Thomas EbelingEines muss man ProSiebenSat.1-Vorstandsvorsitzenden Thomas Ebeling in jedem Fall zugute halten: Er spielt gegenüber seinen Mitarbeitern mit offenen Karten. Nachdem am Wochenende bereits der "Spiegel" über bevorstehende Einsparungen im teuren Nachrichtengeschäft berichtet hat, stellte er sich mit seinen Vorstandskollegen am Mittwochmittag auf einer seit langem anberaumten Betriebsversammlung den Fragen der N24-Mitarbeiter und informierte sie ganz offen über die Pläne bezüglich des Nachrichtengeschäfts, wie ProSiebenSat.1-Sprecher Julian Geist gegenüber DWDL.de bestätigte.

Angesichts der hohen Verluste, die N24 mit der Nachrichtenproduktion einfährt und der insgesamt angespannten wirtschaftlichen Situation des Unternehmens sei es schlicht die Pflicht des Vorstands, alle Optionen zu prüfen. Genau das geschehe derzeit, so Ebeling gegenüber seinen Mitarbeitern. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen und auch nicht vor Februar oder März kommenden Jahres zu erwarten.

Ebeling stellte auf der internen Versammlung in offenen Worten dar, welche Einspar-Szenarien derzeit durchgespielt würden und zeigte sich auch einem Komplett-Verkauf des Senders nicht grundsätzlich abgeneigt. Wenn sich ein strategischer Investor finden würde, der den Sender weiterführen würde, sei dies durchaus eine "gute Option", so Ebeling. Interessenten hätten auch durchaus schon angeklopft, es gebe aber noch keinerlei Entscheidung und auch keinen Verkaufsprozess.

Ob Verkauf oder nicht: Nachrichten wird es natürlich auch weiterhin bei ProSiebenSat.1 geben, wie der Konzernchef versicherte. Ebeling gestand mit seinem Auftritt aber auch ein, dass sie nicht gerade zur Kernkompetenz von ProSiebenSat.1 gehören. RTL habe über ein Jahrzehnt in seine Nachrichtenkompetenz investiert, das könne man nun nicht innerhalb kurzer Zeit aufholen. "Dieser Zug ist abgefahren", so Ebeling.