Im März haben die Film- und Medienstiftung NRW und der WDR gemeinsam die neue Development-Initiative "Made in NRW" vorgestellt, mit der explizit für die Mediathek gedachte Projekte bereits in einer frühen Entwicklungsphase gefördert werden können - und zwar mit der klaren Perspektive auf eine Umsetzung im Auftrag des WDR. "Stoffentwicklung benötigt mehr Aufmerksamkeit", sagt Cher Zimmerer, stellvertretende Leiterin Förderung der Film- und Medienstiftung zu den Beweggründen für das neue Förderprogramm im Gespräch mit DWDL. "Der frühe Austausch über die Projekte, die gemeinsame Entwicklung und die konkrete Aussicht auf eine spätere Auswertung schaffen einen echten Mehrwert für die Kreativen." Zudem wolle man "neue Stimmen sichtbar machen".
© WDR/Ben Knabe
Ingmar Cario (WDR), Cher Zimmerer (FMS NRW)
Die Bandbreite der Einreichungen sei groß gewesen und reiche von Drama über Science-Fiction bis Coming-of-Age - besonders viele Projekte seien aber aus dem Comedy-Bereich gekommen. "Das zeigt, dass das Bedürfnis nach Stoffen mit Humor, Leichtigkeit und Eskapismus derzeit groß ist", so Cher Zimmerer. "Besonders Themen wie gesellschaftliche Polarisierung, mentale Gesundheit und Identität waren unter den Projekteinreichungen. Auch die ausgewählten Projekte spiegeln diese Vielfalt wieder", so Zimmerer weiter.+
Die ersten fünf geförderten Projekte
Fünf Projekte sind es nun in der ersten Runde, die sich über die Entwicklungsförderung in Höhe von jeweils 50.000 Euro freuen können. Die Jury, der neben Christiane Hinz und Andrea Hanke vom WDR sowie Cher Zimmerer und Ivana Lalovic von der Film- und Medienstiftung NRW als Gastjurorin diesmal auch Aylin Tezel angehörte, entschied sich für "Let Them Eat Cake" (Goldstoff), "Rescuing Shinobi" (Zeitsprung), "Gelbe Monster" (Barbara Mientus Produktion), "Gypsy" (Kollektiv Zwo) und "La Deutsche Vita" (7T1 Films).
"Let them eat cake" wird als "Sexy Coming-of-Age Historien-Serie" von der Goldstoff Filme GmbH beschrieben, in der eine junge Prinzessin aus Westfalen Anfang des 18. Jahrhunderts plötzlich zur Thronfolgerin Englands erklärt wird und einen Ehemann finden muss. "Rescuing Shinobi" von Zeitsprung Pictures ist als romantische Culture-Clash Crime-Dramedy mit visuellen Anime-Sequenzen über zwei verlorene Menschen, die sich während eines dramatischen Vorfalls in Düsseldorf finden, geplant. Bei "Gelbe Monster" (Barbara Mientus Produktion) trifft Liebesfilm auf Psycho-Thriller. Das Projekt erzählt von weiblicher Gewalt und toxischen Beziehungen mit einem emotionalen wie auch spannenden Plot. Es handelt sich dabei um die Adaption des gleichnamigen Romans von Clara Leinemann.
"Gypsy" von Kollektiv Zwo wird als warmherzige Ensemble-Dramedy über eine große, lebenslustige mazedonisch-deutsche Roma-Familie beschrieben, deren kulturelle Traditionen ebenso laut sind wie ihre Konflikte. Der Stoff solle neue Perspektiven auf eine in Film und Fernsehen bislang selten erzählte Lebensrealität ermöglichen." Das einzige Doku-Projekt unter den Geförderten ist "La Deutsche Vita" von 7T1 Films. Die Dokumentarserie will mit Retro-Charme und großer Leidenschaft auf die Verbindung von Fußball, Gesellschaft und Zeitgeschichte blicken. "Die Protagonisten erleben den Aufstieg des modernen, schrillen Unterhaltungsfußballs und avancieren zu einem unverzichtbaren Teil einer noch heute frenetisch gefeierten deutsch-italienischen Unterhaltungskultur", heißt es in der Beschreibung.
Cario wünscht sich mehr Doku-Stoffe
Geht es nach Ingmar Cario, dann dürften es künftig gerne noch mehr dokumentarische Stoffe sein: "Es gab diesmal auffallend viele fiktionale Einreichungen. Auch als ARD-Doku-Koordinator würde ich mich freuen, wenn beim nächsten Mal noch mehr dokumentarische Projekte dabei wären. Im Bereich der Dokumentation ist die ARD-Mediathek ja besonders erfolgreich und erreicht mit Angeboten wie 'Xatar' auch Zielgruppen, die sonst nicht automatisch den Weg zu uns finden. Für die Fortsetzung von 'Made in NRW' wollen wir den Aufruf daher in diesem Sinne noch schärfen."
Cher Zimmerer wünscht sich für die Zukunft, dass "Kreative noch mutiger darüber nachdenken, wie Geschichten für digitale Plattformen erzählt werden können. Geschichten bleiben Geschichten. Aber die Art wie wir sie konsumieren verändert sich ständig. Und natürlich wünschen wir uns frische Ideen, die einen großen Unterhaltungsfaktor mitbringen und mit spannenden, außergewöhnlichen Figuren und Milieus überzeugen."
Mit "Made in NRW" wollen die beiden Partner also in jedem Fall weiter machen. WDR-Intendantin Katrin Vernau: "Ich freue mich sehr, dass unsere gemeinsame Initiative so großen Zuspruch findet, denn wir haben als Partner großes Interesse an einer kreativen, florierenden und vielfältigen Produktionslandschaft in unserem Bundesland. Unter den zahlreichen Einreichungen der Talente aus Nordrhein-Westfalen waren sehr vielversprechende Stoffe mit ganz unterschiedlichen Herangehensweisen. Mit den ausgewählten Stoffen wollen wir unser Publikum überraschen und auch Menschen für die ARD Mediathek gewinnen. Diese Entwicklung von Ideen braucht Freiraum, genau deswegen gibt es unsere Kooperation ‚Made in NRW‘, die wir auf jeden Fall fortsetzen wollen."
Walid Nakschbandi, Geschäftsführer der Film- und Medienstiftung NRW ist ebenfalls überzeugt vom neuen Förder-Instrument: "Mit 'Made in NRW' schaffen wir gemeinsam mit dem WDR ein neues Förderformat, das Talente fördert, kreative Qualität stärkt und neue Erzählformen sowie Perspektiven sichtbar macht. Durch die Unterstützung innovativer Storytelling-Projekte investieren WDR und die Filmstiftung in die Entwicklung neuer kreativer Stimmen und die Zukunft des Medienstandorts NRW."
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