Unter dem Titel "SchwarzRotGold: Mesut Özil zu Gast bei Freunden" zeichnete Khesrau Behroz schon 2023 in einem sehr hörenswerten achtteiligen Doku-Podcast die Lebensgeschichte von Mesut Özil nach, der es als Ausnahme-Talent bis an die Weltspitze des Fußballs schafft und hierzulande als Vorbild für gelungene Integration gefeiert wird - bis er sich 2018 mit dem türkischen Präsidenten Erdogan fotografieren lässt und sich gefühlt das ganze Land gegen ihn wendet. Özil tritt daraufhin nicht nur aus der Nationalmannschaft zurück, sondern kehrt Deutschland komplett den Rücken.

Inspiriert von diesem Podcast und unter dem fast identischen Titel "Mesut Özil: Zu Gast bei Freunden" nimmt sich nun auch das ZDF dieser Geschichte im Rahmen einer dreiteiligen Dokuserie an. Der Filmemacher und Autor Florian Opitz hat dafür zwar nicht mit Özil selbst, aber mit Menschen aus dessen engstem Umfeld gesprochen. So äußern sich ehemalige Wegbegleiter und Vertraute, aber auch Kritiker Özils, wie Joachim Löw, Oliver Bierhoff, Per Mertesacker, Özils Vater Mustafa, Özlem Topcu und Deniz Yücel, die noch nie zuvor öffentlich über den "Fall Özil" gesprochen haben. Zu sehen gibt es auch Ausschnitte aus einem im deutschen Fernsehen bislang noch nicht gezeigten Interview mit Özil.

Die Dokuserie werde "ein umfassendes und ambivalentes Bild der dramatischen Wochen zeichnen, die schließlich zu Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft führen und zur Entfremdung zwischen ihm und Deutschland – eine Geschichte über Identität und Zugehörigkeit, an deren Ende nicht nur Özil als großer Verlierer dasteht", heißt es vom ZDF.

Schon im Podcast wurde deutlich, wie sehr die Geschichte Özils auch über Deutschland aussagt. Um diese zweite Ebene geht es auch in der Dokuserie: Erzählt wird Geschichte eines Landes zwischen dem Selbstbild eines offenen Einwanderungslandes und dem Wiedererstarken ausländerfeindlicher Ressentiments. Vom "Sommermärchen" 2006 über die Integrationsdebatten der 2010er-Jahre bis in die Gegenwart will "Mesut Özil – zu Gast bei Freunden" zeigen, wie schnell ein gefeiertes Vorbild zum Projektionsfeld gesellschaftlicher Konflikte werden kann. 

Zu sehen gibt es die drei Teile ab dem 20. März online, im linearen Programm läuft die erste von drei Folgen, die sich mit seinem Aufstieg beschäftigt, am 31. März um 20:15 Uhr. Die Folgen zwei ("Brüche: Staatsfreund Nummer 1") und drei ("Entfremdung: Das Foto") folgen im linearen Programm dann allerdings erst nach Mitternacht - wer weiter schauen will, dürfte also spätestens dann bevorzugt zum Streaming-Angebot des ZDF wechseln.