Mitte des Monats kündigte Jan Böhmermann an, dass das "ZDF Magazin Royale" nach rund sechs Jahren im kommenden Dezember zum letzten Mal auf Sendung gehen wird. Seither hat er sich schon an diversen Stellen geäußert, besonders ausführlich aber nun im "Spiegel". Auch darin stellte er nochmal klar, dass das Ende der Sendung seine Entscheidung gewesen sei. Böhmermann. "Für alle Unterhaltungsformate im Fernsehen gilt das Prinzip der natürlichen Endlichkeit. Ich glaube, dass es eine gute Idee ist und überlebenswichtig, sich ständig aufs Neue kreativ, inhaltlich und formell herauszufordern."
Schon in der Ankündigung für das Aus der Sendung hieß es, dass das ZDF und Böhmermann sich in Gesprächen über ein neues Format befinden. Auch das unterstreicht er im "Spiegel"-Interview und findet auch lobende Worte für das ZDF - allerdings wird deutlich, dass das Verhältnis zwischen ihm und dem Sender zuletzt etwas gelitten hat. "Nun jedenfalls steht Vertrauensarbeit mit dem ZDF an", sagt Böhmermann. "Ich finde es wichtig, dass kreative Talente und Sender ihre Partnerschaft gegenseitig ernst nehmen und einander vertrauen."
Eine neue Sendung, die ihn reizen würde, müsse "Sinn, aber auch Spaß" machen, so Böhmermann. Letzteres ist ihm zuletzt beim "ZDF Magazin Royale" offenbar etwas zu kurz gekommen. Er führt aus, dass das Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld zwar der "beste Klangkörper im deutschen Fernsehen" sei, "seit Jahren oft nur noch hier und da einen Tusch in der Show" gespielt habe, "während der Großteil der Sendung ein langes Google-Dokument ist, sehr viel Text. Sehr gut, aber sehr viel."
Böhmermann ordnet sich aber selbst so ein: "Wir haben hier eine Abteilung U wie Unterhaltung und eine Abteilung E wie Ernst, aber ich komme nun mal aus der U, ich entscheide mich am liebsten für den Witz." Dass Böhmermann noch einmal etwas anderes machen will, begründet er auch so: "Meine aktuelle Rolle auf der Bühne ist ja schon wenig überraschend: Der Typ im Anzug am Schreibtisch schreit jede Woche die Wand an. Ich fühle mich auf der Bühne deutlich wohler, wenn ich nicht so genau weiß, was als Nächstes passiert."
Dass er sich künftig aus aktuellen Debatten heraushalten wird, ist freilich nach Lektüre des Interviews kaum zu erwarten, zu engagiert prangert er darin an auch das an, was in Medien und Journalismus aus seiner Sicht schief läuft. Und Böhmermann sagt auch: "Zu sagen, die Sendung läuft aus, ist zuerst mal eine Entscheidung dafür, mit Leidenschaft weitermachen zu wollen. Fernsehen zu machen, das mir egal ist, kann ich überall. Quizshows moderieren mit ledrigem Gesicht – das geht immer noch."
Böhmermann führt aus: "Ich fühle mich mit einer wöchentlichen Comedysendung wohl, der Freitagabend ist toll und lustig, und interessant soll es auch in Zukunft sein. Und alles Weitere schauen wir jetzt mal. Vielleicht ein bisschen mehr tänzeln?" Mit einer Midlife-Crisis habe seine Entscheidung jedenfalls nichts zu tun. "Nein, ich möchte mich einfach nicht wiederholen." Um so gespannter darf man also sein, womit sich Böhmermann nach einer offenbar aus seiner Sicht nötigen Pause zurückmelden wird.
Mehr zum Thema
von




