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Bittere Neuigkeiten

Bioleks Produktionsfirma Pro ist zahlungsunfähig

 

Prominentes Opfer der Krise: Die traditionsreiche Kölner Produktionsfirma Pro GmbH, die 1979 u.a. von Alfred Biolek gegründet wurde und an der auch Dirk Bach beteiligt ist, ist insolvent. Geschäftsführer Andreas Lichter zeigt sich aber optimistisch.

von Thomas Lückerath
04.03.2010 - 16:03 Uhr

Foto: ZDFAm Mittwoch eröffnete das Amtsgericht Köln das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Kölner Pro GmbH. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Kölner Rechtsanwalt Dr. Christoph Niering berufen. Niering ist derzeit dabei, sich einen Überblick über den Geschäftsbetrieb zu verschaffen. "Ziel ist es, gemeinsam mit der Geschäftsleitung in den kommenden Wochen eine tragfähige Fortführungslösung zu erarbeiten", sagt Niering. in einer am Freitagvormittag verbreiteten Mitteilung. Er sieht Chancen, dass dies gelingen kann. Doch der Schock sitzt erstmal tief - nicht nur bei den 15 Mitarbeitern des Unternehmens.
 
Seit über 30 Jahren ist die 1979 von Alfred Biolek und Andreas Lichter gegründete TV-Schmiede auf dem deutschen Markt aktiv und gilt damit als eine der ältesten unabhängigen Produktionsfirmen in Deutschland. Gegenüber DWDL.de bestätigte Geschäftsführer Andreas Lichter am Donnerstagnachmittag das eröffnete Insolvenzverfahren. Er zeigt sich optimistisch, dass sich die vor anderthalb Jahren eingeleitete Sanierungsphase fortsetzen lässt und die Insolvenz für die Pro GmbH auch eine Chance darstellen kann. Als Grund für den Insolvenzantrag nannte Lichter ein festeingeplantes Großprojekt, das aus technischen Gründen nicht wie geplant im Jahr 2010 umgesetzt werden kann. „Die Insolvenz ließ sich trotz des bereits vor einiger Zeit eingeschlagenen Sanierungsweges damit nicht mehr vermeiden“, erklärt Lichter.
 

 
Seit über 30 Jahren mischt die Pro GmbH auf dem deutschen TV-Markt mit. Zu den Produktionen gehörten anfangs insbesondere Bioleks eigene TV-Formate wie "Bios Bahnhof", "Boulevard Bio" oder "alfreddismo". Nach früher intensiver Zusammenarbeit mit Dirk Bach wurde dieser 1987 Mitgesellschafter des Unternehmens. In den Folgejahren entstanden Fernsehsendungen wie die Kabarettsendung "Mitternachtsspitzen" im WDR Fernsehen, Talks wie "Kaffeeklatsch" oder "Blond am Freitag" beim ZDF und Serien wie die Sitcom "Lukas", die Sat.1-Krimiserie "Der Elefant" oder die ZDF-Krimireihe "Unter Verdacht" mit Senta Berger. Auch der ARD-Talk "Menschen bei Maischberger" wurde im Hause der Pro GmbH geboren, inzwischen aber von Maischberger selbst produziert. Zu den aktuellen Produktionen gehörte etwa die ARD-Krimiserie "Mord mit Aussicht", die im vergangenen Jahr ausgestrahlte Sat.1-Comedy "Einfach Bach" oder der Klassiker "Mitternachtsspitzen". Auch im Bereich Dokumentationen war das Unternehmen zuletzt tätig.

Pro GmbHBeim Mutterkonzern in Berlin, der Senator Entertainment AG, die im Jahr 2007 mit 51 Prozent die Mehrheit an dem TV-Produktionsunternehmen übernahm, war am Donnerstag keine Stellungnahme zu bekommen. Senator wollte sich mit dem Einstieg bei der Pro GmbH von der Volatilität des Kinogeschäftes abkoppeln, im TV-Geschäft mitmischen und zu einem integrierten Medienunternehmen wachsen. Doch das Portfolio der Pro GmbH lässt jetzt vermuten, dass der anhaltende Trend zu billigen Dokusoaps und Scripted Reality dem Produktionsunternehmen besonders hart zugesetzt hat.

Die Kölner Pro GmbH setzte mit den Genres Show, Talk und Fiction eher auf klassische TV-Genres die zuletzt weniger gefragt waren, weil sie im Vergleich zu neuen Trend-Genres als zu teuer galten. Laut Geschäftsführer Andreas Lichter sind aktuell keine Produktionen wie etwa die "Mitternachtsspitzen" für den WDR durch das Insolvenzverfahren beeinträchtigt. Das letzte Großprojekt der Pro GmbH, die 2. Staffel der ARD-Krimiserie "Mord mit Aussicht", sei bereits fertiggestellt. Die nächsten Wochen werden jetzt zeigen, wie es mit dem Unternehmen weitergeht. Die Vorfinanzierung der Löhne und Gehälter der beteiligten Arbeitnehmer ist vom vorläufigen Insolvenzverwalter bereits beantragt. Damit wären die Zahlungen bis Ende April gesichert. Anfang Mai ist mit einer Entscheidung des Amtsgerichts Köln über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu rechnen.

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