KI.KA Der Kinderkanal © KI.KA
Schrill und bunt?

"Maus"-Erfinder Maiwald attackiert Kinderkanal

 

Gegenüber der "Frankfurter Rundschau" geht Armin Maiwald, Erfinder der "Die Sendung mit der Maus", hart mit dem Kinderfernsehen ins Gericht. Auch beim Ki.Ka sieht er qualitative Mängel.

von Jochen Voß
10.11.2009 - 13:18 Uhr

Sendung mit der Maus-Erfinder Armin MaiwaldArmin Maiwald (Bild rechts), der vor 38 Jahren den Dauerbrenner "Sendung mit der Maus" erfunden hat und auch heute noch in den Sachgeschichten der Kindersendung zu sehen ist, geht mit dem aktuellen Kinderfernsehen hart ins Gericht. In einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" attackierte Maiwald das aktuelle Angebot, dem er einen Mangel an Qualität unterstellt. Dabei schießt er auch scharf gegen den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal, der gemeinsam von ARD und ZDF betrieben wird und auf dem auch "Die Sendung mit der Maus" zu sehen ist.

"Wenn Sie sich auf solche Läden wie RTL II einlassen, wo ein Schundprogramm läuft, dann können Samson und die Maus nichts dafür", sagte Maiwald in der "FR" zur Verteidigung des Kinderfernsehens generell. So sei das Kinderfernsehen an sich kein Problem, da man Kinder nicht von etwas fernhalten könne, was Erwachsene ständig schauen würden. Allerdings beklagt Maiwald, dass die Kinderprogramm-Strecken zum Beispiel im WDR verschwunden seien. "Seit 20 Jahren herrscht nur noch Quotendruck und Kommerz", sagte er.
 

 
Im Kinderkanal, der ausschließlich Programme für Kinder bis zum Alter von 14 Jahren ausstrahlt, sieht er dagegen ein "Alibi", in das die Kinderprogramme verdrängt wurden. Das sieht Kinderkanal-Chef Steffen Kottkamp indes anders. Im Sommer sagte er im Interview mit dem Medienmagazin DWDL.de zu diesem Problem: "Ich sehe uns nicht als Nische, sondern als verlässliches Angebot, bei dem das Kinderprogramm nicht ausfällt, weil Könige heiraten oder Skispringer durch die Luft fliegen. Dadurch ist das Programm sehr ins Zentrum gerückt".
 
Doch nicht nur in der Programmierung, sondern auch bei den Inhalten des Kinderkanals selbst sieht Maiwald im Laufe der vergangenen Jahre einen Qualitätsverlust. Neben einzelnen Formaten wie dem "Sandmännchen" und der Zeichentrickserie "Nils Holgerson" sei beim Kinderkanal "alles nur schrill und schreiend bunt" und nähere sich immer mehr dem Privatfernsehen an. "Der Kinderkanal wird zwar gespeist von ARD und ZDF, aber da wurden kaum eigene Formate entwickelt", so Maiwald in der "FR".

Darüber hinaus wirft Maiwald dem öffentlich-rechtlichen Kindersender eine aufgesetzte "Dauerfröhlichkeit in einer Lautstärke und einer Sprachfrequenz, die fast schon wehtun" vor. Neben lustigen Inhalten gebe es zu wenige ernste Themen, die zum Nachdenken anregen. "Da stimmt einfach die Mischung nicht", beklagt Maiwald.

Muss als einer der ersten durch den Drei-Stufen-Test: Ki.Ka-Chef Steffen KottkampZur Kritik einer eventuellen Annäherung an die privaten Angebote entgegnete Kika-Chef Kottkamp (Bild links) im Sommer: "Der größte Unterschied ist die Vielfalt: Wenn die privaten Kollegen ein erfolgreiches Format gefunden haben, spielen sie es rauf und runter. Ich schalte Nick und Super RTL ein und sehe überall das gleiche. Wir sind aus unserem Programmverständnis heraus ganz anders aufgestellt".

Armin Maiwald hat an der Entwicklung des Kinderfernsehens in Deutschland einen entscheidenden Anteil. "Die Sendung mit der Maus", die im Jahr 1971 erstmals auf Sendung ging, gilt auch heute noch prägend für Erklärsendungen und hat mit ihrer Machart auch auf Programme für Erwachsene abgefärbt. Als Regisseur war Maiwald unter anderem für den Puppenfilm "Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt" und die ersten Folgen der Puppentrickserie "Hallo Spencer" verantwortlich.

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