Die US-Bundesrichterin Araceli Martinez-Olguin hat einen Zeitplan für die Kartellklage der Generalstaatsanwälte von zwölf US-Bundesstaaten gegen die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance angekündigt. Die Verhandlung vor Gericht soll demnach innerhalb von zwölf Tagen zwischen dem 2. und 19. März 2027 stattfinden. Paramount hatte auf einen Verhandlungstermin noch im November gedrängt, die klagenden Generalstaatsanwälte hatten den April 2027 vorgeschlagen - die Richterin blieb damit also wesentlich näher am Vorschlag der klagenden Seite.

Für Paramount kommt diese Festlegung mit einem dicken Preisschild. Erst Ende Juli hatte das Unternehmen zugestimmt, mit einem Vollzug der Übernahme abzuwarten, bis ein Urteil in dem Verfahren ergangen ist. Das Problem: Um die Warner-Aktionäre und -Führung dazu zu bringen, den schon geschlossenen Deal mit Netflix wieder zu lösen und im Vertrauen darauf, mit den eigenen Argumenten und Rückenwind durch die grundsätzlich der Übernahme positiv gegenüberstehende Trump-Regierung den Deal schnell über die Bühne zu bringen, bot man eine sogenannte "Ticking Fee" an. Sie beläuft sich auf knapp 7 Millionen US-Dollar, die man ab dem 30. September für jeden Tag zahlen muss, um den sich der Abschluss der Transaktion weiter verzögert.

Die Ticking Fee wird teuer, ein Ausstieg noch teurer

Auch wenn Paramount im April 2027 also das Kartellverfahren vor Gericht gewinnt, summiert sich diese Ticking Fee bis dahin schon auf rund 1,2 Milliarden US-Dollar, die auf den ohnehin happigen Kaufpreis von rund 111 Milliarden US-Dollar noch obendrauf kommt. Freuen können sich darüber die Warner-Aktionäre, denen das Geld zuflösse -  der ohnehin extrem hohe Schuldenberg des fusionierten Unternehmens würde damit aber noch weiter steigen und dieses unter noch stärkeren finanziellen Druck setzen, falls die Übernahme denn genehmigt würde. Paramount steckt in der Zwickmühle, denn jetzt den Deal einfach aufzukündigen, wäre noch teurer. Auch hier hatte Paramount im Vertrauen auf eine problemlose Genehmigung eine enorm hohe Strafzahlung in Höhe von 7 Milliarden US-Dollar zugestanden.

Öffentlich gibt sich Paramount-Chef David Ellison trotzdem gelassen: Er sei fest davon überzeugt, dass man den Prozess gewinnen werde. "Wir sehen die Fakten und die Rechtslage auf unserer Seite; der Gerichtstermin wurde gerade auf März nächsten Jahres festgelegt. Was die Finanzierung angeht: Diese steht, es gibt keine Risiken, und wir sind zuversichtlich, die Transaktion abzuschließen – wir arbeiten mit Hochdruck daran." Für eine außergerichtliche Einigung sei man aber offen. Die wäre aus Sicht von Paramount nicht nur wegen der Ticking Fee wünschenswert, sondern auch um nicht beide Unternehmen noch viele weitere Monate mit dieser Hängepartie ein Stück weit zu lähmen. 

Auch Newsom scheint außergerichtlicher Einigung nicht abgeneigt

Spannend ist in dem Zusammenhang die Berichterstattung des "Wall Street Journal" aus den letzten Tagen. Auch wenn meist berichtet wird, dass die US-Bundesstaaten mit Kalifornien an der Spitze die Klage angestrengt haben: Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom soll deutliche Vorbehalte gegen die Klage haben, weil aus seiner Sicht auch ein komplettes Scheitern der Übernahme Arbeitsplätze in Hollywood gefährden könne. Sein Büro soll demnach die kalifornische Generalstaatsanwaltschaft ermutigt haben, nach einer außergerichtlichen Einigung zu suchen. Newsom ist gegenüber dem Generalstaatsanwalt aber nicht weisungsbefugt. Öffentlich hatte sich Newsom bislang nicht auf eine der beiden Seiten geschlagen. Während die Generalstaatsanwälte argumentieren, dass die weitere Konzentration Wettbewerb verhindere und Arbeitsplätze koste, argumentiert Paramount genau gegenteilig.

Neben der Frage der Arbeitsplätze gibt es aber nicht zuletzt eine politische Dimension dieses Deals: Mit der Übernahme von Warner Bros. Discovery würde CNN unter die Kontrolle von Paramount und damit der als Trump-nah geltenden Ellison-Familie kommen. In einem Meinungsbeitrag in der "New York Times" schrieb Ellison diese Woche, dass er glaube, dass es bei dem Deal nicht um Marktanteile gehe, sondern ob man ihm als Eigentümer von CNN vertrauen könne. "Es gab Spekulationen über meine politische Haltung, meine Loyalitäten und Absichten", schreibt er. Und weiter: "Leider kann ich niemandem einen Einblick in mein Herz und meinen Verstand gewähren, aber eines kann ich sagen: Ich habe regelmäßig für Kandidaten beider Parteien gestimmt; ich vertrete – genau wie die meisten Amerikaner – teils Ansichten, die als konservativ, teils solche, die als liberal gelten würden; und was unsere Nachrichtenunternehmen betrifft, so strebe ich nicht danach, die dortigen Redaktionen auf meine eigenen Ansichten auszurichten. Ich bin der Überzeugung, dass Nachrichten auf Fakten und Wahrheit beruhen sollten." Die Bedenken wird er damit trotzdem kaum einfach so vom Tisch wischen können.

Unterdessen hat Paramount Skydance am Dienstagabend Geschäftszahlen gemeldet. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz leicht um ein Prozent auf 6,91 Milliarden US-Dollar. Wachstumstreiber war vor allem das Streaming-Geschäft: Die Erlöse von Paramount+ und den weiteren Direct-to-Consumer-Angeboten legten um neun Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar zu, Paramount+ gewann zwei Millionen Abonnentinnen und Abonnenten hinzu und kommt nun auf 81,6 Millionen Nutzer. Auch das Studio-Geschäft entwickelte sich positiv, während das klassische TV-Geschäft weiter unter Druck steht und neun Prozent Umsatz verlor. Unterm Strich blieb der Gewinn mit 41 Millionen Dollar allerdings überschaubar.