Es wird also ein Duell. Nach der offenen Bewerbungsphase um das Amt des Intendanten oder der Intendantin des ZDF lagen dem Fernsehrat des Senders zwar sieben Bewerbungen vor, welche die formellen Vorgaben einer Bewerbung erfüllten. Doch es liegt an den Mitgliedern des Gremiums, Wahlvorschläge einzubringen - und das geschah nur zweimal: Für Amtsinhaber Dr. Norbert Himmler und die Journalistin Dr. Floria Fee Fassihi, wie das Gremienbüro des ZDF-Fernsehrats am Mittwoch auf DWDL.de-Anfrage bestätigt. 

Es ist damit gem. § 5 Abs. 4 der Wahlsatzung dieses Duo, das zur Wahl am Freitag kommender Woche in Mainz zugelassen ist. Es finden in öffentlicher Sitzung, die auch per Livestream übertragen wird, bis zu drei ordentliche Wahlgänge für die Intendanz statt. Gemäß § 26 Abs. 1 ZDF-Staatsvertrag ist der Kandidat/die Kandidatin gewählt, der/die drei Fünftel der Stimmen (36 Stimmen) der gesetzlichen Mitglieder des Fernsehrates auf sich vereinigt. 

Erinnerungen werden wach an die Wahl zur ZDF-Intendanz im Juli 2021 als ARD-Journalistin Tina Hassel ins Rennen zog und im Ideen-Wettbewerb um die Gestaltung der Zukunft des ZDF den bisherigen Programmdirektor und Favoriten auf das Amt in einen dritten Wahlgang zwang, vor dem sie „erhobenen Hauptes“ ihre Bewerbung zurück zog. Doch es gibt Unterschiede zur Wahl vor fünf Jahren - und das liegt an Dr. Floria Fee Fassihi. 

Ein Name, den für die Wahl der ZDF-Intendanz ab Frühjahr 2027 vermutlich niemand auf dem Bingo-Zettel hatte. Fassihi ist Journalistin und nach lehrt nach eigenen Angaben an mehreren Universitäten. Im Internet sind darüber hinaus nicht viele Informationen zu ihrer Karriere verfügbar. Vor 18 Jahren erschien ein Fachbuch von ihr mit dem Titel „Werbebotschaften aus der Redaktion? Journalismus im Spannungsfeld zwischen Instrumentalisierung und Informationsauftrag."

Über das berufliche Wirken danach lässt sich wenig finden. Nach eigener Aussage hat sie als Journalistin und Moderatorin sowohl für öffentlich-rechtliche wie private Sender gearbeitet. Vor drei Jahren feierte Fassihi ihre 25-jährige Mitgliedschaft im DJV („Journalismus ist noch immer mein Traumberuf“) und erklärte in einem Gastbeitrag ihre Motivation und Zielsetzung: „Ein besonderes Anliegen ist mir – gerade in der heutigen Zeit – die Sicherung der journalistischen Qualität sowie die Trennung von journalistischen Inhalten und Werbung.“

Weiter schrieb sie damals: „Journalisten haben große Verantwortung. Und die Herausforderungen für den Journalismus sind im Jahr 2023 nicht weniger geworden: Das Aushandeln fairer Honorare, das Schaffen von adäquaten Arbeitsbedingungen, der Umgang mit KI sowie das Enttarnen von Fake News durch sorgfältige Quellenprüfung werden uns weiter beschäftigen.“ Aussagen von vor drei Jahren, die sich vor dem Hintergrund der jüngsten Verfehlung in der ZDF-Berichterstattung wie eine Bewerbung lesen. 

Doch die weitgehend unbekannte Bewerberin ohne öffentlich dokumentierte Management-Verantwortung oder fundierte Kenntnis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks dürfte kommende Woche Freitag als klare Außenseiterin ins Rennen um die Führung einer der größten Sendeanstalten Europas gehen. Aufhorchen lässt es dennoch, wird so aus einer Formsache doch erst eine Wahl - und wie spannend eine solche beim ZDF trotzdem werden kann, hat man sicher nicht nur in Mainz noch in genauer Erinnerung.