Günther Jauch und die ARDEineinhalb Wochen ist nun bekannt, dass Günther Jauch im kommenden Jahr in der ARD talken wird. Bis auf einige undiplomatische Aussagen des ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust über die derzeitigen Talker ist es erstaunlich ruhig. Anders als beim letzten Mal - als der Deal zwischen der ARD und Jauch scheiterte - ist aus den Gremien und mehr oder weniger unbeteiligten Landesrundfunkanstalten wenig bis nichts zu dem Programmvorhaben, das große Veränderungen im Programm nach sich zieht, zu hören.

Also fragt man die ehemaligen Entscheider, die mittlerweile nichts mehr zu entscheiden haben. So geht der ehemalige WDR-Intendant Friedrich Nowottny zwar davon aus, dass Jauch seine neue Rolle im Polit-Talk "in seiner unnachahmlichen Art lösen wird", ist aber skeptisch hinsichtlich des Engagements von Jauch für zwei Sender gleichzeitig. "Am Freitag 'Millionär' im privaten Fernsehen, am Sonntag Talkmaster im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, am Montag wieder 'Millionär'. Das wäre gewöhnungsbedürftig und macht einen kühnen Spagat notwendig", sagte Nowottny dem "Tagesspiegel".
 

 
Gegenüber der Zeitung äußerte der Ex-Intendant auch seine Zweifel über die geplanten Programmveränderungen im Ersten. Die "Tagesthemen" sollen mit 22:15 Uhr eine einheitliche Anfangszeit bekommen. Montags bis donnerstags soll im Anschluss getalkt werden. "Wenn es so kommt, dann gehen gewohnte Rituale ihrem Ende entgegen", sagte Nowottny dem "Tagesspiegel". "Jeden Abend Talkshow um 22:45 Uhr allein in der ARD. Wer soll das alles sehen? Nur noch die Schlaflosen". Mitleid zeigt Nowottny auch mit den Redakteuren: "Wo sollen die nur die Besetzungen für diese Talkshows herbekommen?".

Mehr zum Thema:

Noch allerdings ist nicht entschieden, wie die einzelnen Talksendungen ab dem Herbst kommenden Jahres aussehen werden. So ist noch nicht klar, wie "Anne Will" auf einem neuen Sendeplatz aussehen soll - so Anne Will ihn überhaupt nimmt. Der ARD-Vorsitzende Boudgoust hat sich im Interview mit dem "Spiegel" jüngst so seine Gedanken dazu gemacht. Unklar ist derzeit auch, mit welchem Talkkonzept Jauch antreten wird. "Ob er das Format 'Anne Will' nur übernimmt, so wie es Frau Will von Sabine Christiansen übernommen hat, oder etwas völlig Neues macht. Ich weiß es nicht, vielleicht weiß er es selber nicht. Das ist ja ein Trost, man ist ja vor Innovationen nie ganz sicher", so Nowottny im "Tagesspiegel".