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"Computer Bild'"-Massenentlassung

"Schämen Sie sich nicht, Herr Dr. Döpfner?"

 

Weil sie die Ausgliederung in eine nicht tarifgebundene Tochter nicht mitmachen wollen, müssen wohl über 50 Redakteure der "Computer Bild"-Gruppe gehen. In einem Offenen Brief rechnen sie noch einmal mit dem Verlag ab

von Uwe Mantel
18.06.2012 - 09:52 Uhr

Zum 1. Juni 2012 hat der Springer-Verlag den Plan in die Tat umgesetzt, die "Computer Bild"-Redaktion in die Computer Bild Digital GmbH umzusiedeln - aus einem simplen Grund: Da das Tochterunternehmen nicht tarifgebunden ist, versucht der Verlag so die Kosten zu drücken, um damit auf die rapide fallenden Auflagenzahlen der Computer-Titel zu reagieren. Doch Springer stieß auf unerwartet großen Widerstand. Auch wenn sich der Verlag zu Zahlen offiziell nicht äußert, haben über 50 bisherige Redakteure - und damit die Mehrheit - dem Betriebsübergang widersprochen. Sie wurden daraufhin freigestellt.

 

Auch wenn sie derzeit noch die Möglichkeit haben, sich auf andere freie Stellen innerhalb der Axel Springer AG zu bewerben, droht nun die Massenentlassung. Dem Betriebsrat hat das Unternehmen bereits mitgeteilt, dass die formal notwendige Anzeige selbiger bei der Bundesagentur für Arbeit in Kürze vorgenommen werden müsse. Geräuschlos verabschieden sich die "Computer Bild"-Redakteure aber nicht. In einem weiteren Offenen Brief rechnen Sie nun noch einmal mit ihrem alten Arbeitgeber mit harschen Worten ab.

 

Sie bemängeln unter anderem, dass die Mitarbeiter, die teils Jahrzehnte für den Verlag gearbeitet hätten, in der letzten Redaktionssitzung nicht einmal ein Dankeschön vom zuständigen Verlagsgeschäftsführer Hamer gehört hätten. Dass die "Computer Bild"-Titel nach dem Massenexodus nun mit Aushilfen, Praktikanten und freien Journalisten gefüllt werde, zeige, dass der "Anspruch des Lesers auf eine hochwertige Zeitschrift (...) dem wirtschaftlichen Erfolgsdruck weichen" musste. "Es geht nicht darum, einen Absturz zu verhindern. Es geht Ihnen und Ihren Taschenrechner-Boys und -Girls darum, den Gewinn zu maximieren."

Derzeit mache die "Computer Bild"-Gruppe demnach ohnehin noch Gewinn. Bei Springer verweist man trotzdem auf wirtschaftliche Notwendigkeiten. Man müsse den "Moment der relativen Stärke" nutzen und "rechtzeitig die Weichen für die Zukunft stellen", antwortete Döpfner auf einen früheren Offenen Brief der "Computer Bild"-Redakteure und verwies auf den seit Jahren stark rückläufigen Anzeigen- und Vertriebsmarkt bei den Computer-Titeln.

Besonders überzeugend hat Döpfner auf die "Computer Bild"-Mannschaft offenbar nicht gewirkt. Mit dem letzten Offenen Brief wollen Sie, so heißt es in dem Schreiben weiter, Döpfner wissen lassen, dass alle Mitarbeiter "aufrecht und stolz" gehen. Und sie schließen mit den Worten "Schämen Sie sich nicht, Herr Dr. Döpfner?"

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