Boris Lochthofen wird neuer Programmdirektor des MDR. Und statt zwei Personen, die die Programmdirektionen in Leipzig und Halle getrennt voneinander leiten, führt er künftig die zusammengeführten Standorte. Der MDR-Rundfunkrat hat dem Vorhaben von Intendant Ralf Ludwig jetzt grünes Licht gegeben. Einen entsprechenden Bericht der Kollegen von "Flurfunk Dresden" hat der MDR gegenüber DWDL.de bestätigt. Lochthofen erhielt im Rundfunkrat demnach 33 Ja-Stimmen, sechs Mitglieder des Gremiums stimmten gegen ihn. 

Bis Lochthofen seine Arbeit aufnimmt, werden allerdings noch einige Wochen vergehen. Die fünfjährige Amtszeit des neuen Super-Programmdirektors beginnt am 1. April. Für Lochthofen ist es eine Rückkehr: Der Manager wollte vor wenigen Jahren ebenfalls MDR-Intendant werden und verließ das Unternehmen, als sich der Rundfunkrat für Ludwig ausgesprochen hatte. Lochthofen ging anschließend in die Privatwirtschaft, seit dem 1. Januar 2024 ist er als geschäftsführender Gesellschafter und CEO für die operative Führung der Teutocast GmbH, der Raudio.BIZ GmbH und der National German Radio GmbH sowie weiterer Unternehmen des Netzwerkes verantwortlich.

Bis Lochthofen im Amt ist, werden die Programmdirektionen kommissarisch geführt - und das getrennt voneinander. Die Programmdirektion Leipzig wird schon seit einiger Zeit von Torsten Peuker interimistisch geführt - und auch Jana Brandt hat ihren Posten Mitte Januar abgegeben, seither wird die Programmdirektion Halle kommissarisch von Christina Herßebroick, Hauptredaktionsleiterin Gesellschaft und bislang schon Stellvertreterin von Brandt, geführt. 

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des MDR herrscht nach einer langen Hängepartie nun endlich Klarheit. Eigentlich wollte MDR-Intendant Ralf Ludwig den Posten, den Boris Lochthofen nun bekleiden wird, schon vor einem Jahr besetzen. Die damals von ihm ins Rennen geschickte Jana Brandt erhielt vom Rundfunkrat in mehreren Wahlgängen aber nicht die nötige Mehrheit. Das war auch für den Intendanten der ARD-Anstalt ein herber Rückschlag. Nach einer öffentlichen Ausschreibung der Stelle und einem Bewerbungsverfahren herrscht nun aber endlich Klarheit.

Im Zuge der Berufung Boris Lochthofens hat sich der MDR jetzt außerdem mit seinen bestehenden Beteiligungen beschäftigt und auch die Gremien darüber informiert. Dazu heißt es jetzt: Es liegen durch das neue Amt keine möglichen Interessenkonflikte vor. "Somit existiert kein Compliance-Risiko", heißt es vom MDR. So soll Lochthofen bis zum Zeitpunkt seines Dienstantritts alle Organstellungen an seinen Unternehmensbeteiligungen abgeben.

Über die Lochthofen Beteiligungen GmbH behält er aber weiterhin eine zehnprozentige Kapitalbeteiligung an der Teutocast GmbH, die wiederum über mehrere Gesellschaften Minderheitsanteile (2 und 4 Prozent) an zwei Radiogesellschaften hält, die nicht in Wettbewerb zum MDR stehen, da sie nicht im Sendegebiet des MDR tätig. Die Rechte, die sich durch seine Beteiligung am Unternehmen ergeben, will er während seiner Zeit im MDR ruhend stellen, die Geschäftsführung der Lochthofen Beteiligungen GmbH übernimmt Lochthofens Ehefrau. An der dokSAFE GmbH (Anbieterin für Cloud-Software für Anwälte und Steuerberater, Anm.) behält Lochthofen darüber hinaus eine 0,185-prozentige Kapitalbeteiligung.

MDR-Intendant Ralf Ludwig sagt: "Das Zusammenführen unserer beiden Programmdirektionen Halle und Leipzig ist die größte Strukturveränderung in der Geschichte des MDR. Ich freue mich sehr, dass wir für die künftige Leitung und verantwortungsvolle Aufgabe mit Boris Lochthofen einen exzellenten Medienmanager mit langjähriger Führungserfahrung und hoher digitaler Transformationskompetenz gewinnen, der zudem den MDR und die ARD bestens kennt. Ich danke dem MDR-Rundfunkrat für die Zustimmung zur Berufung. Herr Lochthofen überzeugt durch hervorragende Managementkompetenzen, langjährige publizistische Erfahrungen sowohl im öffentlich-rechtlichen als auch im kommerziellen Bereich, und er ist in der Medienbranche bestens vernetzt. Mit seiner Kommunikationsstärke, seinem partizipativen Führungsstil sowie seinem vielseitigen Erfahrungsschatz wird er die Weiterentwicklung des MDR kraftvoll mitgestalten."

Und Lochthofen selbst erklärt: "Ich freue mich darauf, gemeinsam mit den vielen engagierten Kolleginnen und Kollegen dabei mithelfen zu dürfen, dass das erfolgreiche Programm des Mitteldeutschen Rundfunks auch in Zukunft weiter eine ganz zentrale Rolle für die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen spielt. In einer Zeit, die anstrengend und von Veränderungen geprägt ist, muss der MDR nah an den wichtigen Themen seines Publikums sein und jeden Tag vor allem verlässlich berichten und natürlich auch unterhalten – besonders regional in seinen drei Ländern, aber natürlich auch für alle, die den MDR über Mitteldeutschland hinaus schätzen. Für die Unterstützung des Intendanten und der Gremien bedanke ich mich herzlich, denn unsere gemeinsamen Aufgaben sind intensiv und fordernd und müssen von uns zusammen so umgesetzt werden, dass der Nutzen für unser Publikum an erster Stelle steht."

Hinweis: Um 13:50 Uhr haben wir den Text um die Stellungnahmen sowie die Compliance-Überprüfung ergänzt.