In goldenen Buchstaben hat sich Yannis B. aus Hannover drei Worte auf sein T-Shirt drucken lassen: "Arbeitsloser des Jahres". Bis zu 400.000 Abrufe zählen seine Videos in den sozialen Medien - kein Wunder also, dass die Redaktion des von der Leonine-Tochter i&u Studios produzierten Sat.1-Formats "Ronzheimer - Wie geht's, Deutschland?" auf den jungen Mann aufmerksam wurde. In der vor etwas mehr als einer Woche ausgestrahlten Sendung zum Thema Bürgergeld antwortete B. dann wohl auch so, wie man es von ihm erwartete. Ob es ihm nichts ausmache, dem Staat "auf der Tasche" zu liegen, fragte Journalist Paul Ronzheimer, woraufhin B. entgegnete: "Nee, eigentlich nicht. Ist mir relativ egal eigentlich."

Im weiteren Verlauf der Sendung konfrontierte der "Bild"-Vize-Chefredakteur sogar Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, mit den Aussagen des vermeintlichen "Sozialschmarotzers". Das Problem: Yannis B. hat nicht die Wahrheit erzählt, wie er inzwischen schriftlich eingeräumt hat. Das wiederum hat Sat.1 jetzt - relativ versteckt - auf der "Behind the Scences"-Seite seines Streamingdienstes Joyn verlauten lassen, nachdem DWDL.de den Sender am Mittwoch nach den Gründen für das Verschwinden der besagten "Ronzheimer"-Ausgabe bei Joyn befragte. Tatsächlich war die Sendung zeitweise nicht mehr abrufbar - auch eine Pressemitteilung, die Sat.1 im Vorfeld der Ausstrahlung verschickte, ist inzwischen gelöscht worden. 

Auf "Behind the Scences" heißt es nun, dass es kurz nach der Ausstrahlung der Reportage Hinweise gegeben habe, wonach Yannis B. nicht die Wahrheit gesagt habe. "Yannis B. hat vor, während und nach den Dreharbeiten zu der Reportage zum i&u-Studios-Redaktionsteam nicht die Wahrheit gesagt", erklärt Sat.1-Sprecher Christoph Körfer. "Er hat Dokumente und Belege gefälscht, um seine vermeintliche Geschichte glaubhaft erscheinen zu lassen." Und weiter: "Wir entschuldigen uns aufrichtig beim zuständigen Jobcenter Hannover, das durch die unwahren Behauptungen von Yannis B. in ein falsches Licht gerückt wurde."

Wie Sat.1 darüber hinaus mitteilte, werden aktuell die Hintergründe und eventuelle rechtliche Schritte geprüft. Die Folge steht unterdessen nun wieder in überarbeiteter Form bei Joyn zum Abruf bereit - bereinigt um Yannis B. und seine erfundene Geschichte, fällt die Sendung nun fast eine Viertelstunde kürzer als bei ihrer TV-Ausstrahlung, 

Auch das ZDF berichtete über Yannis B.

Doch nicht nur in Unterföhring sorgte B. für Unruhe: Auch beim ZDF ist man nach den jüngsten Erkenntnissen von Sat.1 alarmiert. Der öffentlich-rechtliche Sender hatte im vergangenen Jahr in seinem Boulevardmagazin "Hallo Deutschland" ebenfalls über den Hannoveraner berichtet. Noch immer steht der Bericht auf "ZDFheute" zum Abruf bereit. Darauf angesprochen, teilte ein ZDF-Sprecher gegenüber DWDL.de mit: "Bei den Dreharbeiten zu dem in der 'Hallo Deutschland'-Sendung vom 5. August 2025 ausgestrahlten Beitrag sind keine Ungereimtheiten bemerkt worden. Es gab damals keinen Grund, an der Glaubwürdigkeit der Schilderungen von Yannis B. zu zweifeln."

Gleichwohl werde der Beitrag nun nach der DWDL.de-Anfrage "erneut überprüft", heißt es vom ZDF. Dort hatte ein "heute-journal"-Bericht gerade erst für viel Unruhe gesorgt, weil darin KI-Bilder ohne Kenntlichmachung gesendet wurden. Als Reaktion darauf zog der Sender seine bisherige New-York-Korrespondentin ab. Ein neuerlicher journalistischer Fehltritt käme für den Sender vor diesem Hintergrund zur Unzeit. Berichtet wurde in der Vergangenheit aber noch von anderen Medien über Yannis B., darunter etwa bei "Brisant", dem ARD-Pendant zu "Hallo Deutschland".