Dass Jan Böhmermann sein "ZDF Magazin Royale" Ende dieses Jahre beendet, hat für viele Schlagzeilen gesorgt. "Ich möchte nochmal eine andere Sendung machen", erklärte der Satiriker vor wenigen Wochen (DWDL.de berichtete). Nun hat sich ZDF-Chef Norbert Himmler in einem Interview mit der "Zeit" zum Aus der Sendung und der vielen Kritik an Böhmermann, die es in den vergangenen Jahren gab, geäußert. Dabei kritisiert der ZDF-Intendant unter anderem die Ausgabe der Show, in der es um einen Bienenzüchter ging - die Folge sorgte später für eine längere, juristische Auseinandersetzung. 

"Sich auf einen Bienenzüchter zu stürzen, ihn quasi zum Hauptgegenstand einer Sendung zu machen – das halte ich für unverhältnismäßig", so Himmler im "Zeit"-Interview. Satire sollte sich mit denen beschäftige, die Verantwortung haben, sagt der ZDF-Chef. "Früher hätte man gesagt: mit den Mächtigen. Oder Missstände aufdecken. Es darf aber nicht unfair sein." Böhmermann, aber auch ihm, so Himmler, sei "nicht verborgen geblieben, was seine Sendung in den letzten Jahren im Guten wie im Schlechten ausgelöst hat". Himmler: "Er hat grandiose Sendungen geliefert, die mit dem Grimme- und dem Fernsehpreis dekoriert wurden. Das hat sich jetzt abgeschliffen und ist vielleicht am Ende zu fanatisch geworden."

Wie es mit Jan Böhmermann im ZDF weitergeht, steht noch nicht fest. Zumindest hat Norbert Himmler diesbezüglich im "Zeit"-Interview nichts durchblicken lassen. ZDF-Programmdirektorin Nadine Bilke erklärte im September, als das Aus des "ZDF Magazin Royale" bekannt wurde, dass man sich freue, "die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Jan Böhmermann im ZDF fortzusetzen und gemeinsam ein neues Show-Kapitel aufzuschlagen".

Im "Zeit"-Interview mit Norbert Himmler, das übrigens von Giovanni di Lorenzo geführt wurde, ging es darüber hinaus auch um den Gegenwind, der den Öffentlich-Rechtlichen vermehrt entgegenweht. Als di Lorenzo Himmler darauf anspricht, dass die Öffentlich-Rechtlichen viele Ideen des Zukunftsrats abgelehnt hätten, verweist der ZDF-Chef auf den Verantwortlichkeitsbereich der Politik, die entsprechende Änderungen am Auftrag vornehmen muss. Himmler bedient sich dabei einer äußerst diplomatischen Sprache, um das angespannte Verhältnis zur Medienpolitik nicht noch weiter zu belasten. 

Zu angeblich fehlenden Reformen und der ständigen Kritik, das ÖRR-System sei zu teuer, entgegnet Himmler, dass der Personalkostenanteil des ZDF bei 15 Prozent liegen würde. "Ich glaube, ich muss mich da im Vergleich zu anderen Medienunternehmen nicht verstecken. Kein Mediensystem wird so gut und strikt überwacht wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk."

Dass die AfD möglicherweise in Sachsen-Anhalt bald den ersten Ministerpräsidenten stellt und bereits angekündigt hat, als eine Art erste Maßnahme die Rundfunkstaatsverträge zu kündigen, müsse man "sehr ernst nehmen", sagt der ZDF-Chef, der auf die Schutzfunktion des Artikels 5 im Grundgesetz verweist. Und dennoch: "In dem Moment, wo Populisten an die Macht kommen, können sie in kurzer Zeit so viel zerstören, dass du Jahre brauchst, es nachher wieder aufzubauen. Das sieht man in Polen und Ungarn: Man kann sehr viel Sand ins Getriebe streuen." Wenn die AfD einfach die Parole ausgeben würde, die Rundfunkbeiträge nicht mehr zu zahlen, würde die Demokratie nicht mehr funktionieren, sagt Himmler. "Das wäre der Aufruf zum Rechtsbruch. Wenn man sich diese Partei anschaut, gibt es noch viele andere Szenarien, die unsere Demokratie gefährden."