Man ist offenbar aufgewacht im Humboldt-Carre in Berlin-Mitte: Das Team von "Gottschalk Live" will endlich aus der Defensive zurück in die Offensive und arbeitet schneller als zuletzt gedacht an einer grundlegenden Überarbeitung der bislang recht erfolglosen Vorabend-Show mit Thomas Gottschalk. Nach DWDL.de-Informationen soll der Relaunch des Formates am Montag, den 19. März, stattfinden. Wenig soll dann noch an das jetzige Format erinnern.

Basierend auf den Erfahrungen der ersten anderthalb Monate wird es deutliche Änderungen geben, die von manchem Beobachter schon vor dem Sendestart im Januar gefordert wurden. So bekommt "Gottschalk Live" ab dem 19. März ein Studio-Publikum, um Thomas Gottschalks Stärke in der Interaktion besser ausspielen zu können. Eine Ticketing-Agentur wurde bereits beauftragt. Um Platz für das Publikum zu schaffen, wird das Studio umgebaut: Die Redaktionstische verschwinden in diesem Zuge aus dem Studio und wandern zwei Etagen tiefer, wo ohnehin der Rest der Redaktion sitzt.

Gottschalks Schreibtisch - und damit das Set selbst - wird sich um 90 Grad drehen. Für den Umbau und diverse Testsendungen wird das Wochenende vor dem Relaunch am 19. März durchgearbeitet. Darüber wurden die Mitarbeiter bereits informiert. Neu mit dabei sein wird dann nach DWDL.de-Informationen auch Frank Hof, ein alter Weggefährte Gottschalks, der künftig die Regie der Sendung übernimmt. Regisseur Hof und Thomas Gottschalk kennen sich seit vielen Jahren: Man hat schon oft bei "Wetten, dass..?" und anderen großen Live-Shows zusammengearbeitet.

Aber nicht nur hinter der Kamera erhält "Gottschalk" damit Verstärkung: Auch die Einführung eines Sidekicks wird derzeit überlegt. Alle Änderungen haben ein Ziel: Die Sendung rund um Thomas Gottschalk so zu gestalten, dass er endlich Anspielflächen bekommt. Weniger wichtig wird künftig hingegen das Thema Social Media. Hier wollte "Gottschalk live" etwas versuchen und scheiterte an halbherzigen Versuchen und einem Moderator, der nicht glaubhaft dahinter stand. Kleiner Trost: Eine richtig überzeugende Social Media-Integration hat kaum ein TV-Format gefunden.

Mitten in diese Vorbereitungen des Relaunches platzte am Wochenende die "Spiegel"-Vorabmeldung über ein mögliches Aus von "Gottschalk live" schon im April. Doch selbst in ARD-Kreisen weist man diesen Bericht am Sonntag als irreführend zurück: Richtig sei, dass die ARD ab Mitte April die Möglichkeit habe, den Produktionsauftrag zu kündigen. Jedoch nicht mit sofortiger Wirkung sondern erst zum Sommer hin. Doch noch bevor sich diese Frage stellt, will man mit neuem Kurs Zuschauer zurückgewinnen.

Fraglich ist natürlich, ob das Publikum Thomas Gottschalk bzw. "Gottschalk live" noch einmal in ausreichender Menge eine zweite Chance geben wird. Nach Wochen der Schockstarre bewegt sich aber immerhin endlich etwas im Humboldt-Carre in Berlin. Das neue "Gottschalk live" - es wird wohl etwas konventioneller und weniger Avantgarde. Man könnte auch sagen: Mehr Filterkaffee statt Chai Latte. Jetzt muss es dem Publikum nur noch schmecken und was so schon schwer genug ist, wird im von festen Sehgewohnheiten geprägten Vorabend noch schwerer.