In den vergangenen Tagen ging es bei Netflix ziemlich hoch her. Erst kündigte der Streaming-Marktführer den Abbau von 1.000 Stellen an, kurz darauf wurden auch die Abgänge von Content-Chefin Bela Bajaria und Film-Chef Dan Lin bekannt. Beim Unternehmen ist aktuell also ziemlich viel in Bewegung - und nun hat Netflix seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht.
Der Blick auf die reinen Zahlen fällt eigentlich recht gut aus: Der Umsatz wuchs im Jahresvergleich um rund zwölf Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar. Das war jedoch das niedrigste Wachstum seit vielen Jahren. Der Gewinn legte im dritten Quartal um 44 Prozent auf 3,66 Milliarden Euro zu. Für das vierte Quartal erwartet Netflix ein noch etwas geringeres Wachstum.
An der Börse kamen die Zahlen nicht gut an, die Netflix-Aktie fiel sehr deutlich um mehrere Prozent. Hintergrund ist auch die Tatsache, dass die Werbeeinnahmen von Netflix hinter den Erwartungen zurückbleiben. Ursprünglich wollte man in diesem Bereich 2026 rund 3 Milliarden Dollar umsetzen, nun werden es wohl nur 2,7 Milliarden. Netflix begründet das vor allem damit, dass die Einführung einiger Werbeprodukte länger dauere als geplant. Im kommenden Jahr will man das Werbe-Abo in 15 weitere Länder bringen (DWDL.de berichtete).
Netflix ist im Streaming zwar noch immer die klare Nummer eins, die rückläufigen Wachstumsraten sorgen bei Anlegern aber für Verunsicherung. In einem Brief an die Aktionärinnen und Aktionäre spricht Netflix das Thema auch direkt an und erklärt, dass die Reaktion der Kundinnen und Kunden auf die in diesem Jahr durchgeführten Preiserhöhungen im Rahmen der Erwartungen gelegen hätten. Das Engagement des Publikums sei weiter "solide", man biete den Kunden noch immer einen "hohen Mehrwert".
Dennoch kündigt Netflix auch an, dass man die Sehdauer erhöhen will. "Wir sind zuversichtlich, dass uns das gelingen wird." Co-Chef Ted Sarandos erklärte, man wolle der Unterhaltungs-Dienst sein, den die Menschen haben müssen. "Wir wissen, dass wir es besser können", räumte sein Kollege Greg Peters. Nun wird es darauf ankommen, die Probleme auszumerzen. Peters stellte bei der Vorlage der Geschäftszahlen übrigens noch in Aussicht, dass Netflix den in Frankreich erprobten Deal mit TF1 auch mit anderen Partnern eingehen könnte.
Die Entwicklung von Netflix ist auch deshalb so interessant, weil man in diesem Jahr ja eigentlich die Übernahme des Studio- und Streaminggeschäfts von Warner Bros. Discovery (WBD) angestrebt hatte. Mit dem WBD-Management hatte man sich auch schon auf die Rahmenbedingungen geeinigt. Am Ende scheiterte der Deal, weil Paramount Skydance deutlich mehr Geld für den gesamten WBD-Konzern auf den Tisch legte. Bislang hieß es von Netflix immer, es sei vernünftig gewesen, aus der Übernahmeschlacht auszusteigen. Nun wird man unter Beweis stellen müssen, dass man Anfang des Jahres die richtige Entscheidung getroffen hat.
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