Foto: Uwe Voelkner / FOXAuch wenn es sich nicht immer direkt in hohen Zuschauerzahlen niederschlägt, ist es für ARD und ZDF nach Ansicht von ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut essentiell, "als Qualitätsmedium wahrgenommen zu werden". Dafür will er künftig auch mehr riskieren: "Mein Mut, deshalb neue Wege zu beschreiten, steigt tendenziell", so Bellut in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Allzu radikale Schritte sollte man aber nicht erwarten. Fernsehsender seien schließlich wie Tanker, so der ZDF-Programmdirektor. "So schnell kriegt niemand die Kurve". Er werde also auch künftig nicht "den Schawinski machen". Der Ex-Sat.1-Chef hatte Mitte 2006 den eigentlich gut laufenden Nachmittag und Vorabend radikal umgebaut - und damit eine Bauchlandung hingelegt. Ein halbes Jahr später wurden die Änderungen wieder zurückgenommen.

Bellut verteidigt aber auch, dass das ZDF auch auf die Quoten schielt. Das ZDF müsse dafür sorgen, unter den Top 3-Sendern zu bleiben. "Wir müssen prägend sein", so Bellut, und das bedeute, mit einem besonderen Programm "auch sechs, sieben, acht Millionen Zuschauer zu erreichen. Andernfalls können Sie den gesellschaftlichen Dialog nicht prägen. Wenn Sie keine Stimme mehr haben, die laut genug ist, verhallt ihre Meinung - selbst, wenn Sie etwas ganz Wichtiges zu sagen haben. Messbarer Erfolg lohnt sich, aber sicher nicht um jeden Preis."

Um den ZDF-Quoten nicht allzu sehr zu schaden, soll vor allem zum "Familienkanal" umgemodelte Digitalsender für Experimente genutzt werden. Dort könnten auch neue Formate mit Markus Lanz getestet werden, den sich Bellut gut bei "Quiz-ähnlichen Sendungen und bei Erziehungsformaten" vorstellen könnte. Eine Absage erteilte Bellut hingegen Castings-Shows: "Das ist zwar international ein Trend, doch unser Publikum lehnt es ab."

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Gelernt hat man beim ZDF außerdem aus einem Flop wie "Bravo TV", das von den ganz jungen Zuschauern überhaupt nicht gefunden wurde. "Eine ordentliche Sendung. Leider fehlte das Umfeld", so Bellut. "Ich habe gelernt: Es ist unsinnig, nur Programm für Jüngere machen zu wollen. Wir müssen das Programm modernisieren, für alle Altersgruppen". Gelingen soll das beispielsweise mit neuen Show-Konzepten. "Insgesamt wollen wir 2009 für den Samstagabend drei, vier neue Shows ausprobieren", so Bellut. Denkbar ist auch ein Format mit Hape Kerkeling, mit dem Bellut die Zusammenarbeit gern ausbauen würde.