Foto: Hubert Burda Media © Hubert Burda Media
Fragwürdig

Finanzen100: Was Google kann, können wir auch

 

Mit einer eigenwilligen Argumentation rechtfertigt die Burda-Tochter Tomorrow Focus das neue Finanzportal Finanzen100, dessen Kernangebot zunächst aggregierte Informationen aus fremden Quellen bilden. Genau das aber kritisierte Hubert Burda kürzlich noch lautstark an Google bzw. Google News.

von Thomas Lückerath
27.08.2009 - 14:48 Uhr

Foto: Hubert Burda MediaManchmal ist die Realität komischer als alles, was sich ein Comedy-Autor ausdenken könnte. Im Juli hatte sich Verleger Hubert Burda mit Bezug auf die von zahlreichen Verlagen unterzeichnete Hamburger Erklärung in einem Interview mit dem „Manager Magazin“ sehr kritisch über das Geschäftsmodell von Google geäußert. Das Unternehmen sei derzeit der einzige Sieger im Web-Geschäft und verdiene ein Drittel der Werbeumsätze im Netz - und all das, ohne selbst in teuren Journalismus zu investieren.“

Genau den spart sich die Burda-Tochter Tomorrow Focus bei ihrem neuen Finanzportal Finanzen100 dann auch gleich. Denn statt teurem Journalismus bedient man sich genau der Technik, die Verleger Burda an Google kritisiert: Ein erstes Kernangebot des werbefinanzierten Portals Finanzen100, einem Joint Venture von Tomorrow Focus und OnVista-Gründer Stephan Schubert, ist ein News-Aggregator, der Informationen aus über 12.500 Quellen aufbereitet. Mit anderen Worten: Man will Geld verdienen mit den Inhalten anderer.

Wie passt das zu dem, was die Verlage in der gemeinsamen Hamburger Erklärung an Google kritisieren? Und zu dem, was Hubert Burda in dem Interview vor wenigen Wochen noch einmal selbst kritisiert hat? Bei Tomorrow Focus verweist man zunächst einmal darauf, dass Hubert Burda Media nur einer der Aktionäre sei  und man sich nicht an jede Aussage von Hubert Burda gebunden fühlt. Doch auch davon abgesehen, sei Finanzen100 kein Widerspruch zu dem, was die Verlage mit der Hamburger Erklärung kritisieren.

Was Google sich erlaubt, erlaube man sich jetzt eben auch, so die Haltung des Unternehmens auf Anfrage von DWDL.de. Sobald Google aber eine Idee für die Vergütung von genutzten bzw. aggregierten Inhalten vorlege, werde man sich dem gerne anschließen. Nur sei es von einem StartUp wie Finanzen100 zu viel verlangt, dass man dort vom Start weg mit der Vergütung von Inhalten begänne, während Google noch nicht vergütet. Man sei aber offen für Ideen und Konzepte.

Außerdem soll Finanzen100 im Endstadium weitaus mehr sein als ein News-Aggregator für die Finanzwelt. Weitere umfangreiche Analyse-Tools sind geplant. Doch bei allen Features geht ganz bewusst Technik über Redaktion. Für Geschäftsführer Oliver Eckert, zuvor bei RP-Online und BIld.de, war es wichtig, ein Portal zu gestalten, „das effizient arbeitet. Technologie ist hierzu der Schlüssel“, wie er den Kollegen von „Meedia“ verriet. In der kommenden Woche soll Finanzen100 nach langer Vorbereitungszeit starten.

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