Der ARD-Vorsitzende Florian Hager hat sich in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gegen Äußerungen von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) gewehrt. Diese hatte ARD und ZDF in der "Bild am Sonntag" angemahnt, sich um "Effizienz, Neu­tralität und Ausgewogenheit" zu bemühen. Zugleich hatte sie es als "schwierig" bezeichnet, "wenn die veröffentlichte Meinung sich immer mehr von der öffentlichen Meinung verabschiedet. Da muss es dann auch eine selbstreflektierende Korrektur geben."

Hager attestierte Klöckner nun eine "steile These zur angeblichen Diskrepanz zwischen veröffentlichter und öffentlicher Meinung". Der ARD-Vorsitzende argumentierte: "Im digitalen Zeitalter trifft das einfach nicht mehr den Punkt. Es gibt so viele veröffentlichte Meinungen." Auch zum Thema Neutralität "ließe sich viel sagen, das Wort kommt zum Beispiel in unserem Auftrag gar nicht vor", so Hager. "Dort stehen die Worte Objektivität und Überparteilichkeit, auch das müsste Frau Klöckner als früheres Rundfunkratsmitglied des SWR eigentlich wissen. Unser Job ist es, allen Menschen ein Angebot zu machen. Mit Themen, die sie bewegen, über die sie lachen oder auch weinen können. Mit Geschichten, in denen sie sich wiederfinden. Mit Angeboten, bei denen es um Zuhören und Verstehen geht, nicht darum, zu belehren."

Gleichzeitig äußerte sich der ARD-Vorsitzende in der "FAZ" selbstkritisch. "Gelingt uns das immer? Nein, aber deswegen hinterfragen und optimieren wir uns permanent. Machen wir dabei Fehler? Ja, und je konkreter die Kritik formuliert ist, desto besser können wir damit umgehen. Wie gehen wir mit Fehlern um? Leider immer noch zu oft nicht gut. Aber raunend zu fordern, „man müsse sich Fragen stellen“, hilft uns wie im Übrigen auch keiner anderen Institution weiter. In diesem Punkt waren Frau Klöckner und ich uns in unserem letzten Austausch in meinen Augen eigentlich auch einig."

In dem Interview machte Florian Hager unterdessen deutlich, die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht wegen der ausgebliebenen Beitragserhöhung um 58 Cent pro Monat nicht zurücknehmen zu wollen - auch nicht, nachdem der jüngste Entwurf einer neuen Empfehlung vorsah, den Rundfunkbeitrag zwischen 2025 und 2028 nur um 14 Cent pro Monat zu erhöhen. "Die aktuelle KEF-Empfehlung hat nichts mit der Klage beim Bundesverfassungsgericht zu tun", machte Hager deutlich. Zudem hat sich unsere Einstellung nicht geändert. Wir wollen mit der Klage das Verfahren zur Beitragsfestsetzung stützen. Gleichzeitig sieht es, wenn wir die Berichte der Presse verfolgen, anscheinend auch nicht danach aus, dass die neue KEF-Empfehlung jetzt auch umgesetzt wird."