Wird der deutsche Vorentscheid für den Eurovision Song Contest künftig zur Gemeinschaftsaufgabe der großen TV-Sender, noch größer als die einmalige Zusammenarbeit zwischen ARD und RTL? Geht es nach ARD-Programmdirektorin Christine Strobl, könnte genau das die Zukunft sein. Beim TV-Gipfel der Medientage München warb sie am Donnerstagvormittag für eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit privaten Medienunternehmen – und brachte dabei ausdrücklich den Eurovision Song Contest ins Spiel.

„Ich träume immer noch davon, sage ich ganz offen“, erklärte Strobl mit Blick auf eine größere Kooperation. Man habe beim ESC bereits gut mit RTL zusammengearbeitet. Nun hoffe sie, „dass wir diese Partnerschaft noch größer machen können, als sie heute ist“. Ihre Vorstellung sei es, den deutschen Vorentscheid auf mehrere Schultern zu verteilen und „gemeinsam was ganz Großes draus zu machen“. Dabei handelt es sich um mehr als ein bloßes Gedankenspiel. „Wir arbeiten dran und vielleicht klappt es ja“, sagte Strobl. Konkrete Pläne oder einen Zeitplan nannte sie allerdings nicht.

Strobl TV Gipfel © Medientage München

Unterstützung für die Idee kam direkt von RTL. Content-Chefin Inga Leschek erinnerte an die bisherige Zusammenarbeit beim ESC-Vorentscheid 2025, den RTL in Kooperation mit der ARD ausrichten durfte. „Das war die schönste Partnerschaft, die wir in den letzten zwei Jahren hatten“, schwärmte Leschek. Man sei sehr dankbar gewesen, dass die ARD dem Privatsender die ESC-Marke anvertraut habe. Auch sie zeigte sich auffällig zuversichtlich, dass man an diese Kooperation bald wieder anknüpfen könne. „Wir sind zuversichtlich, dass wir da anknüpfen können in Bälde. Sharing is caring. Wenn ProSieben da mitmachen möchte, sag ich natürlich nicht nein.“

Henrik Pabst, Chief Content Officer von ProSiebenSat.1 und Lescheks Sitznachbar auf dem TV-Gipfel der Medientage München reagiert offen: „Wir werden uns dem nicht verschließen wenn die Gespräche anständig sind und das Ergebnis am Ende ein gutes Zeichen ist. Dann freuen wir uns natürlich, wenn wir auch dabei sein können.“ Und ergänzt: „Lasst uns da mal in Ruhe reden.“ Ohnehin dürfte es bei den Gedankenspielen um eine nationale Allianz für den ESC-Vorentscheid 2028 gehen, da die Vorbereitungen für 2027 - innerhalb der ARD ist der SWR federführend - längst laufen.

Es sind auf offener Bühne auf jeden Fall überraschend zuversichtliche Worte von mehreren Seiten für eine  ungewöhnliche Konstellation: Einen nationalen ESC-Vorentscheid, bei dem die großen deutschen Sendergruppen gemeinsam den deutschen Act für den Eurovision Song Contest suchen. Unklar ist, ob auch das ZDF dabei sein wollen würde. Am TV-Gipfel nahm niemand aus Mainz teil, doch die ausgesprochene offene Einladung von Strobl dürfte, so kann man wohl annehmen, auch für das ZDF gelten.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine ganz große Allianz für den ESC-Vorentscheid diskutiert wurde. Bereits 2024 gab es einen mehr oder weniger vertraulichen Austausch unter mehreren Partnern über ein gemeinsames, Sender-übergreifendes Konzept für den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest. Realisiert wurde es dann nicht, stattdessen übernahm Stefan Raab die „Chefsache ESC“ in der Zweier-Konstellation ARD und RTL.