Die spannendste Entwicklung auf dem Markt der Boulevard-Zeitungen lässt sich in den kommenden Monaten und Jahren womöglich in Berlin verfolgen. Dort geht Springer bei der traditionsreichen "B.Z." nämlich einen überraschenden Weg und übergibt die Leitung und Redaktion an die Axel Springer Academy of Journalism und Technology. An der Spitze der Academy steht Miriam Krekel, die die "B.Z." bestens kennt, war sie doch von 2017 bis 2022 dort Chefredakteurin.
Nun soll sie die Tradition der Marke mit der Innovationsfähigkeit der Academy verbinden, wie es heißt. Das von Springer ausgegebene Ziel: " die journalistischen Produkte deutlich verjüngen, mit einzigartigen Ideen den digitalen Lokaljournalismus neu prägen, unabhängiges Experimentierfeld für ungewöhnliche Ideen zu sein und zu belegen, dass lokaler Boulevardjournalismus auch in Zukunft wirtschaftlich tragfähig ist, wenn man ihn neu denkt."
Miriam Krekel sagt: "Was die 'B.Z.' kann, ist menschennaher, exzellenter Journalismus, der auf Berlin zugeschnitten ist. Was die Academy kann, ist, alle modernen Formen des Journalismus zu beherrschen und mit einer unbändigen Neugier auszuprobieren, was die Zukunft des Journalismus sein kann, und wie wir diese gestalten. Die Kombination daraus wird zu einem einzigartigen Labor in der deutschen Medienlandschaft und für die Leser der 'B.Z.' zu einem echten Mehrwert, der sich schnell in der 'B.Z.', ob digital oder Print niederschlagen wird. Die 'B.Z.' wird die jüngste Medienmarke Deutschlands werden – und das im 150. Jahr ihres Bestehens."
Erste Projekte seien schon in Planung oder im fortgeschrittenen Stadium. Dazu zählen Daten- und investigative Recherchen sowie innovative journalistische Ideen zu AI-unterstütztem hyperlokalen Journalismus, der sowohl dem Informationsbedürfnis der Berliner Rechnung trage, als auch viele Service-Dienste, die den B.Z.-Lesern das Leben in dieser manchmal so komplizierten Stadt erleichtern sollen.
Das Kernteam der "B.Z." soll künftig aus einem Mix aus erfahrenen Redakteuren und wechselnden Journalistenschülerinnen und -schülern der Axel Springer Academy gemacht werden. Damit einher geht aber ein Stellenabbau im bisherigen Team der "B.Z." der sich einem Springer-Sprecher zufolge im niedrigen zweistelligen Bereich bewegen soll. Man plane ein Freiwilligenprogramm und strebe sozialverträgliche Lösungen an. Während die redaktionelle Führung bei Academy-Chefin Miriam Krekel liegt, wird es keinen eigenen Chefredakteur für die "B.Z." mehr geben. Die künftige Rolle von Jan Schilde, der das Blatt zuletzt redaktionell geleitet hat, ist noch offen, dem Vernehmen nach soll er aber bei Springer verbleiben.
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