Wenn am 20. Mai die Hauptversammlung von ProSiebenSat.1 stattfindet, müssen die Aktionärinnen und Aktionäre, also im Wesentlichen MFE, darüber entscheiden, ob es im Aufsichtsrat des Konzerns weitreichende Veränderungen geben wird. Das Unternehmen hat jetzt nämlich vorgeschlagen, das Gremium von bislang neun auf künftig nur noch sieben Personen zu verkleinern. So hätten sich Katrin Burkhardt und Cai-Nicolas Ziegler dazu entschieden, aus dem Aufsichtsrat auszuscheiden. 

"Dies ist ein weiterer Schritt im Rahmen der laufenden Bemühungen des Unternehmens, die Effizienz zu steigern und Kosteneinsparungen voranzutreiben", heißt es von ProSiebenSat.1 in einer Pressemitteilung. Um die neue Zielgröße von sieben Mitgliedern zu erreichen, schlägt der Aufsichtsrat Katharina Behrends, Michael Eifler, Thomas Ingelfinger und Simone Sole zur Wahl vor. Sie waren auch bislang alle schon Mitglieder des Gremiums. Leopoldo Attolico und Simone Scettri sind jeweils noch bis 2027 bzw. 2028 bestellt, die Aufsichtsratsvorsitzende Maria Kyriacou ebenfalls bis 2028.

Um zusätzliche Kostensenkungen zu erzielen, schlagen Vorstand und Aufsichtsrat darüber hinaus auch vor, die Vergütung für Aufsichtsratsmitglieder zu senken. Konkret soll ein reguläres Mitglied des Aufsichtsrats künftig 90.000 Euro pro Jahr erhalten. Der oder die Vorsitzende erhält wegen des Mehraufwands 225.000, er oder ihr Stellvertreter/in 135.000 Euro. Zuletzt lag die Vergütung der Mitglieder bei 250.000 (Vorsitzender), 150.000 Euro (Stellvertreter) und 100.000 Euro (reguläres Mitglied). Auch das Geld für die persönliche Teilnahme an Sitzungen soll reduziert werden. 

Neben diesen Veränderungen schlagen Vorstand und Aufsichtsrat ein Paket von Kapitalstruktur-Maßnahmen vor, darunter ein neues genehmigtes Kapital, eine erneute Ermächtigung zur Ausgabe von Wandel- und/oder Optionsanleihen mit einem Nennbetrag von bis zu 700 Millionen Euro und eine neue Ermächtigung zum Erwerb und zur Verwendung eigener Aktien.

Auf der Hauptversammlung sind keine großen Überraschungen zu erwarten. Alle jetzt von ProSiebenSat.1 in Aussicht gestellten Änderungen dürften auch tatsächlich so beschlossen werden. Hintergrund ist die Tatsache, dass MFE mittlerweile mehr als 75 Prozent der Stimmrechte am Konzern hält und Vorstand und Aufsichtsrat wohl kaum etwas vorschlagen werden, was gegen die MFE-Linie geht. Ein Großteil der Aufsichtsratsmitglieder ist zudem heute schon MFE zuzurechnen, nach der Verkleinerung des Gremiums sind die Italiener im Gremium noch dominanter. 

Maria Kyriacou, Vorsitzende des Aufsichtsrats der ProSiebenSat.1 Media SE, sagt: "Im Namen des gesamten Aufsichtsrats möchte ich Katrin Burkhardt und Cai-Nicolas Ziegler herzlich für ihr Engagement und ihre wertvollen Beiträge in den vergangenen drei Jahren danken. Wir wünschen ihnen für die Zukunft nur das Beste. Die geplante Verkleinerung des Aufsichtsrats und die Anpassungen unserer Kapitalstruktur spiegeln unser klares Bekenntnis zu einer schlankeren, agileren Organisation wider. Diese Maßnahmen verschaffen uns die finanzielle Flexibilität, die wir benötigen, um unsere Transformation voranzutreiben und langfristigen Wert für unsere Aktionär:innen zu schaffen."