Papst geht gegen Titanic vor © Phoenix / Titanic
"Ich hätte den Papst für klüger gehalten"

"Halleluja im Vatikan": Der Papst verklagt "Titanic"

 

"Die undichte Stelle ist gefunden": So titelt "Titanic" - und zeigt Papst Benedikt XVI. mit einem gelben Fleck. Der fühlt sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt. Chefredakteur Fischer sagt: "Ich hätte den Papst für klüger gehalten."

von Alexander Krei
10.07.2012 - 14:40 Uhr

"Papst verklagt 'Titanic'": Diese Nachricht klingt zunächst wie ein Witz, ist aber tatsächlich ernst gemeint. Weil sich Benedikt XVI. durch das aktuelle Titelbild der der "Titanic" in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlt, hat der Papst das Satiremagazin zu einer Unterlassungserklärung aufgefordert. Das Magazin hatte nach Bekanntwerden des sogenannten "Vatileaks"-Skandals getitelt: "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!" Parallel dazu war der Papst mit einem gelben Fleck zu sehen.

Wegen "Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte" habe Erzbischorf Angelo Becciu im Namen von Benedikt XVI. die Bonner Kanzlei Redeker/Sellner/Dahs mit der Durchsetzung der Unterlassung beauftragt. Auf DWDL.de-Nachfrage wollte sich die Kanzlei zu dem Vorgang allerdings nicht äußern und verwies auf die Deutsche Bischofskonferenz. Deren Sprecher Matthias Kopp betonte bereits gegenüber "Titanic", man werde sich "intensiv mit der Angelegenheit beschäftigen".

Auf Nachfrage der "Augsburger Allgemeinen" bestätigte Kopp noch einmal die Einleitung rechtlicher Schritte. "Titelbild und Rückseite der aktuellen Titanic-Ausgabe sind rechtswidrig. Sie verletzen den Heiligen Vater in seinen Persönlichkeitsrechten", so Kopp. "'Titanic' überschreitet jedes Maß an Zumutbarem. Das hat bereits eine rechtliche Prüfung bestätigt. Aus diesem Grund ist Titanic aufgefordert worden, eine Unterlassungsverpflichtungserklärung abzugeben. Die von 'Titanic' beauftragte Anwältin hat sich bereits gemeldet und eine Stellungnahme angekündigt."

"Titanic"-Chefredakteur Leo Fischer zeigte sich gegenüber DWDL.de ebenfalls auskunftsfreudiger. Auch er versicherte, dass es sich nicht um einen Witz von Seiten des Satiremagazins handelt. Im Gegenteil: "Wir haben den Eingang des Faxes zunächst selbst für einen Scherz gehalten." Nach Rücksprache mit der Kanzlei und der Deutschen Bischofskonferenz war man in der Redaktion allerdings dann doch von der Echtheit überzeugt. Die Unterlassungserklärung werde man einstweilen nicht unterzeichnen, betonte "Titanic"-Chefredakteur Leo Fischer am Dienstag gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de.

Zugleich erklärte er, dass eine durch die Kanzlei gesetzte Frist nach der Veröffentlichung der Presseerklärung aber nun ohenhin hinfällig geworden sei. Inzwischen sei angekündigt worden, dass ein Verbotsverfahren für den umstrittenen "Titanic"-Titel beantragt werden soll, so Fischer im Gespräch mit DWDL.de. Sollte die Klage Erfolg haben, darf der Titel in jeglicher Form nicht mehr verbreitet werden. Fischer hatte zuvor in einer ersten Stellungnahme die Vorwürfe bereits zurückgewiesen. "Benedikt muss uns missverstanden haben", sagte Fischer.

Der Titel zeige einen Papst, der nach der Aufklärung der Spitzelaffäre ("Vatileaks") feiert und im Überschwang ein Glas Limonade über seine Soutane verschüttet hat: "Es ist allgemein bekannt, daß der Papst ein großer Freund des Erfrischungsgetränks 'Fanta' ist." Man hoffe nun auf ein persönliches Gespräch mit dem Papst, um das Missverständnis auszuräumen. Es ist übrigens das erste Mal, dass ein Papst zivilrechtlich gegen "Titanic" vorgeht. Wie auch immer der Streit ausgeht: Chefredakteur Leo Fischer freut sich über die zusätzliche PR für sein Magazin. Gegenüber DWDL.de sagte er: "Ich hätte den Papst für klüger gehalten."

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