Zimmer frei © WDR/Ben Knabe
"Alle Sahnetorten dieser Welt im Gesicht"

Aus nach 20 Jahren: "Zimmer frei" endet 2016

 

Während sich der WDR zuletzt nicht offiziell zum nahenden Aus von "Zimmer frei" äußern wollte, macht Götz Alsmann nun Nägel mit Köpfen. In der "SZ" kündigt er das Ende der Show an. Ganz überraschend kommt das allerdings nicht...

von Alexander Krei
20.01.2015 - 10:35 Uhr

Als "Zimmer frei!" 1996 auf Sendung ging, war die Sendung zunächst als Lückenfüller gedacht, entpuppte sich dann allerdings als dermaßen großer Erfolg für den WDR, dass sich der Sender schnell für eine Fortsetzung entschied. Mehr als 600 Folgen des womöglich letzten Kindergeburtstages im deutschen Fernsehen sind seither entstanden. Zuletzt machten allerdings Gerüchte die Runde, wonach Christine Westermann und Götz Alsmann 2016 aufhören werden. "Christine Westermann, Götz Alsmann und der WDR haben sich in der 18. Saison gemeinsam auf eine veränderte Folgenzahl geeinigt", erklärte eine WDR-Sprecherin dem "Tagesspiegel" bereits kurz vor Weihnachten etwas nebulös.

Zugleich betonte sie, dass sich daran auch im neuen Jahr nichts ändern soll. Von einem Abschied könne derzeit jedenfalls keine Rede sein. Doch auch wenn sich der WDR zunächst bedeckt hielt, so ist das Ende wohl schon längst beschlossene Sache. Das belegen schon Westermanns Äußerungen, die sie Ende November bei einem Auftritt im damals noch von Wieland Backes moderierten SWR-"Nachtcafé" tätigte. "Wir haben ein wunderbares Arragement getroffen und 'Zimmer frei' geht jetzt noch weiter bis ich 68 bin", sagte die Moderatorin schon damals. Will heißen: 2016 ist Schluss mit der Mitbewohner-Suche.

Eineinhalb Jahre zuvor sei sie vom WDR gefragt worden, wie lange sie die Sendung eigentlich noch machen wolle, erklärte Westermann und sprach daraufhin sehr offen über ihre Reaktion. "Ich hab erst mal geweint, weil ich damit nicht gerechnet habe. "Wenn das die zukunft ist, dass ich die Sachen nicht mehr machen kann, die ich gerne und gut mache, nur weil es nicht mehr so schön aussieht - das hat mich richtig umgetrieben". Inzwischen habe sie jedoch "eine wunderbare sanfte und sachte Kurve gefunden", betonte Westermann. Umso überraschender, dass der WDR trotz dieser deutlichen Aussagen das bevorstehende Ende der Show noch immer nicht bestätigen wollte.

Dafür wird Westermanns Co-Moderator Götz Alsmann nun deutlich: "Wir hören mit 20 Jahren - also 2016 - auf", bestätigte er in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". "Wir lieben 'Zimmer frei', machen das schrecklich gern, haben uns aber mit dem WDR geeinigt, dass wir jetzt schon die Schlagzahl reduzieren. Deshalb gibt es gerade eine etwas längere Weihnachtspause, aber 'Zimmer frei' geht definitiv weiter, auch noch im Jahr 2016 - und dann werden wir aufhören." Bis dahin würden Westermann und er "wahrscheinlich auch alle Sahnetorten dieser Welt im Gesicht gehabt" haben, so Alsmann. "Es macht Spaß, seit dem ersten Moment. Die Sendung ist das erfolgreichste Projekt meines beruflichen Lebens, man muss aber auch sehen, dass ich, als es los ging, Ende 30 war. Und jetzt bin ich ein Mann von fast 60."

