Monat für Monat berechnen wir seit mittlerweile über 14 Jahren für die acht Vollprogramme, wie hoch der Anteil des Abendprogramms zwischen 20:15 Uhr und Mitternacht ist, der mit Erstausstrahlungen oder Free-TV-Premieren bestritten wird und erstellen daraus unseren Frische-Index. So gering wie im zu Ende gehenden Juli lagen die Zahlen alles in allem noch nie. Die Sommerflaute fiel damit noch stärker aus als in den letzten Jahren.

Hier macht sich der Spardruck, der wegen des rückläufigen TV-Werbemarktes auf den Privaten und wegen der ausgebliebenen Beitragserhöhung auf den Öffentlich-Rechtlichen gleichermaßen lastet, inzwischen deutlich bemerkbar. Generell gibt es nicht mehr so viele Sommerprogramme wie früher - und wenn dann wurde ihr Start auf die Zeit nach Ende der WM verlegt. Gleichzeitig waren aber auch bei den WM-Sendern ARD und ZDF weniger Spiele zu sehen, weil sie teils exklusiv bei Magenta TV liefen, teils auch erst in der Nacht - und generell in der Endphase der WM natürlich auch mehr spielfreie Abende auftauchten.

Das sorgte jedenfalls dafür, dass auch das ZDF im Juli nur noch auf einen Frische-Anteil von 56 Prozent kam, Das Erste auf 53 Prozent. Das waren im Falle des ZDF 19 Prozentpunkte weniger als im Juli vergangenen Jahres, bei der ARD betrug der Rückgang im Jahresvergleich zehn Prozentpunkte. Auch RTL, das seinen Frische-Anteil sonst häufig erstaunlich hoch hält, kam im Juli 2026 nur noch auf 42 Prozent, 15 Prozentpunkte weniger als im Juli 2025. Bei allen Sendern muss man bis in den Juli 2020 zurückgehen, um einen niedrigeren Frische-Anteil zu finden - damals noch unter dem Eindruck vieler Produktionspausen wegen Corona.

Trotzdem bilden die drei Sender weiterhin das Spitzentrio, daneben kam nur noch Sat.1 auf einen etwas höheren Frische-Anteil von immerhin fast einem Drittel des Abendprogramms - was freilich kein Vergleich zu dem 73 Prozent aus dem Juli vergangenen Jahres war. ProSieben, Kabel Eins, Vox und RTLzwei bestückten ihr Abendprogramm zu weit über 80 Prozent mit Wiederholungen. Inzwischen ist es so, dass bei allen acht Sendern der Frische-Anteil in den ersten sieben Monaten unter dem Vergleichswert des Vorjahres liegt, besonders stark bei Sat.1 (-18 Prozentpunkte).

    FIX-Punkte
Juli 2026
Vergleich zum
Vormonat
Vergleich zum
Juli 2025
Jahresschnitt '26
(vs 01-07/25)
ZDF 56 von 100 -7 -19 79
(-5)
Das Erste 53 von 100 -15 -10 78
(-1)
RTL 42 von 100 -22 -15 78
(-7)
Sat.1 31 von 100 +3 -42 43
(-18)
ProSieben 16 von 100 -12 -29 41
(-10)
kabel eins 15 von 100 +3 -7 21
(-1)
VOX 14 von 100 -3 +4 32
(-4)
RTLzwei 10 von 100 -1 -20 24
(-11)

Frische-Index-Verlauf bis Juli 2026

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Quelle: DWDL.de-Recherche
dwdl.de/zahlenzentrale

Wie wir die Daten erheben und was sie aussagen

Wir werten Monat für Monat das Programm der acht großen Vollprogramme zwischen 20:15 Uhr und Mitternacht aus und ermitteln den Anteil an "frischem Programm", wozu wir Erstausstrahlungen und Free-TV-Premieren rechnen. Sendungen, die vorab gestreamt werden konnten, gelten hier ebenfalls als "frisches Programm". Über die Qualität des Programms sagt der Anteil der Erstausstrahlungen natürlich nicht unbedingt etwas aus, doch es ist eines von mehreren Indizien, mit welchem Aufwand ein Programm derzeit betrieben wird.

Zu beachten ist zudem: Der Frische-Index gibt einen Trend an, bildet die Situation aber nicht ganz genau ab. So gibt es beispielsweise einen systembedingten "Nachteil" für Das Erste und das ZDF: Aufgrund der Werbefreiheit müssen sie mehr eigenes Programm produzieren, um die Zeit zu füllen, während die Privatsender einen gar nicht so geringen Teil des Abends mit Werbeblöcken füllen. Eine Stunde Erstausstrahlung ohne Werbung im Ersten haben wir aber genauso gewertet wie eine Stunde Erstausstrahlung bei den Privaten mit Werbung.