Der Verlag würdigte Scholl-Latour als einen "der Großen des deutschen Journalismus". Und schon beim Blick auf die Vita des Journalisten wird klar: das war er auch. Peter Scholl-Latour war zwischen 1960 und 1963 Afrika-Korrespondent der ARD, 1963 gründete er schließlich das ARD-Studio in Paris, das er daraufhin sechs Jahre leitete. Später wechselte Scholl-Latour als Chefkorrespondent zum ZDF und leitete dort zusätzlich das Pariser Studio. 

1973 reiste der Journalist mit einem kleinen Team nach Vietnam und wurde dort von den Vietcong gefangen genommen. Das sorgte vor allem in Deutschland für viele Schlagzeilen. Scholl-Latour und sein Team wurden damals nach einer Woche unversehrt freigelassen. Die daraus entstandene Doku "Acht Tage beim Vietcong" zeigt Phoenix am 25. August ab 00:05 Uhr. Scholl-Latour arbeitete während seiner langen Karriere auch als WDR-Fernseh- und Programmdirektor. 

1983 kehrte er dem Fernsehen den Rücken und wurde Chefredakteur und Herausgeber des "Stern" sowie Vorstandsmitglied bei Gruner + Jahr. Das Nachrichtenmagazin befand sich damals in großen Schwierigkeiten, einige Wochen vor Scholl-Latours Amtsantritt hatte die Redaktion die vermeintlichen Hitler-Tagebücher veröffentlicht. Nach nur einem Jahr verließ er den "Stern" schon wieder und arbeitete anschließend für UFA Film und Fernsehen.

Seit dem Ende der 80er Jahre arbeitete Scholl-Latour allen voran als freier Autor und Publizist. Sein Schwerpunkt lag auf den Bereichen Afrika, Asien und Naher Osten. Zu diesen Themengebieten verfasste er viele Bücher (u.a. "Der Tod im Reisfeld"), die sich im Laufe der Zeit zu Bestsellern entwickelten. Angefangen hat er seine Karriere bei der "Saarbrücker Zeitung", bei der er volontierte. Schon zuvor schrieb er als Reisejournalist Reportagen für deutsche und französische Zeitungen. Zuletzt war Scholl-Latour ein gefragter Gast in deutschen Talkshows. 

Während seiner Karriere wurde er vielfach ausgezeichnet, so unter anderem mit der Goldenen Kamera, dem Bambi, dem Adolf-Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis. 2005 erhielt er den Henri-Nannen-Preis für sein publizistisches Lebenswerk.