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Millionen-Betrug

Kika-Skandal: "Der Fehler liegt wohl weit oben"

 

Wie konnte es zum Millionen-Betrug beim Kinderkanal kommen? MDR-Intendant stellte sich nun den Fragen von Rundfunk- und Verwaltungsrat des MDR, erntete aber auch Kritik. Die wichtigste Frage sei "nicht ausreichend beantwortet" worden.

von Alexander Krei
18.01.2011 - 09:32 Uhr

Bild: MDR/FriedrichMDR-Intendant Udo Reiter hat sich am Montag in einer Sondersitzung von Rundfunk- und Verwaltungsrat des MDR zu dem großen Betrugsfall beim Kinderkanal geäußert und akribische Aufklärung versprochen. Man gehe insgesamt von einer Schadenssumme in Höhe von sieben Millionen Euro aus.

Darin eingeschlossen seien knapp 280.000 Euro, die eine weitere Firma ebenfalls über Scheinrechungen und offenbar mit Hilfe desselben Herstellungsleiters abgezweigt habe. Dieser weitere Fall, über den der "Spiegel" am Montag bereits berichtete, wurde durch die Revisionen aufgedeckt. Aus ermittlungstaktischen Gründen können derzeit keine weiteren Angaben dazu gemacht werden, sagte Reiter.

Doch wie kam es überhaupt zu dem über Jahre hinweg andauernden Millionenbetrug? Entscheidend sei zum einen die Schlüsselposition gewesen, die der Herstellungsleiters im Kika innehatte. Das Mehr-Augen-Prinzip sei zwar angewandt, aber in seinem eigentlichen Sinn systematisch ausgehebelt worden, betonte der MDR-Intendant am Montag. In seiner Position als Herstellungsleiter war der fristlos Gekündigte auch Ansprechpartner für Rechnungshöfe und Revisionen und damit zumindest teilweise auch für die Umsetzung von Prüfungsempfehlungen verantwortlich.

Die Nische, die der ehemalige Herstellungsleiter genutzt hat, lag in der unzureichenden Funktionstrennung zwischen Anforderung, Beauftragung, Rechnungsprüfung und Zahlungsanweisung – und zwar ausschließlich bei produktionsbezogenen Dienstleistungen. "Wenn jemand in einer solchen Position kriminelle Energie entwickelt, wird es gefährlich. Er missbraucht dann das Vertrauen, das man für seine Leitungsaufgabe in ihn gesetzt hat", sagte Reiter, der zugleich ankündigte Schadensersatz fordern zu wollen.

Doch nicht jedermann war offenbar mit Reiters Auftritt bei der Sondersitzung zufrieden. Er sei von den Teilnehmern "mit Nachdruck befragt" worden, habe die wichtigste Frage allerdings "nicht ausreichend beantwortet", sagte ein Teilnehmer der "Bild"-Zeitung (Leipzig). Es geht dabei vor allem um die Frage, wie der vor achten Jahren begonnene Betrug überhaupt passieren konnte - hier hätte sich so mancher offenbar noch genauere Details gewünscht. Ein weiterer Teilnehmer sagte: "Der Fehler liegt wahrscheinlich auf der Direktorenebene - also weit oben im MDR."

Die Revisionen von MDR und ZDF arbeiten unterdessen an einem Prüfbericht, der im März vorliegen und die Sicherheit in den Geschäftsvorgängen weiter erhöhen soll. MDR-Intendant Udo Reiter bedauerte, dass der Betrugsskandal die jüngsten Erfolge des Kinderkanals überschattet. "Die Betrugsfälle beim Kika sind für mich auch deshalb so bitter und schlimm, weil sie verdecken, dass der Kinderkanal 2010 mit 19 Prozent Marktanteil bei den Kindern das erfolgreichste Jahr seit seinem Sendestart hatte", so Reiter. Der Sender dürfe nun durch die kriminellen Handlungen nicht bleibend beschädigt werden.

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