "schrecklich glamouröse" Millionärs-Familie, dort die Großfamilie mit Mutter Silvia und ihren acht Kindern, die zwischenzeitlich sogar schon ein Spin-Off über "die nächste Generation" hervorgebracht haben. Gerade erst beging RTLzwei das "Geissens"-Jubiläum mit einer Spezial-Folge, ehe am kommenden Wochenende noch einmal ein "Wollnys"-Marathon mit zwölf Folgen an die "unvergesslichsten Momente" erinnern soll. Und ein Ende ist in beiden Fälle nicht in Sicht. "Familien sind nie auserzählt, weil sich ihr Leben ständigt verändert", sagt Malte Kruber, bei RTLzwei als Programmdirektor für den Entertainment-Bereich verantwortlich, gegenüber DWDL.de. "Kinder werden älter, Beziehungen wandeln sich, neue Lebensphasen beginnen, und mit jeder Generation entstehen neue Dynamiken."

Dass es - zwischenzeitlicher Quoten-Krisen zum Trotz - immer wieder gelungen ist, das Interesse des Publikums zu wecken, führt Kruber auf die "Balance aus Vertrautheit und Entwicklung" zurück, die er für entscheidend hält. "Die Zuschauer kennen die Familien sehr gut, erleben aber gleichzeitig echte Veränderungen", sagt er, räumt aber ein: "Dass das über viele Jahre trägt, ist kein Selbstläufer – es braucht Protagonisten mit großer Offenheit und eine redaktionelle Begleitung, die langfristig denkt und nicht auf kurzfristige Effekte setzt."

Malte Kruber © RTLzwei/Kathrin Kraus Malte Kruber
Genau das ist vermutlich auch der Grund dafür, weshalb RTLzwei zwar seit vielen Jahren mit den Geissens und den Wollnys Erfolge feiert, sich aber erstaunlich schwer damit tat, das Spektrum an Familien-Dokusoaps dauerhaft auszubauen. Beide Familien stünden jeweils "für sehr unterschiedliche, in sich aber einzigartige und außergewöhnliche Lebensrealitäten - verbunden mit einer hohen Bereitschaft, auch Konflikte, Brüche und Selbstironie zuzulassen", erklärt Kruber. "Die Zuschauer erleben keine inszenierten Rollen, sondern gewachsene Persönlichkeiten, die sich über Jahre hinweg sichtbar verändern." Entscheidend sei letztlich die Langzeitbeziehung zum Publikum. "Die Fans haben diese Familien über unterschiedliche Lebensphasen begleitet und eine emotionale Bindung aufgebaut. Diese Kombination aus Gegensätzlichkeit und Authentizität ist extrem selten und schwer reproduzierbar."

Tatsächlich gab es immer wieder Versuche von RTLzwei, dem Publikum andere Familien näherzubringen. Die kamen jedoch entweder bei den Zuschauerinnen und Zuschauern nicht gut an oder wechselten irgendwann zur Konkurrenz - so wie die Reimanns oder Daniela Katzenberger, die einst bei RTLzwei sogar ihre Hochzeit als Live-Event zelebrierte.

Aufgegeben hat man die Suche allerdings nicht. "Wir halten selbstverständlich weiterhin Ausschau nach neuen Familien, sind dabei aber bewusst selektiv", sagt Programmdirektor Malte Kruber zu DWDL.de. Die Anforderungen sind hoch: "Die Familien müssen 'larger than life' sein, also eine besondere Lebensrealität mitbringen. Gleichzeitig braucht es bodenständige Charaktere, in denen sich die Zuschauer mit ihren eigenen Freuden und Herausforderungen wiedererkennen können – und natürlich Humor. Genau mit diesem Anspruch suchen wir nach Familien und Konstellationen, die das Potenzial für eine langfristige Bindung zum Publikum haben, sowohl linear als auch im Streaming."

Vorerst müssen es aber die alten Hasen richten. "Larger than life" sind erfahrungsgemäß dann eben doch nur die allerwenigsten Familien.

Die Jubiläumsfolge von "Die Geissens" steht bei RTL+ zum Abruf bereit, der "Wollnys"-Marathon beginnt am Samstag um 8:10 Uhr