Thorsten Braun © RTLzwei/Kathrin Kraus Thorsten Braun
Seit etwas mehr als vier Monaten fungiert Thorsten Braun als neuer Geschäftsführer von RTLzwei. Nun hat er erste strategische Weichen gestellt, die auch die konkrete Ausrichtung des linearen Senders betreffen. Dieser soll sich künftig an ein älteres Publikum richten. Zwar sei RTLzwei "mit Ausnahme von ProSieben noch immer der jüngste relevante Sender im Markt", sagt Braun im Interview mit DWDL.de. "Aber es ist offensichtlich: Wir werden uns im Linearen in Zukunft stärker an den 30- bis 59-Jährigen orientieren."

Der Shift hängt damit zusammen, dass selbst bei RTLzwei im vergangenen Jahr nur noch gut 30 Prozent des Publikums zwischen 14 und 49 Jahre alt waren, der Rest sei inzwischen über 50. "Früher war RTLzwei mal als TV-Sender für die 14- bis 29-Jährigen positioniert. Das funktioniert heute nicht mehr", betont Braun, der sich mit RTLzwei fortan mehr denn je in einem Spagat üben muss, schließlich sei RTLzwei "im Streaming jünger als der Durchschnitt von RTL+". "Dort machen die 14- bis 49-Jährigen über 80 Prozent unserer Nutzung aus, die 14- bis 29-Jährigen mehr als ein Drittel. Und unser Angebot auf den Social-Plattformen, auf YouTube oder TikTok, ist noch jünger."

Malte Kruber und Konstanze Bayer im DWDL.de Producers Club

Als Konsequenz daraus kündigt der neue RTLzwei-Geschäftsführer im Gespräch mit DWDL.de an, Streaming und Fernsehen in Zukunft "getrennter betrachten" zu wollen. "In der Vergangenheit war es so, dass wir in der Primetime immer wieder Programme ausgestrahlt haben, die zwar im Streaming richtig stark funktionierten, im Linearen aber nicht. Das wollen wir ändern, indem wir beide Verbreitungswege künftig unabhängiger voneinander planen."

Im Zuge dessen will sich Thorsten Braun auch von der bisherigen Deckungsbeitrags-Logik je Format verabschieden. Er sei "bereit, einen negativen Deckungsbeitrag für ein tolles Reality-Format zu akzeptieren, wenn es uns im Streaming nach vorne bringt", so Braun. "Aber ich muss es eben nicht zwangsläufig im Fernsehen ausstrahlen, wo es wahrscheinlich eine schlechte Quote erzielt." Deshalb sei man "gut beraten, eine neue Flexibilität an den Tag zu legen."

Das gesamte Interview mit Thorsten Braun, in dem er unter anderem über seine strategischen Prioritäten spricht, lesen Sie am Dienstag bei DWDL.de.