Nachdem ProSieben im Januar und Februar sein Programm noch auf völliger Sparflamme gefahren hat, stieg der Anteil an Erstausstrahlungen und Free-TV-Premieren im Abendprogramm (20:15 Uhr bis Mitternacht), den wir jeden Monat in unserem Frische-Index abbilden, ab März deutlich an. Die Entwicklung setzte sich im April und Mai weiter fort, sodass der Sender in den zurückliegenden Wochen nun bei einem Frische-Anteil von beachtlichen 70 Prozent angekommen ist. Das waren satte 14 Prozentpunkte mehr als im Mai des vergangenen Jahres.

Dazu beigetragen hat unter anderem der Erwerb der Übertragungsrechte für die Eishockey-WM, die an mehreren Abenden zu sehen war. Allerdings war das Ergebnis nicht nur aus sportlicher Sicht enttäuschend, in der Folge und angesichts von häufig starker Konkurrenz ließen auch die Quoten etwas zu wünschen übrig. Zudem spiegelt sich im recht hohen Frische-Anteil auch wider, dass ProSieben am späteren Abend Reality-Formate zeigt, die eigentlich vor allem für Joyn produziert wurden - auch das ist für die lineare Quote meist nicht unbedingt zuträglich.

Diese Effekte führten aber dazu, dass ProSieben ein gutes Stück zum klassischen Spitzentrio aufholen konnte. Während RTL seinen Frische-Anteil mit 87 Prozent weiter sehr hoch hielt, waren insbesondere bei ARD und ZDF schon deutliche Bremsspuren vor dem nahenden Sommer zu sehen. Das Erste kam bereits auf einen Wiederholungs-Anteil von 25 Prozent im Abendprogramm - selbst der "Tatort" ist ja bereits in der Sommerpause. Beim ZDF war etwas mehr als jede fünfte Minute zwischen 20:15 Uhr und Mitternacht mit Wiederholungen gefüllt.

ProSieben ist aber auch verglichen mit den meisten anderen Privatsendern die Ausnahme im Mai: Sat.1 fiel nun unter die 50-Prozent-Marke, Vox und RTLzwei reduzierten den Frische-Anteil im Vergleich zum April im zweistelligen Prozentpunkte-Bereich und lagen auch klar unter den Vorjahreswerten. Kabel Eins bildete mit einem Frische-Anteil von 22 Prozent das Schlusslicht im Ranking.

    FIX-Punkte
Mai 2026
Vergleich zum
Vormonat
Vergleich zum
Mai 2025
Jahresschnitt '26
(vs 01-05/25)
RTL 87 von 100 +1 -6 88
(-3)
ZDF 79 von 100 -10 -14 87
(-3)
Das Erste 75 von 100 -9 +2 85
(+0)
ProSieben 70 von 100 +3 +14 49
(-3)
Sat.1 46 von 100 -4 -7 48
(-8)
VOX 41 von 100 -13 -8 39
(-2)
RTLzwei 28 von 100 -10 -4 29
(-8)
kabel eins 22 von 100 -5 +2 24
(+3)

Frische-Index-Verlauf bis Mai 2026

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Quelle: DWDL.de-Recherche
dwdl.de/zahlenzentrale

Wie wir die Daten erheben und was sie aussagen

Wir werten Monat für Monat das Programm der acht großen Vollprogramme zwischen 20:15 Uhr und Mitternacht aus und ermitteln den Anteil an "frischem Programm", wozu wir Erstausstrahlungen und Free-TV-Premieren rechnen. Sendungen, die vorab gestreamt werden konnten, gelten hier ebenfalls als "frisches Programm". Über die Qualität des Programms sagt der Anteil der Erstausstrahlungen natürlich nicht unbedingt etwas aus, doch es ist eines von mehreren Indizien, mit welchem Aufwand ein Programm derzeit betrieben wird.

Zu beachten ist zudem: Der Frische-Index gibt einen Trend an, bildet die Situation aber nicht ganz genau ab. So gibt es beispielsweise einen systembedingten "Nachteil" für Das Erste und das ZDF: Aufgrund der Werbefreiheit müssen sie mehr eigenes Programm produzieren, um die Zeit zu füllen, während die Privatsender einen gar nicht so geringen Teil des Abends mit Werbeblöcken füllen. Eine Stunde Erstausstrahlung ohne Werbung im Ersten haben wir aber genauso gewertet wie eine Stunde Erstausstrahlung bei den Privaten mit Werbung.