iM1 Hits - Kurzer Soundcheck © iM1
Musiksender bleibt stumm

Nach der Pleite: iM1 Hits schon wieder Geschichte?

 

Vor einem halben Jahr wurde der Musiksender iM1 aus der Insolvenz gerettet, doch nun bleibt der Bildschirm schon wieder schwarz. Die Telefone wurden bereits gekappt und auch der britische Eigentümer erweist sich gegenüber DWDL.de als sehr wortkarg.

von Marcel Pohlig
17.08.2014 - 19:44 Uhr

Im Februar meldete der Musiksender iM1 Insolvenz an, konnte kurz darauf aber bereits gerettet werden. Mit der 360 Music Television Ltd. aus Großbritannien konnte ein neuer Investor mit Erfahrung im Musikfernsehen gewonnen werden, der vollmundig bereits einen Ausbau zu einer ganzen Senderkette ankündigte. Was folgte war ein Transponderwechsel, bei dem man den Übertragungsstandard änderte und somit seither zudem nur noch von HD-Receivern empfangbar ist. Der Hauptkanal iM1 sendet seither allen Protesten auf Facebook zum Trotz nur noch bei Telekom Entertain, auf allen anderen Empfangswegen wurde ein Programm namens iM1 Hits mit sehr kleiner Rotation und umso größeren Chat-Flächen gestartet.

Seit einigen Tagen bleibt es bei iM1 Hits nun aber still und es wird auf einen "kurzen Soundcheck" verwiesen, mit dem Versprechen, es gehe gleich weiter. Die Definition von "kurz" ist dabei recht eigenwillig: Bereits seit Donnerstag sendet iM1 Hits nun nicht mehr - und ein Statement gab es bisher nicht. Auf Facebook, wo der Sender sonst aktiv kommuniziert, gibt es auf zahlreiche Meldungen von Zuschauern keinen Kommentar. Und auch beim Sender selbst ist es still geworden. Versuche, den Sender telefonisch zu erreichen, scheitern - und das liegt nicht nur an der Tatsache, dass Wochenende ist. Offenbar wurden auch die Telefonleitungen schon still gelegt, die Nummern sind laut automatischer Bandansage nicht mehr vergeben.

DWDL.de hat am Sonntag dennoch einen Verantwortlichen von iM1 erreicht - doch auch hier gibt es bislang keinen weiteren Kommentar. Viel mehr erscheint man auch in der Führungsebene des Senders keine Kenntnis über den Fortbestand des Unternehmens und die Gründe für die plötzliche "Sendestörung" von iM1 zu haben und verweist auf die Eigentümer aus Großbritannien. Dort reagierte man am Sonntag tatsächlich noch auf eine Anfrage des Medienmagazins DWDL.de - doch die dürfte weder Zuschauer, noch iM1-Beschäftige zufrieden stellen. Derzeit habe man keinen Kommentar zur Zukunft von iM1 und iM1 Hits abzugeben, heißt es in einem kurzen Statement des 360-Geschäftsführers Stewart Lund.

Mut machen diese Worte angesichts des schon vier Tage andauernden Stillstandes und der gekappten Telefonleitungen nicht - und ohnehin ist fraglich, ob mit dem Konzept eines SMS-finanzierten Senders im Jahre 2014 überhaupt noch Bäume auszureißen sind, wo der Wunschclip doch jederzeit auch gratis auf diversen Plattformen im Web gestartet werden kann. 360 Music Television schmückte sich bei der iM1-Übernahme zwar mit "jahrelanger Erfahrung im Betrieb von linearen Musik TV-Kanälen" in UK und nannte als Beispiele die früheren Mushroom-TV-Sender. Ein glückliches Händchen bewies man aber auch dort nicht: Nach der Insolvenz von Mushroom TV im Jahre 2012 sind Sender wie Starz und Channel AKA bereits seit langer Zeit in anderen Händen.

iM1 selbst ging schon im Mai 2006 auf Sendung, damals noch unter dem Namen iMusic 1. Setzte man damals bereits auf ein SMS-Wunsch-Konzept, verzichtete man in der Zeit vor der Insolvenz auf dieses System und positionierte sich als klassischer Musiksender mit vielen verschiedenen Genre-Sendungen. Für Aufmerksamkeit sorgte der Sender in der Anfangszeit durch die Verpflichtung eines durch die Boulevardmedien gewanderten Langzeitarbeitslosen sowie mit Mola Adebisi. Das VIVA-Urgestein war als Programmdirektor am Aufbau des Senders beteiligt.

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