"Ich kann mir nicht vorstellen, mit einer Jüngeren zu moderieren."
Götz Alsmann

Dass er jünger ist als seine Show-Partnerin wird an seiner Entscheidung nichts ändern: "Ich kann mir auch nicht vorstellen, mit einer Jüngeren zu moderieren. Dann bin in drei Jahren ich der alte Sack, der abgelöst wird. Abgesehen davon wäre das moralisch überhaupt nicht vertretbar. Das Publikum würde uns das übel nehmen. Christine sagte: 'Wenn du meinst, mach es!' Ich sagte nur: 'Bist du wahnsinnig?' Niemals würde ich das tun."

Am frühen Dienstagnachmittag meldete sich übrigens auch der WDR zu Wort. Der Sender bezeichnete "Zimmer frei!" als "Juwel im Unterhaltungsprogramm des WDR Fernsehens" und versprach eine große Jubiläums-Show zum Abschied. "'Zimmer frei' ist vor 20 Jahren eine herausragende Innovation im Programm des WDR Fernsehens gewesen - und ein Glücksfall", hieß es. Jetzt sei jedoch die Zeit für Neues. "Bis zum 20-jährigen Jubiläum von 'Zimmer frei' werden Christine Westermann und Götz Alsmann die Sendung auch weiter prägen, wie sie es bis heute mit ihrem unverwechselbaren Stil getan haben."

Nachdem die Katze nun auch offiziell aus dem Sack ist, darf man gespannt sein, wie der WDR seinen erfolgreichen Dauerbrenner am Sonntagabend ersetzen wird. In den vergangenen Monaten hatte der Sender bereits mit dem frischen Comedy-Format "Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von..." experimentiert, das aus der Schmiede der Bildundtonfabrik stammt, die schon für Jan Böhmermanns "Neo Magazin" verantwortlich zeichnet. Die Quoten des Formats blieben allerdings deutlich hinter jenen von "Zimmer frei" zurück. Dennoch hat es sich der WDR zur Aufgabe gemacht, jünger zu werden - nicht umsonst will man neuerdings verstärkt die 35- bis 55-Jährigen ansprechen. "Die Leute sollen wieder Kontakt zu uns haben", sagte WDR-Unterhaltungschef Siegmund Grewenig schon im Herbst gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Sinkende Quoten nimmt der Sender dabei offenbar gerne in Kauf.

Schade ist das nahende Aus von "Zimmer frei" aber natürlich trotzdem, auch wenn 20 Jahre freilich eine lange Zeit sind. Eine Zeit, in der sich die Sendung zu Recht das Siegel "Kult" verdiente, sich das Fernsehen gleichzeitig aber auch spürbar verändert hat. "Wir arbeiten in dem Bewusstsein, dass es eine ungewöhnlich lange Zeit ist", sagte Götz Alsmann schon vor einem Jahr im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de anlässlich des 18-jährigen Jubiläums der Show. "Die großen klassischen Unterhaltungsformate, an die sich die Fernsehhistoriker erinnern, also 'Der Goldene Schuss', 'Vergissmeinnicht' oder 'Einer wird gewinnen', sind allesamt weniger lang gelaufen als 'Zimmer frei!'. In einer Zeit, die durch Wegwerffernsehen auf Wegwerfkanälen geprägt ist, freuen wir uns, dass es uns gelungen ist, ein Stück Qualität zu etablieren."

In der "Süddeutschen Zeitung" beklagt sich Alsmann nun über die Moderatoren der heutigen Zeit. "Früher waren die großen Fernsehmoderatoren entweder Musiker oder Schauspieler - oder beides." Heute würden dagegen "zu viele Comedians plötzlich Moderatoren. Das ist das große Problem", so Alsmann, der in diesem Zusammenhang scherzt: Sie kennen den Unterschied zwischen Comedians und Kabarettisten? Die Comedians machen es wegen dem Geld, die Kabarettisten wegen des Geldes."

Artikel am Dienstag um 14:10 Uhr um WDR-Statement erweitert.

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