Der Kampf um die Übernahme von Warner Bros. Discovery geht erwartungsgemäß in die Verlängerung. Eigentlich wäre die Frist für die Annahme des feindlichen Übernahme-Angebots durch Paramount Skydance bereits in dieser Woche abgelaufen, das Unternehmen hatte aber nach einer kürzlichen juristischen Niederlage bereits eine Verlängerung in Aussicht gestellt. Diese ist nun mit einem neuen Datum versehen worden: Die Aktionärinnen und Aktionäre von Warner Bros. Discovery haben nun bis zum 20. Februar Zeit, das Angebot anzunehmen.

An den Konditionen des Angebots hat Paramount hingegen nichts verändert: Man bietet unverändert 30 Dollar je Aktie, wodurch Warner Bros. Discovery mit insgesamt 108,4 Milliarden US-Dollar bewertet würde. Der Aufsichtsrat von Warner Bros. Discovery hatte das Gebot von Paramount schon mehrfach und einstimmig als schlechter als das von Netflix eingeschätzt und daher die Ablehnung empfohlen. Nachgebessert hatte Paramount zwischenzeitlich lediglich bei den persönlichen finanziellen Garantien durch Larry Ellison, Multimilliardär und Vater von Paramount-Chef David Ellison.

Ob das reichen wird, um eine Mehrheit der Warner-Aktionäre zu überzeugen, scheint aber ziemlich fraglich. Aus einer Mitteilung von Warner Bros. Discovery geht hervor, dass bislang offenbar lediglich rund sieben Prozent der WBD-Aktionäre das Angebot angenommen hatten. So heißt es in einem Statement: "Erneut unterbreitet Paramount dasselbe Angebot, das unser Vorstand wiederholt und einstimmig zugunsten einer überlegenen Fusionsvereinbarung mit Netflix abgelehnt hat. Es ist auch klar, dass unsere Aktionäre dieser Meinung sind, da mehr als 93 Prozent ebenfalls das minderwertige Angebot von Paramount abgelehnt haben. Wir sind zuversichtlich, dass wir die behördliche Genehmigung für die Fusion mit Netflix erhalten werden, und freuen uns darauf, den Aktionären von Warner Bros. Discovery den enormen und sicheren Wert zu bieten, den unsere Vereinbarung mit sich bringen wird."

Auch Netflix hatte am ausgehandelten Kaufpreis zuletzt zwar nichts mehr verändert, hatte aber kürzlich angekündigt, ebenfalls den kompletten Kaufpreis in bar und nicht zum Teil in eigenen Aktien zu bezahlen. Das sorgt angesichts des schwankenden Netflix-Kurses für klarere Verhältnisse und soll das Verfahren insgesamt beschleunigen. Netflix bietet 27,75 Dollar je Aktie, möchte dafür allerdings nur das Studio- und Streaming-Geschäft übernehmen. Das lineare TV-Geschäft soll vorher abgespaltet werden, Anteile daran würden die Aktionäre dann also weiterhin behalten. Die große Frage bei der Bewertung ist also, was dieser schrumpfende, aber noch immer hochprofitable Unternehmensteil noch wert ist.

Spannend ist hier vor allem der Nachrichtensender CNN, bei dem man anders als bei den übrigen Kabelsendern in den kommenden Jahren leichtes Wachstum erwartet. Zahlen für einzelne Sender hatte man zuletzt nicht mehr veröffentlicht, nun gab man aber einen seltenen Einblick: So rechnet WBD damit, dass der Umsatz von CNN bis 2030 von derzeit 1,8 auf 2,2 Milliarden US-Dollar steigen wird, weil die Einnahmen aus neuen digitalen Geschäften die auch dort rückläufigen linearen Einnahmen wettmachen sollen. Zuletzt machte CNN demnach 600 Millionen US-Dollar operativen Gewinn, hier erwartet man über die nächsten Jahre in etwa Stabilität. Vor zehn Jahren kratzte man hier allerdings auch schon einmal an der Milliarde.

Bei den übrigen US-Kabelsendern erwartet Warner Bros. Discovery hingegen, dass der Umsatz bis 2030 von 10 auf 8,2 Milliarden US-Dollar sinkt, während die internationalen Sender mit rund 4,2 Milliarden annähernd stabil bleiben sollen. Umsatz und Gewinn des gesamten, abzuspaltenden Discovery-Teils sollen also merklich sinken, der operative Gewinn aber 2030 trotzdem immerhin noch bei 2,9 Milliarden Dollar liegen. Das ist allerdings auch nötig, weil dort Schulden in erheblicher Höhe zu bedienen sind.

Warner Bros. Discovery hat nun auch genauer vorgerechnet, warum man das Netflix-Angebot für überlegen hält: Der Eigenkapitalwert des vor der Abspaltung stehenden Discovery-Teils liege bei 2,41 bis 3,77 Dollar je Aktie, im Zusammenhang mit einer potentiellen künftigen Übernahme gehe man von einer Aktien-Bewertung von 4,63 bis 6,86 Dollar je Aktie aus.

Paramount behauptet hingegen, Discovery sei praktisch nichts mehr wert. Die Strategie von Paramount in der Übernahmeschlacht sieht derzeit vor, auf der anstehenden Hautpversammlung so viele Stimmrechte unter seine Kontrolle zu bringen, dass man Umbesetzungen im Board erreichen kann, um damit die bislang einhellige Ablehnung des Angebots dort zu brechen. Außerdem könnte weitere Schützenhilfe von Donald Trump kommen, der kürzlich vor der Übernahme von Warner durch das angeblich "woke" Netflix warnte. Für die Übernahme sind behördliche Genehmigungen nötig - und die Trump-Administration hat nicht erst einmal bewiesen, dass man bereit ist, diese als Druckmittel für die Durchsetzung eigener Ziele einzusetzen.