Von der ProSiebenSat.1-Übernahme erhofft sich der italienische Medienkonzern Media for Europe (MFE) bekanntlich auch Synergien - und die fallen im ersten Jahr offenbar höher aus als gedacht. Die Rede ist von 160 Millionen Euro, nachdem man ursprünglich nur von positiven Effekten in Höhe von 30 Millionen Euro im Jahr 2026 ausgegangen war. Bei einem Pressetermin, der in dieser Woche in der Nähe von Mailand stattfand, wird MFE-Vorstandschef Pier Silvio Berlusconi mit folgenden Worten zitiert: "Wir beschleunigen den Prozess eindeutig."
Aufs Tempo drückt MFE auch mit Blick auf seine Streamingdienste, die aktuell noch auf unterschiedlichen technologischen Systemen basieren. Deren geplante Verschmelzung soll schon 2027 erfolgen, wie jetzt bekannt wurde. Während die Architektur von Joyn die Basis bildet, soll sich das Design der Benutzeroberfläche am italienischen Infinity orientieren. "Durch die Zusammenführung ihrer technologischen Infrastrukturen wird eine Plattform geschaffen, die maximale Skalierbarkeit ermöglicht und erhebliche Effizienzen hebt", erklärte eine ProSiebenSat.1-Sprecherin am Freitag auf DWDL.de-Anfrage.
Die Verschmelzung wirft zwangsläufig auch die Frage nach der künftigen Streaming-Strategie auf, schließlich unterscheidet sich diese in den Märkten. Während Joyn hierzulande vor allem ein werbefinanziertes Modell setzt, orientiert sich MFE in Italien und Spanien mit seiner Plattform Infinity am RTL+-Modell, das vor allem auf zahlende Abonnentinnen und Abonnenten setzt. DWDL.de berichtete bereits vor einem Jahr über die verschiedenen Streaming-Strategien - verbunden mit der Frage, ob perspektivisch eine Angleichung Sinn ergibt.
Tatsächlich soll sich an der grundsätzlichen Ausrichtung von Joyn nichts ändern, versichert man auf Nachfrage in Unterföhring. "Für die Nutzerinnen und Nutzer im deutschsprachigen Raum bleibt alles wie gewohnt - und wird noch besser", so die ProSiebenSat.1-Sprecherin gegenüber DWDL.de. "Die etablierte und beliebte Marke Joyn bleibt in Deutschland, Österreich und der Schweiz vollständig bestehen. Die strategische Ausrichtung von Joyn ist von diesem Schritt unberührt. Joyn-Nutzer, Partner und Werbekunden profitieren künftig im Hintergrund von einer noch moderneren, leistungsstärkeren technischen Plattform, die das Beste aus beiden Medienhäusern vereint."
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