Nachdem das ZDF am Sonntag vergangener Woche im "heute-journal" in einem Beitrag über umstrittene ICE-Einsätze auch teils offensichtlich von KI erstelltes, teils in einem anderen Zusammenhang entstandenes Video-Material verwendet hatte, gab der Sender in Sachen Aufarbeitung ein klägliches Bild ab. Zuerst versuchte man sich um ein klares Fehlereingeständnis herumzudrücken, nach immer lauter werdender Kritik folgte dann nach zwei Tagen doch noch eine Richtigstellung und Entschuldigung.
Als Konsequenzen kündigte man bislang neben KI-Schulungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor allem auch einen personellen Schritt an: Die Abberufung der New Yorker ZDF-Korrespondentin, die für den Beitrag verantwortlich war. Da das KI-Video sogar offensichtlich mit einem Wasserzeichen gekennzeichnet war, hätte der Fehler freilich aber längst nicht nur ihr, sondern auch den Kontrollinstanzen beim "heute-journal" auffallen müssen. Dass nun vor allem die Abberufung von Nicola Albrecht so groß und namentlich kommuniziert wurde, wird daher von vielen auch kritisch gesehen.
Unterstützung erhält Albrecht vom langjährigen "heute-journal"-Moderator Claus Kleber. Gegenüber dem "Tagesspiegel" bezeichnete er sie als "tadellose, aufrechte Kollegin, die sich stets die schwierigsten Regionen ausgesucht habe". Nun sei ihr "ein schlimmer Fehler passiert, wie er in unserem Geschäft auch den Besten passieren kann. Ich weiß, wovon ich spreche."
Zwar sei es richtig, dass der Sender den Fehler benannt und zusätzliche Sicherungsmaßnahmen angekündigt habe, zugleich forderte er aber Rückendeckung durch die ZDF-Führung fürs eigene Personal, damit sich in den Redaktionen nicht das "Gift der Angst" ausbreite. "Es gilt, den Rücken breit zu machen und dafür zu sorgen, dass professionelle Journalisten furchtlos ihrer Arbeit weitermachen können. Wie Nicola Albrecht."
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