Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme der Sky German Holdings GmbH (alias Sky Deutschland) durch RTL Deutschland gemäß der EU-Fusionskontrollverordnung vorbehaltlos genehmigt. Die entsprechende Pressemitteilung zur Entscheidung kam am frühen Mittwochabend. Die Kommission kam demnach zu dem Schluss, dass die Transaktion im Europäischen Wirtschaftsraum keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken aufwirft. Man habe die Auswirkungen untersucht und umfangreiches Feedback von Kunden, Lieferanten und Wettbewerbern von RTL und Sky auf allen Ebenen der audiovisuellen Wertschöpfungskette eingeholt.
Auf der Grundlage dieser Untersuchung kam die Kommission zu dem Schluss, dass das Vorhaben in der angemeldeten Form den Wettbewerb nicht erheblich beeinträchtigen würde. Die RTL Group erklärt in einer ersten Reaktion, den Abschluss der Transaktion jetzt für den am 1. Juni 2026 zu planen. Der Kaufpreis liegt, wie schon bekannt war, bei 150 Millionen Euro in bar plus einer variablen Earn-Out-Zahlung, die sich an der Aktienkursentwicklung der RTL Group orientiert, aber bei 377 Millionen Euro gedeckelt ist. Die RTL Group hat die Option, diese potenzielle Earn-Out-Zahlung in RTL-Group-Aktien, in bar oder in einer Kombination zu leisten.
© Bertelsmann/RTL
Die EU-Kommission führt in ihrer Mitteilung weiter aus, dass es unwahrscheinlich sei, dass das Vorhaben zu einer Stärkung der Nachfragemacht von RTL und Sky auf den Märkten für den Erwerb audiovisueller Inhalte führt. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass die beiden Unternehmen sowohl bei Unterhaltungs- als auch bei Sportinhalten derzeit unterschiedliche Schwerpunkte haben; dass es genügend alternative Abnehmer gibt; dass keine nennenswerten Markteintrittsbarrieren bestehen und dass der Wettbewerbsdruck zunimmt, insbesondere durch globale Streaming-Plattformen. Die Transaktion führe ebenso nicht zu einer Einschränkung des Wettbewerbs bei der Großhandelsversorgung oder dem Erwerb von TV-Kanälen und audiovisuellen Diensten, da das fusionierte Unternehmen nur über einen moderaten Marktanteil verfügt, die Unternehmen keine engen Wettbewerber sind und für "audiovisuelle Einzelhändler" weiterhin ausreichend alternative Anbieter zur Verfügung stehen.
Und dann ist da die Frage des Werbemarktes - in den vergangenen Jahren scheitern zahlreiche Vorhaben an einer befürchteten Marktkonzentration in diesem Bereich. Doch das Urteil der EU-Kommission: Die Transaktion führe nicht zu einer erheblichen Einschränkung des Wettbewerbs auf dem Markt für die Bereitstellung von Werbeflächen, der nach Angaben der Parteien angesichts der Verlagerung der Zuschauerzahlen insbesondere hin zu globalen Streaming-Plattformen unter erheblichem Druck steht. Die Transaktion würde auf dem Markt der linearen Fernsehwerbung nur zu "einer geringfügigen Stärkung der Position der Unternehmen" führen. Es lägen ausreichende Anhaltspunkte dafür vor, dass "es ausreichende Alternativen gibt (oder ein ausreichender Markteintritt wahrscheinlich ist) und dass Kunden leicht wechseln können und dies in der Praxis auch tun." Auch hier also keine Zugeständnisse seitens RTL Deutschland nötig, über die in den vergangenen Wochen spekuliert worden war. Doch nun gab es grünes Licht ohne Auflagen.
Keine Auflagen bei der Vermarktung
Bemerkenswert: Die EU-Kommission berichtet, dass RTL Verpflichtungszusagen vorlegte, um potenzielle Bedenken in Bezug auf die Werbemärkte auszuräumen. Nach weiterer Prüfung kam die Kommission jedoch zu dem Schluss, dass die von RTL angebotenen Verpflichtungszusagen nicht erforderlich waren. Man kam daher zu dem Schluss, dass der geplante Zusammenschluss keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken auf den Märkten im EWR aufwerfen würde, und genehmigte den Zusammenschluss vorbehaltlos. Es entsteht somit ein neuer deutscher TV- und Streaming-Riese mit - laut RTL Group - derzeit rund 12,3 Millionen zahlenden Abonnentinnen und Abonnenten über RTL+, Sky und Wow hinweg.
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Wie schon im Juni vergangenen Jahres als RTL Deutschland das Vorhaben öffentich machte, bestärkt man auch heute wieder ein erwartetes Synergie-Potential von 250 Millionen Euro in den ersten drei Jahren, "wobei es sich überwiegend um Kostensynergien in allen Bereichen handelt", wie man es heute formuliert. RTL Deutschland wird seinen Hauptsitz weiterhin in Köln haben, Sky Deutschland in Unterföhring. Das hatte Stephan Schmitter zuvor schon mehrfach bekräftigt.
© Comcast
Es war der 27. Juni vergangenen Jahres als die Einigung von Sky-Eigner Comcast und RTL Deutschland über den Verkauf von Sky Deutschland öffentlich wurde. Ein Deal, der damals schon unmittelbar Schlagzeilen machte - aber zunächst unter Vorbehalt der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden stand. Aufgrund der Auswirkungen auf mehrere europäische Märkte wurde die Übernahme zu einem Thema auf EU-Ebene, gipfelnd in der Entscheidung der EU-Kommission. Eine Entscheidung, auf die nicht nur RTL Deutschland hingefiebert hatte. Bei den aktuell laufenden Medientagen Mitteldeutschland in Leipzig hatte sich auch Wolfram Weimer, Bundesbeauftragter für Kultur und Medien, am Mittwochmorgen zum wiederholten Male als dezidierter Befürworter dieser Übernahme positioniert, um globalen Playern entschiedener etwas entgegensetzen zu können.
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