Grafik: DWDL.de; Foto: Schlämmerblog © DWDL/ Schlämmerblog
Missbrauch oder peinlicher Fehler?

Horst Schlämmer macht unfreiwillig Sex-Werbung

 

Man nehme eine hilflose Werbeagentur, einen peinlichen Fehler, einen Missbrauchs-Vorwurf, etwas Sex und Horst Schlämmer - schon hat man das Dilemma. DWDL.de geht der Frage nach, wieso mit Hape Kerkelings Kultfigur auf seinem Blog inzwischen für Sex-Seiten Werbung gemacht wird.

von Jochen Voß / Thomas Lückerath
28.01.2008 - 00:20 Uhr

Foto: RTL InteractiveVor rund einem Jahr wurde Hape Kerkeling mit seiner Kult-Figur Horst Schlämmer nicht nur im Fernsehen zum gefeierten Star. Im Internet rührte Kerkeling in der Rolle des rumpeligen Lokaljournalisten die Werbetrommel für Volkswagen. Unter der Internet-Adresse www.schlaemmerblog.tv wurde in Schlämmers Namen über die Schwierigkeiten des Führerschein-Erwerbs gebloggt und in zahlreichen Filmchen Schlämmers Abenteuer bei der Jagd nach Fahrerlaubnis und paarungswilligen Frauen auf familienfreundliche und unterhaltsame Weise dokumentiert.

Anfangs nicht offiziell im Namen von Volkswagen, was im Netz zu allerlei Spekulationen führte, die sich am Ende bewahrheiteten. Hinter dem Blog steckte eine Werbekampagne von Volkswagen, ausgeführt von der Werbeagentur Tribal DDB. Das ist inzwischen längst vorbei. Mitte September wurde die Werbekampagne und das Schlämmer-Blog eingestampft.  Wie zwischen Volkswagen und Tribal DDB vereinbart, wurden die für die Kampagne eingesetzten Internetadressen inzwischen gekündigt.

Inzwischen haben die Domains neue Besitzer gefunden. Unter der Adresse www.schlaemmerblog.tv findet sich derzeit ein Weblog, dass u.a. wegen eingebundenen Erotikinhalten ganz sicher nichts mehr mit den ehemaligen Betreibern zu tun hat. "Im Fall Horst Schlämmer ist die Domain von einem Trittbrettfahrer genutzt worden um zweifelhafte Inhalte bereitzustellen", bestätigt auch Peter Figge, Chef bei Tribal DDB, auf Nachfrage des Medienmagazins DWDL.de. Es ist aber kein Einzelfall: Neben der Hauptadresse der Kampagne sind auch weitere Web-Domains, die VW für die Werbung mit Horst Schlämmer nutzte, wieder im Umlauf.

Auf dem neuen "Schlämmer-Blog" - online offenbar seit Mitte Januar - heißt es zunächst zwar: "Der Schlaemmer Blog ist tot! Lang lebe der Schlaemmer Blog! Wir machen ohne Horst weiter." Doch wer weiter liest, erfährt den neuen Zweck des Blogs: "Weint nicht, denn wir testen für Euch interessante, kostenlose und Bezahl-Webseiten damit Ihr nur noch das Beste im Netz abgreifen könnt. Und weil es gerade so schön ist fangen wir gleich damit an." Es folgt eine vollmundige Werbung mit nackten Tatsachen für ein obskure Internet-Sex-Seite inklusive Verlinkung bevor tatsächlich noch einige der eigentlichen Schlämmer-Videos via Sevenload eingebunden wurden.
 
Bild: ScreenshotDer neue "Schlämmer-Blog" inklusive Sex-Werbung
 

Auch wenn es schwer werden dürfte, so kündigt Figge "rechtliche Schritte" an. "Der aktuelle Missbrauch der ehemaligen Horst-Schlämmer-Domain - www.schlaemmerblog.tv - ist für uns nicht akzeptabel", sagt er gegenüber DWDL.de. Mit welcher Handhabe er allerdings gegen das Registrieren einer frei verfügbaren Domain und der Einbindung der von Tribal DDB selbst viral im Web verbreiteten Videos unterbinden will, ist noch unklar. Ebenso wie die Frage, womit genau Missbrauch betrieben worden sein soll.
 
Es scheint viel mehr so als habe ein werbetreibendes Unternehmen oder seine Agentur das Internet nicht verstanden: Nach Ende der Kampagne werden offenbar alle Zelte abgebrochen - an das Gedächntis des Netzes und seiner Nutzer sowie Möglichkeiten der Weiternutzung haben die Macher der an sich exzellenten Kampagne wohl nicht bedacht. Dabei wären die Kosten für eine weitere Nutzung der Domains minimal gewesen. Die Agentur sagt: "Im Rahmen der Kampagne wurden diverse Domains mit unterschiedlichen Schreibweisen reserviert, wobei diese nach Auslaufen der Kampagne aus rechtlichen Gründen gekündigt und nicht weiter verwendet wurden." Welche "rechtlichen Gründe" gemeint seien, konnte man aber nicht erklären.

Und so will bei den DWDL.de-Recherchen auch niemand Schuld gewesen sein. Der liebestolle Horst Schlämmer, wäre er nicht gerade in Kur, hätte mit einem Dornkaat in der Hand vermutlich gesagt: "Schätzelein, reg Dich nicht auf". Peinlich ist es trotzdem. Allerdings eher für die Planer der Kampagne als für Schlämmer. Weisse Bescheid?

Teilen

Kommentarbereich anzeigen

Sie haben einen Text aus dem Archiv des Medienmagazins DWDL.de aufgerufen, das bis ins Jahr 2001 zurückreicht und mehrere Zehntausend Artikel umfasst.



Suchtipps

  • Geben Sie mehrere Suchwörter an, um Ihre Suche einzuschränken. Es werden nur Artikel ausgegeben, in denen alle angegebenen Worte vorkommen.
  • Starten Sie ihre Suche mit einem Anführungszeichen ("), werden nur Artikel ausgegeben, in denen die Worte in genau dieser Reihenfolge vorkommen.
Mit den Newslettern der DWDL.de-Redaktion sind Sie werktäglich bestens informiert. Für die Rundum-Versorgung abonnieren Sie einfach alle Angebote oder wählen den für Sie passenden Newsletter...
Name:
E-Mail:
Frage: 5 + 9 =

Ich möchte die folgenden Newsletter erhalten:
Sie können sich jederzeit wieder abmelden. Beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.