Nachdem Paramount Skydance sein Angebot zur vollständigen Übernahme von Warner Bros. Discovery (WBD) zuletzt noch einmal nachgebessert hatte, verdichteten sich zu Beginn der Woche die Anzeichen, dass das tatsächlich noch einmal dazu führen könnte, dass die beiden Unternehmen miteinander sprechen. WBD hatte sich eigentlich mit Netflix auf eine Übernahme des Studio- und Streaminggeschäfts geeinigt. Das klassische TV-Business soll vorher abgespalten werden. Nun hat WBD aber tatsächlich angekündigt, noch einmal Gespräche mit Paramount führen zu wollen.
Der Rahmen dieser Gespräche ist nun allerdings ziemlich klar abgesteckt: Sieben Tage lang, bis zum 23. Februar, wird über noch offene Punkte verhandelt. Bei WBD will man die Gespräche vor allem dazu nutzen, um zu erfahren, was das "beste und endgültige" Angebot von Paramount Skydance ist. Denn offenbar gibt es hier noch zahlreiche Fragezeichen, obwohl die Offerte zuvor eindeutig schien.
Paramount kündigte an, man wolle WBD in Gänze für 30 Dollar pro Aktie übernehmen. Das entspricht einer Unternehmensbewertung von rund 108 Milliarden Dollar. Paramount lockte Management und Aktionäre von WBD zuletzt aber auch noch mit einer Verzögerungsprämie. Demnach will man 25 Cent zusätzlich je Aktie für jedes Quartal ab 2027 bezahlen, in dem der Deal noch nicht abgeschlossen ist. Nach Paramount-Angaben wären das rund 650 Millionen Dollar zusätzlich pro Quartal. Darüber hinaus würde Paramount auch weitere Kosten übernehmen, etwa mögliche Vertragsstrafen, die fällig werden würden, sollte WBD den Netflix-Deal doch noch platzen lassen.
Mehr zum Thema
Nun heißt es von WBD, dass ein Vertreter von Paramount Skydance mündlich angekündigt habe, dass Angebot auch auf 31 Dollar pro Aktie hochzuschrauben, sofern erneute Verhandlungen stattfinden würden. Und auch dieses Angebot soll noch nicht das endgültige sein, wurde angeblich in Aussicht gestellt. Nun will man bei WBD die kommenden sieben Tage dazu nutzen, um herauszufinden, wie weit Paramount gehen würde.
Netflix stimmt Gesprächen zu
Möglich werden die erneuten Gespräche zwischen WBD und Paramount auch, weil Netflix der siebentägigen Ausnahmeregelung zugestimmt hat. Der Streamingdienst scheint im Übernahmepoker rund um WBD weiterhin die besseren Karten zu haben. Am Dienstag hat das WBD-Management nämlich auch eine außerordentliche Hauptversammlung für den 20. März dieses Jahres angekündigt. Dort sollen Aktionärinnen und Aktionäre über den Netflix-Deal abstimmen - und nach wie vor, das betont WBD jetzt noch einmal, empfehle der Vorstand einstimmig die Annahme des Angebots von Netflix.
"Wir stehen derzeit mit Paramount Skydance in Kontakt, um zu klären, ob sie einen umsetzbaren, verbindlichen Vorschlag vorlegen können, der den Aktionären von WBD durch ihr bestes und endgültiges Angebot einen höheren Wert und mehr Sicherheit bietet."
David Zaslav, Präsident und Chief Executive Officer von Warner Bros. Discovery
"Während des gesamten Prozesses lag unser alleiniger Fokus auf der Maximierung des Werts und der Sicherheit für die WBD-Aktionäre", sagt David Zaslav, Präsident und Chief Executive Officer von Warner Bros. Discovery. "Bei jedem Schritt haben wir Paramount Skydance klare Hinweise auf die Mängel in ihren Angeboten gegeben und ihnen Möglichkeiten aufgezeigt, diese zu beheben. Wir stehen derzeit mit Paramount Skydance in Kontakt, um zu klären, ob sie einen umsetzbaren, verbindlichen Vorschlag vorlegen können, der den Aktionären von WBD durch ihr bestes und endgültiges Angebot einen höheren Wert und mehr Sicherheit bietet."
Direkt an den Paramount-Vorstand gerichtet, erklärt WBD dann auch noch einmal, weshalb man das Netflix-Angebot für besser hält. So gebe es hier mehr Sicherheiten und weniger Risiko. Die Rede ist darüber hinaus von einem "überlegenen Wert", den Netflix biete. WBD hat Paramount nun noch einmal offene Fragen sowie wesentliche Punkte zukommen lassen, die man besprechen will.
Wie tief greift Paramount in die Tasche?
Auch Netflix hat sich am Dienstag bereits zur aktuellen Entwicklung geäußert. Das Unternehmen spricht von einem "wichtigen Meilenstein" für die Transaktion - denn schließlich habe WBD die außerordentliche Hauptversammlung in Aussicht gestellt, auf der das Netflix-Angebot angenommen werden solle. Gleichzeitig lobt man sich selbst für den "konstruktiven und entgegenkommenden Ansatz", den man im ganzen Prozess verfolgt habe. "Ganz im Gegensatz zu Paramount Skydance", heißt es von Netflix.
Man sei zwar davon überzeugt, das bessere Angebot vorgelegt zu haben. Dennoch erkenne man an, dass die Aktionen von Paramount nicht nur für die Aktionäre, sondern auch für die gesamte Unterhaltungsbranche, "eine anhaltende Ablenkung" darstellen würden. Deshalb habe man grünes Licht für die Gespräche zwischen WBD und Paramount gegeben. Bei Netflix erwartet man nun, dass "diese Angelegenheit vollständig und endgültig" geklärt wird.
Nun wird es wohl einzig und allein darauf ankommen, wie hoch Paramount sein Angebot für die Komplettübernahme von WBD noch treiben wird - und wie man das finanziell so absichern kann, dass die übrigen WBD-Aktionäre möglichst wenige Risiken sehen. Sollte das WBD-Management zum Schluss kommen, dass das neue Paramount-Angebot besser ist als das aktuelle von Netflix, könnte das Unternehmen doch noch einmal umschwenken. Nicht auszuschließen ist dann aber natürlich, dass Netflix seinerseits das bereits gegebene Angebot noch einmal erhöht.
von



