Programmreform beim WDR

Die Pläne von WDR-Intendant Fritz Pleitgen werden nicht nur auf Gegenliebe stossen. So wird er sich anhören müssen, wie einige Gremienmitglieder sich übergangen fühlen, weil sie Teile der Reform längst verwirklicht sehen.

Eine Reform ist dabei dringend nötig: Die gesunkenen Marktanteile könnten bis Jahresende zum Verlust des vierten Ranges im Rennen der Dritten führen. Daher soll zunächst das Nachmittagsprogramm reformiert werden. Nach der neuen Wissenschaftssendung "Planet Wissen" um 15 Uhr will man zwischen 16 und 18 Uhr "bestehendes Programmvermögen neu präsentieren", was letztendlich die Wiederholung bereits gesendeter Beiträge aus den Lokalzeiten bedeutet. Zum Opfer fallen diesem Regional-Remix jeweils 15 Minuten der Metropolenprogramme für Köln und Dortmund.

Die Pläne für das Abendprogramm gelten erst für die Zeit nach Karneval, da der WDR vorher mit Übertragungen von Karnevalssitzungen und Wiederholungen alter Karnevalssendung traditionell gute Einschaltquoten einfährt. Neu im Programm: "WDR im Kreuzverhör". In dieser Sendung sollen bei tagesaktuellem Bedarf die Monitor-Chefin Sonia Mikich und WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn als Moderatoren-Duo antreten und Politiker ins Kreuzverhör nehmen.

Verdoppelt wird die Anzahl der "Hart aber fair"-Sendungen, in der Frank Plasberg künftig wöchentlich jeden Mittwoch über aktuelle Themen diskutieren lässt. Den Donnerstag abend bestreiten die hauseigenen Auslands- Korrespondenten, die dort eine zusätzliche Plattform bekommen.

Den durchaus nennenswerten Neuerungen bei den Informationssendungen steht ein unspektakuläres Programm-Recycling im Unterhaltungs-Bereich gegenüber. Der Montag wird zum Serien-"Recycling"-Abend: ARD-Ware wie "Eine glückliche Familie" und "Großstadtrevier" sollen Zuschauer zum WDR locken. Auch beim "Tatort" bedient sich der WDR aus den Schätzen des Ersten: Im WDR-Fernsehen wird nun aber nicht mehr Donnerstags sondern Freitags ermittelt, um nicht zeitgleich mit "Tatort"-Erstausstrahlungen im Ersten auf Sendung zu sein.