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Was steckt wirklich dahinter?

Schon wieder: ProSieben sendete Kopierschutz

 

Vor drei Wochen sorgte der DWDL.de-Bericht über den kurzzeitigen ProSieben-Kopierschutz für Schlagzeilen. Am Samstag gab es ihn schon wieder.

von Thomas Lückerath
10.05.2008 - 14:31 Uhr

Grafik: DWDL; Logo: ProSiebenWer am heutigen Samstag das ProSieben-Programm aufnehmen wollte, hat stundenlang schlechte Karten, wenn er das mit einem DVD- oder Festplattenrecorder tun wollte. Das ProSieben-Programm wurde zum wiederholten Mal kopiergeschützt ausgestrahlt - eine Fehlermeldung wie etwa "Der Inhalt ist kopiergeschützt" (je nach Hersteller des Recorders abweichend) informiert darüber. Gegen 16.30 Uhr wurde der Kopierschutz wieder aufgehoben.

Schon im vergangenen August und zuletzt vor drei Wochen, war der Kopierschutz aktiviert. Ausgestrahlt wird der Kopierschutz auch diesmal via Wide Screen Signaling (WSS) über die vertikale Austastlücke. Über die Austastlücke übertragen die Fernsehsender üblicherweise das eigene Teletext-Angebot und auch die Daten für elektronische Programmführer (EPG) werden auf diesem Wege übertragen. Das Signal wird nur von digitalen Aufnahmegeräten entschlüsselt, weswegen die Aufnahme mit altmodischen VHS-Recordern weiterhin problemlos möglich ist.
 
Mehrere Millionen TV-Haushalte betroffen
 
Von dem erneuten mysteriösen Kopierschutz waren wieder Kunden von Unitymedia in Nordrhein-Westfalen und Hessen ebenso betroffen wie Kunden von Kabel Deutschland und Kabel BW. Anders gesagt: Alle Haushalte mit Kabelempfang, aber auch aus Satelliten-Haushalten erreichten die DWDL.de-Redaktion Fehlermeldungen. Aufnahmen über eine an den Recorder angeschlossene DigitalTV-Box waren übrigens zu jeder Zeit möglich. Probleme bereiten Aufzeichnungen über die internen Tuner der Recorder.
 
 
Foto: DWDL.de
Kopierschutz bei ProSieben am Samstag, den 10. Mai
 
 
Unklar bleibt, wie es erneut dazu kommen konnte. Am Samstag war ProSieben für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Laut Aussage von ProSieben-Sprecherin Petra Fink vom 21. April habe es sich bei dem Kopierschutz-Signal vor drei Wochen nicht um Absicht gehandelt. "Nach den im Moment vorliegenden Fakten ist von einem Problem bei den Kabelnetzbetreibern oder einem vorübergehenden Problem des WSS-Inserters bei APS auszugehen“, teilte Fink weiter mit. Wer auch immer dieses erneute Kopierschutz-Signal zu verantworten hat - er muss sich in erster Linie durch hochgradige Inkompetenz in seinem Job auszeichnen. Ärgerlich: Die Negativ-Schlagzeilen kassiert ProSieben.
 
Technische Panne oder doch Absicht?
 
Doch es halten sich auch nach wie vor Spekulationen, dass das Verhindern von Privataufnahmen auf DVD- und Festplatten-Rekordern durchaus Methode haben könnte: Durch Video on Demand-Angebote wie Maxdome oder RTL now sowie Streaming auf den eigenen Websites bieten inzwischen mehrere Sender neue Möglichkeiten, verpasste Programme noch einmal zu sehen. Teils ist dies kostenlos möglich, teils gegen Entgelt. Für die Sender haben diese Nutzungsmöglichkeiten gegenüber dem zeitversetzten Fernsehen durch private Aufnahmen zwei entscheidende Vorteile: Sie können die Nutzung messen und darüber hinaus durch Bezahlangebote oder nicht überspringbare Werbepausen weitere Erlöse erzielen.

Mehrfach fragte das Medienmagazins DWDL.de beim letzten Vorfall vor drei Wochen ausdrücklich bei ProSieben nach, ob man ausschließen könne, dass solche Absichten hinter dem Kopierschutz stecken. Bei keiner dieser Nachfragen gab es ein klares Dementi - obwohl sich damit sehr einfach Befürchtungen ausräumen ließen. Dies und die Tatsache, dass die "technische Panne" erneut passiert ist, helfen zumindest nicht gerade dabei, die Gerüchte aus der Welt zu schaffen. Eine umfassende Erklärung von ProSieben wäre wünschenswert. DWDL.de hat den Sender erneut darum gebeten.

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