Ulrike von der Groeben © RTL/Stefan Gregorowius
Reporterinnen am Spielfeldrand

"Wenn du diesen Job machst, bist du bescheuert"

 

Auf dem SpoBis in Düsseldorf haben Ulrike von der Groeben, Esther Sedlaczek und Laura Wontorra über die Herausforderungen für Frauen in der Sportwelt gesprochen. Gutes Aussehen alleine, da waren sie sich einig, reicht in der Branche längst nicht.

von Alexander Krei
03.02.2014 - 19:36 Uhr

"Schalke 05". Fast jeder hat diesen Lapsus von Carmen Thomas im Ohr - und das, obwohl er schon so viele Jahre zurückliegt. Es gibt vermutlich keine Sportjournalistin, die noch nie mit dieser vermeintlichen Lapalie konfrontiert worden wäre. Die langjährige RTL-Moderatorin Ulrike von der Groeben, Sky-Moderatorin Esther Sedlaczek und Sport1-Frau Laura Wontorra bilden da keine Ausnahme. Auch auf dem vom Fachmagazin "Sponsors" veranstalteten SpoBis-Kongress in Düsseldorf kam das Trio am Montag nicht an Carmen Thomas vorbei.

Tatsächlich habe es "Schalke 05" den Frauen im Sport zwischenzeitlich nicht leichter gemacht, erzählt von der Groeben, weil auf einmal davon ausgangen worden sei, dass alle Frauen keine Ahnung hätten. Dass es Ende der 80er, als sie bei RTL den Schritt vor die Kamera schaffte, kaum Frauen im Sport gab, hat ihrer Meinung nach allerdings andere Gründe. "Es gab einfach keine Frauen, die in der Sportredaktion sein wollten", so von der Groeben. Mit Blick auf die zahlreichen Männer im Publikum scherzte sie, dass Frauen auch heute offenbar noch völlig unterrepräsentiert seien.

Von der Aussage, wonach Frauen immer doppelt so gut sein müssen wie ihre männlichen Kollegen, hält die Moderatorin jedoch wenig. "Hoffentlich sind wir genauso gut wie andere Kollegen - aber sicher nicht doppelt so gut." Auch die Tochter von "Doppelpass"-Moderator Jörg Wontorra gibt nicht viel auf die Diskussion über die üblichen Klischees, die Sport-Moderatorinnen für gewöhnlich angeheftet werden. "Ich habe viel mehr mit dem Klischee zu kämpfen, Wontis Tochter zu sein", so Laura Wontorra. Sie selbst habe ein Volontariat gemacht, bis tief in die Nacht Beiträge geschnitten und dadurch unter Beweis gestellt, nicht nur wegen des sogenannten Vitamins B - also aufgrund guter Beziehungen - weitergekommen zu sein.

Ihr Vater habe ihr viel mehr geraten, einen anderen Weg einzuschlagen. "Wenn du diesen Job machst, dann bist du völlig bescheuert", soll Papa Wontorra einst zu ihr gesagt haben - vermutlich "weil er keine Götter neben sich haben wollte", wie seine Tochter im Scherz vermutet. Dass die Sportwelt noch immer nicht ganz frei von Vorurteilen ist, musste sie aber dann doch immer mal wieder feststellen. Ein bekannter Torwart habe in einem Interview mal mit dem Satz begonnen: "Wenn Sie als Frau meinen, das beurteilen zu können..." Aber auch Ulrike von der Groeben kennt Momente wie diese. Rudi Völler habe sich ihr gegenüber schon mal ganz ähnlich geäußert, erzählt die RTL-Sportfrau auf dem "SpoBis".

Letztlich gehöre aber mehr dazu als nur die optischen Reize, meint Sky-Moderatorin Esther Sedlaczek, die dann gleich mal versehentlich 12 Mann pro Mannschaft auf den Rasen stellt, um kurz darauf herzlich darüber zu lachen. "Türen", sagt sie schließlich, "gibt es viele. Aber öffnen musst du sie selbst." Ganz davon abgesehen: Geirrt hat sich vermutlich jeder schon mal - auch das männliche Geschlecht. Sky-Moderator Patrick Wasserziehr sprach etwa schon mal von Schalke 07. Sein ganz persönlicher Carmen-Thomas-Moment. Geschadet hat's ihm nicht.

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