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TV-Chaos

Bildausfall: Halbfinale wurde zum TV-Drama

 

Beim EM-Halbfinale am Abend fiel mehrfach das TV-Bild aus. Das ZDF musste improvisieren. Ein Unwetter über Wien führte im internationalen Fernsehzentrum der EM zum Stromausfall - und weltweiten TV-Chaos.

von Jochen Voß / Thomas Lückerath
26.06.2008 - 00:18 Uhr

Foto: ScreenshotWas für ein Halbfinale! Nur wenige Minuten vor dem Abpfiff schoss Philipp Lahm die deutsche Elf zum Sieg und damit ins Finale nach Wien. Dabei war in der zweiten Halbzeit der Begegnung Deutschland gegen die Türkei zwischenzeitlich nicht nur der Sieg ungewiss, sondern auch, ob man nicht vielleicht ein entscheidendes Tor verpasst. Bild- und Tonausfälle über mehrere Minuten trübten die Fußballfreude. Ein Stromausfall im internationalen Fernsehzentrum der Fußball-Europameisterschaft in Wien (IBC) hat weltweit die Übertragung des Halbfinalspiels beeinträchtigt.

Dementsprechend bekamen auch die ZDF-Zuschauer in Deutschland minutenlang nichts vom Spiel zu sehen. In der zweiten Halbzeit der Partie, kurz nach 22 Uhr, brach die Übertragung aus dem Basler St. Jakob-Park für zunächst sechs Minuten und zehn Sekunden zusammen. Hören konnte man ZDF-Kommentator Béla Réthy schon eher wieder. Für kurze Zeit war es Radio im Fernsehen - und das beim Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft. Réthy informierte die Zuschauer über den Grund des Bildausfalls: Im internationalen Sendezentrum der UEFA zur Fußball-Europameisterschaft gab es einen Stromausfall.
 
Unwetter über Wien - ZDF übernimmt Schweizer TV-Signal
 
Schuld am Stromausfall war ein heftiges Unwetter über Wien. Das führte wenige Minuten später zu einem erneuten Strom- und damit Bildausfall des internationalen Sendesignals des Spiels. Weil das ZDF sich gegen die UEFA-Richtlinien für TV-Partner hinweg setzte und im Sinne der Zuschauer entschied, dauerte dieser Bildaussetzer allerdings weniger als eine Minute. Was hatten die Mainzer gemacht? Das ZDF schaltete das Übertragungssignal des Schweizer Fernsehens (SF) auf, das zu dieser Zeit als einziges noch verfügbar war. Hier kam der Heimvorteil zur Geltung: Das Schweizer Fernsehen hat eine vom Stromausfall nicht betroffene Glasfaser-Direktverbindung zum Basler Stadion und konnte problemlos Bilder liefern.
 

 
So verpassten die ZDF-Zuschauer kein Tor des 3:2-Siegs der deutschen Elf. Es blieb dennoch bis zum Ende keine gewöhnliche Fußball-Übertragung mehr. Kommentator Béla Réthy musste die Zuschauer per Telefonleitung über das Spielgeschehen auf dem Laufenden gehalten, was zu einem Zeitversatz zwischen Bild und Ton führte. So hörten die deutschen TV-Zuschauer den 2:2-Ausgleich der Türkei bevor sie ihn zu sehen bekamen. Erst rechtzeitig zum 3:2-Siegtreffer von Philipp Lahm in der 89. Spielminute funktionierte das internationale Bildsignal wieder.
 
ZDF spricht von "ärgerlichster anzunehmender Panne" - Kritik an UEFA
 
Foto: ScreenshotWährend sich z.B. die übertragenden Sender aus Italien und Frankreich an die TV-Richtlinie der UEFA hielten und laut ZDF-Angaben nicht auf die Schweizer TV-Bilder zurückgegriffen haben, haben die Mainzer sich möglicherweise mit der UEFA angelegt. Alle Fernsehstationen in Europa sind grundsätzlich verpflichtet, das offizielle Fernsehsignal der UEFA aus dem Sendezentrum in Wien zu verwenden. Diese Verpflichtung habe "bei der Live-Übertragung des Halbfinalspiels der deutschen Mannschaft gegen die Türkei seine entscheidende technische Achillesferse offenbart", so das ZDF noch am Mittwochabend in einer Mitteilung. ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz: "Darüber wird noch zu reden sein".

Gruschwitz bezeichnete die europaweite Störung noch am Abend als die "ärgerlichste anzunehmende Panne", die gegen Ende des weltweit übertragenen Fußballturniers denkbar ist. Um kurz nach Mitternacht erklärte er die TV-Panne auch noch einmal in den ZDF-Spätnachrichten "heute nacht". Dort lobte er die "klugen, schnellen, findigen Kollegen" in Mainz, die das Signal der Schweizer Kollegen "angezapft" hätten. Zu dieser Zeit war das Pressezentrum der Fußball-EM in Wien übrigens evakuiert worden. Eine weitere Folge des gewaltigen Unwetters. Die Meterologen hatten vor einem Orkan mit Böen mit Spitzengeschwindigkeit bis 130 km/h gewarnt. Die Zeltkonstruktion neben dem Ernst-Happel-Stadion ist nur für Geschwindigkeiten bis 120 km/h ausgelegt.

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