Ein wenig überrumpelt schien das ZDF am Mittwoch gewesen zu sein, als der Sender seinen neuen Moderator für das Boulevardmagazin "Hallo Deutschland" präsentierte. Dass Marvin Fischer ab Juli durch die Sendung führen soll, hatte einige Stunden zuvor schon - etwas versteckt in einem Nebensatz - in einer Pressemitteilung gestanden, die die ARD verschickte, um über die geplante Zusammenlegung mehrerer ihrer Jugendwellen zu berichten, bei der Fischer auch künftig am Mikrofon eine Rolle spielen wird.

Als das ZDF seine eigene Mitteilung verschickte, war die Nachricht also schon längst in der Welt. Fragen blieben trotzdem offen, denn zwar erklärte der Sender zunächst, dass sich Fischer künftig bei der Moderation mit Sandra Maria Gronewald abwechseln wird, nicht aber, was aus dem übrigen Team wird, das bislang neben Gronewald für "Hallo Deutschland" vor der Kamera stand. Erst später stellte das ZDF schließlich klar, dass Lissy Ishag, Babette von Kienlin und Tim Niedernolte in Zukunft nicht mehr mit dabei sein werden (DWDL.de berichtete). "Mit der Reduzierung auf zwei prägende Köpfe erhofft sich das ZDF eine noch höhere Wiedererkennbarkeit für das Formats", hieß es.

Dass der Personalwechsel bei "Hallo Deutschland" nicht ganz ruckelfrei verläuft, legt die Reaktion von Lissy Ishag nahe, die "Hallo Deutschland" immerhin bereits seit 2013 moderierte und damit seit über eine Jahrzehnt prägendes Gesicht der Sendung war. "Von der Entscheidung wusste ich schon länger, das ist das Berufsrisiko, dass man leicht ersetzt werden kann. Dessen bin ich mir natürlich bewusst", sagte die Moderatorin zu DWDL.de. "Was nicht schön war, war die Kommunikation rund um dieses Thema. Das muss man so deutlich sagen. Vieles habe ich nur auf Nachfrage erfahren und auch wenn Arbeitgeber keine guten Neuigkeiten haben, kann man wertschätzend und emphatisch kommunizieren."

Ihre Unzufriedenheit lässt sich auch daran ablesen, dass Ishag bereits ab sofort nicht mehr im ZDF zu sehen sein wird, wie sie sagt - "eine Konsequenz resultierend aus einer längeren Phase, in der ich wenig Wertschätzung wahrgenommen habe". Das  stehe "ganz im Gegensatz zu dem positiven Klima, dass ich bei Radio Mixtape erlebe", wo sie bereits seit einiger Zeit parallel zu ihrer Aufgabe bei "Hallo Deutschland" zu hören ist. Ishag deutlich: "Die Arbeit beim ZDF passt einfach nicht mehr zu meiner Vorstellung eines unterstützenden Arbeitsplatzes."

"Umsichtig und intensiv kommuniziert"

Auf DWDL.de-Nachfrage stellte das ZDF derweil klar, dass die Redaktion die Moderatorinnen und Moderatoren von "Hallo Deutschland" erstmals 2023 darüber informiert, dass ihre Moderationen nicht verlängert werden. "In dieser Zeit hat die Redaktionsleitung regelmäßig und transparent mit allen Beteiligten gesprochen", so stellt es ein Sendersprecher dar. "Eineinhalb Jahre im Voraus wurde allen Beteiligten kommuniziert, dass der Wechsel Ende Juni 2026 erfolgen wird. Seitdem gab es weitere Gespräche, sowohl mit den Moderatorinnen und dem Moderator als auch mit der Redaktion."

Nach Auffassung des ZDF habe die Redaktionsleitung die Veränderungen "umsichtig und intensiv kommuniziert". Angesprochen auf Ishags Aussagen, teilte der Sender mit: "Wir bedauern, dass Lissy Ishag dies als zu wenig und zu wenig empathisch empfunden hat. Wir bedanken uns bei ihr für fast 13 Jahre gute Zusammenarbeit als Moderatorin."

Tim Niedernolte und Babette von Kienlin © ZDF/Jana Kay Tim Niedernolte und Babette von Kienlin
Tim Niedernolte nimmt den Abschied indes gelassener. "Natürlich hätte ich diese so abwechslungsreiche und erfolgreiche Sendung gerne noch ein bisschen länger moderiert", sagt der Journalist gegenüber DWDL.de. "Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung, dass tatsächlich gilt: Schließt sich eine Tür, öffnet sich woanders eine neue. Und so gehe ich nicht im Groll, sondern bin dankbar für 16 erfüllte und abwechslungsreiche Moderationsjahre im ZDF." Seine letzte "Hallo Deutschland"-Sendung wird Niedernolte laut aktuellem Dienstplan am 26. Juni moderieren. Und danach? "Neben meinen Keynotes, Moderationen und Lesungen, mit denen ich ja weiterhin unterwegs bin, führe ich gerade einige Gespräche und sortiere verschiedene Ideen und Projekte."

Babette von Kienlin ließ eine DWDL.de-Anfrage zu ihrer Zukunft unbeantwortet. Mit ihr verabschiedet sich ein Gesicht, das das ZDF-Programm über Jahrzehnte hinweg prägte: Von 1998 bis zur Einstellung im Dezember 2023 moderierte sie die "Drehscheibe" und war auch schon lange davor als Programmansagerin und Moderatorin von Formaten wie der "Knoff-Hoff-Show" und dem "Sonntagskonzert" im ZDF präsent. 

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