Die Deutsche Welle steht vor wichtigen medienpolitischen Weichenstellungen. Bei der anstehenden Novellierung des Deutsche-Welle-Gesetzes geht es aus Sicht von Intendantin Barbara Massing um den künftigen Auftrag des deutschen Auslandsrundfunks. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" forderte jetzt noch einmal einen breiten Auftrag und weltweite Präsenz. "Deutschland würde sich selbst verzwergen, wenn ausgerechnet der deutsche Auslandsrundfunk dauerhaft beschnitten würde", sagte Massing.
Angesichts der geopolitischen Lage sei es "extrem wichtig, dass die Deutsche Welle auch in Zukunft weltweit vertreten ist". Die geopolitische Ordnung werde verschoben, "die NATO wird infrage gestellt, die aktuelle US-Regierung betrachtet die EU als Feind und will sie zerstören". Die DW repräsentiere dagegen "das demokratische Modell der Bundesrepublik und Europas, das für Verlässlichkeit und Stabilität steht". Eine weitere Schwächung wäre "ein Fest für die Autokraten dieser Welt".
Dabei ist der Etat bereits von rund 425 Millionen Euro im Jahr 2025 auf 415 Millionen Euro gesunken. "Wir mussten massive Einsparungen starten", betonte Massing. Gleichzeitig verweist sie im Interview mit der "FAZ" auf die internationale Bedeutung des Senders: 80 Prozent der Menschen, die das DW-Angebot nutzen, lebten in unfreien Ländern.
Eine Herausforderung für die Deutsche Welle bleibt indes die Abhängigkeit von großen Plattformen. Fast 90 Prozent der Videonutzung kämen über Drittplattformen und Partner. "Deswegen ist es wichtig, dass wir diversifizieren. Damit wir nicht von den Algorithmen einzelner Plattformkonzerne abhängig sind", sagte die DW-Intendantin. Auch gefälschte DW-Inhalte nähmen zu. Dass Fälscher das Logo des Senders verwendeten, sei zunächst ein "Kompliment". Allerdings sei die Löschpraxis der Plattformen nicht ausreichend: "Der Digital Services Act muss konsequenter angewendet werden."
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