ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke © NDR/Thorsten Jander
"Hinterher ist man halt schlauer"

Ukraine-Konflikt: Gniffke übt sich in Selbstkritik

 

Die "Tagesschau"-Redaktion sei im Ukraine-Konflikt "möglicherweise zu leicht dem Nachrichten-Mainstream gefolgt". Zu diesem Schluss kommt ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke. Einen Grund zur Entschuldigung sieht er aber nicht.

von Alexander Krei
30.09.2014 - 10:14 Uhr

Deutliche Kritik an ihrer Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt mussten die Öffentlich-Rechtlichen in den vergangenen Wochen über sich ergehen lassen. Der ARD-Programmbeirat bewertete die Berichterstattung im Ersten sogar als "tendenziös". In gleich zehn Punkten attestierte das Gremium der ARD kürzlich eine unzureichende Arbeit (DWDL.de berichtete). Die massive Kritik nahm die "Tagesschau"-Redaktion nun zum Anlass für eine Diskussion, über die ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke im "Tagesschau"-Blog ungewohnt selbstkritisch berichtet. Man widerspreche jedoch "ganz energisch den Vorwürfen einer gezielten Desinformation oder beabsichtigten Manipulation von Informationen in der 'Tagesschau'", so Gniffke.

"Wir haben stets nach bestem Wissen und Gewissen sowie sorgfältiger Recherche berichtet. Es gibt keinen Grund, sich für Fehler zu entschuldigen oder in der Berichterstattung nun gar 'gegenzusteuern'", schreibt der Chefredakteur. "Doch bevor uns unsere Kritiker nun für arrogante Dumpfbacken halten" wolle er auf die Selbstkritik eingehen. "Mit dem Wissen von heute hätten wir manchen Akzent anders gesetzt und manche Formulierung anders gewählt", so Kai Gniffke, der hinterherschiebt: "Hinterher ist man halt schlauer." Möglicherweise sei man zu leicht dem Nachrichten-Mainstream gefolgt. "Vielleicht hätten wir rechte Gruppierungen in der Ukraine früher thematisieren sollen. Der falsche Hubschrauber war sehr ärgerlich, aber wir sind damit wenigstens richtig (weil transparent) umgegangen."

Zudem stellt Gniffke die Frage, ob man die russischen Interessen zu wenig für den deutschen Zuschauer “übersetzt” habe. In diesem Zusammenhang hätte man eventuell auch die NATO-Position "noch kritischer hinterfragen" können. Die Korrespondenten vor Ort habe die Redaktion in ihrer Diskussion aber in Schutz genommen, betonte der Chefredakteur im "Tagesschau"-Blog. Ihnen attestierte Gniffke "exzellente Arbeit". "Dabei ist klar, dass die Recherche auf Seiten der Separatisten zeitweise nicht möglich war und die Informationen der ukrainischen Seite interessengesteuert waren." Gniffkes Fazit: "Wir sollten noch klarer offenlegen, wenn wir etwas nicht (!) wissen. Oft hilft die Frage “Wem nützt es?”, um mögliche Manipulationen von Informationen zu erkennen."

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