Kommenden Freitag startet die 19. Staffel der erfolgreichsten Live-Show im deutschen Fernsehen: Kein anderes Format läuft in so langen Staffeln so erfolgreich im deutschen Fernsehen wie die von Seapoint Productions (im Auftrag von BBC Studios Germany) für RTL produzierte Tanzshow, deren Erfolg u.a. Juror Joachim Llambi vergangenes Jahr im DWDL.de-Interview auf das Leistungsprinzip zurückführte

Wortwörtlich überlässt „Let’s dance“ Prominenten die ganz große Bühne, verlangt ihnen aber anders als Reality-Formate oder Quiz-Shows echte sportliche Leistungen ab. Obgleich die Sendung auf dem britischen Original „Strictly Come Dancing“ basiert, könnte man es daher als ein sehr deutsches Format bezeichnen: Nur Leistung zähle; alles andere verbittet sich Juror Joachim Llambi. 

„Let’s dance“ ist damit einer der wenigen TV-Wettbewerbe, der durchaus ernst genommen wird, was auch ein Grund ist, warum diese Ankündigung aufhorchen lässt: Seapoint Productions, die Produktionsfirma hinter der RTL-Show, launcht parallel eine Personality-Doku mit Content Creatorin Vanessa Borck, auch bekannt als Nessiontour. Das auf YouTube verbreitete Format „Nessi in Love“ wurde am Sonntag mit einer Auftaktfolge gestartet.

Nessi in Love © Seapoint Productions

„YouTube ist bewusst als Distributionsplattform gewählt. Die Finanzierung erfolgt über eigenständige Vermarktung. Dazu gehören Markenpartnerschaften, wie die Integration von Garnier in der ersten Folge, sowie die plattformüblichen Monetarisierungsmechanismen“, erzählt Nina Klink, Geschäftsführerin von Seapoint Productions. „Für uns ist das auch Teil einer strategischen Erweiterung unseres Geschäftsmodells.“

Der Vermarktungserfolg der neuen Distributionsstrategie der Reality-Show hängt damit an einer möglichst großer Bekanntheit der Protagonistin. Seapoint Productions hat also ein wirtschaftliches Eigeninteresse am Abschneiden einer konkreten Kandidatin bei „Let’s dance“, immerhin eine der größtmöglichen Werbeflächen im deutschen Fernsehen, bei der man nicht zu früh ausscheiden will. 

Diese Präsenz in der RTL-Primetime nutzen Kandidatinnen und Kandidaten der Tanzshow natürlich schon seit Jahren für sich, wie es inzwischen bei vielen erfolgreichen TV-Formaten der Fall ist. Neu ist hier, dass die Produktionsfirma von „Let’s dance“ selbst mit einer der Kandidatinnen und Kandidaten in einer Geschäftsbeziehung für eine Folge-Produktion steht, die von der Popularität bei „Let’s Dance“ profitieren soll.

Nina Klink © Florian Trettenbach
Nina Klink, Geschäftsführerin von Seapoint Productions, sieht auf Anfrage von DWDL.de keinen Interessenskonflikt: „Im Gegenteil, die Teilnahme von Vanessa an ‚Let’s Dance’ stellt das Team von ‚Nessi in Love‘ eher vor die Herausforderung in eine Art Produktionspause unbestimmter Dauer zu gehen, da das Tanztraining der Promis bekanntlich sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und Nessi erst wieder die Dreharbeiten für ‚Nessi in Love‘ aufnimmt, wenn ‚Let’s Dance‘ vorbei ist."

„Beide Formate werden redaktionell und organisatorisch von unterschiedlichen Teams verantwortet. Die redaktionellen Prozesse und Entscheidungsmechanismen bei „Let’s Dance“ sind klar geregelt und unabhängig von anderen Produktionen“, erklärt die Produzentin und ergänzt: „Es gibt definitiv keine Einflussnahme auf Wettbewerbsentscheidungen.“ Allerdings ist das auch nicht unbedingt der Hintergedanke, der andere Kandidatinnen und Kandidaten umtreiben könnte. 

Seapoint Productions © Seapoint Productions
Aber neben der fokussierten Fachjury entscheidet eben auch das TV-Publikum. Dass Seapoint im Vorfeld der neuen „Let’s dance“-Staffel Promotion für eine Kandidatin und ihr gemeinsames Projekt macht, wird offenbar nicht als Problem gesehen. Ebenso wie die subtile und vielleicht auch irrationale aber schwer auszuräumende Sorge anderer Kandidatinnen und Kandidaten von „Let’s dance“, ob Musikauswahl, Inszenierung oder Screentime mit Absicht gewählt wurden. 

Wie kam es eigentlich zum neuen Projekt mit Vanessa Borck? „Die weitere Zusammenarbeit mit Vanessa ist für uns die logische Konsequenz aus dem, was wir bereits bei ‚Princess Charming‘ gespürt haben: Vanessa ist eine Granate! Ich habe selten jemanden erlebt, der vor der Kamera so authentisch, emotional und nahbar ist und gleichzeitig so professionell arbeitet“, sagt die „Let’s Dance“-Produzentin über die ‚Let’s Dance“-Teilnehmerin. 

Klink bekräftigt, es gebe keinen direkten Zusammenhang zwischen den Formaten. „Der Kontakt zu Vanessa ist nach ‚Princess Charming‘ nie abgerissen, der Wunsch nach einer weiteren Zusammenarbeit war auf beiden Seiten da und die Entwicklung und Produktion von ‚Nessi in Love‘ hat schon begonnen, bevor die Teilnahme von Vanessa an ‚Let’s Dance‘ im Raum stand. Die erste Folge des Formats wird bereits vor dem Staffelstart von ‚Let‘s Dance’ bereitgestellt; das war aufgrund der Aktualität zu den Inhalten dieser ersten Folge von Anfang an so geplant.“

RTL Deutschland © IMAGO / Marc John
Beim Sender hat man Kenntnis von dem Seapoint-Projekt mit Vanessa Borck. „Einen Einfluss auf ‚Let’s Dance‘ hat dieses YouTube-Format jedoch nicht. Unsere Jurorin und Juroren bewerten weiterhin ausschließlich die tänzerische Leistung auf dem Parkett, und die Zuschauerinnen und Zuschauer entscheiden per Anruf, welches Paar sie im Tanz-Wettbewerb weitersehen möchten“, erklärt ein Sprecher auf DWDL.de-Anfrage.

„Während ‚Let’s Dance‘ läuft, ist unseren Informationen nach, nur die im Vorfeld produzierte Castingaufruf-Folge von ‚Nessi in Love‘ online. Die eigentliche Umsetzung des YouTube-Formats beginnt erst nach dem Ausscheiden von Vanessa Borck. Wir erkennen daher keinerlei Konflikt. Die redaktionellen Abläufe und Entscheidungsprozesse bei ‚Let’s Dance‘ sind davon komplett unabhängig und folgen den bekannten, transparenten Kriterien.“