Team Wallraff - Reporter undercover © RTL / Stefan Gregorowius
"Billige Quotenjagd"

Klinikbetreiber stellt Strafanzeige gegen "Wallraff"

 

Das "Team Wallraff" recherchiert derzeit offenbar wieder in Seniorenheimen - und hat sich dafür nun eine Strafanzeige eingefangen. Die Marseille-Kliniken werfen RTL "billige Quotenjagd" und ein Unterschreiten der ethischen Standards vor.

von Alexander Krei
05.06.2015 - 17:06 Uhr

Mit scharfen Worten setzt sich die Marseille-Kliniken AG gegen das "Team Wallraff" zur Wehr. Die Senioreneinrichtung Amarita Oldenburg, die zum Konzern der Marseille-Kliniken gehört, hat darüber hinaus bei der zuständigen Staatsanwaltschaft gegen Mitarbeiter des RTL-Formats Strafanzeige wegen heimlicher Bild- und Tonaufnahmen sowie Hausfriedensbruch gestellt. Es geht dabei um das nach Angaben des Unternehmens "widerrechtliche Eindringen in die Wohnräume der Bewohner". So hätten sich zwei Männer am 22. Mai unter falschem Namen und Angaben in die Einrichtung geschlichen, um mutmaßlich heimliche Aufnahmen zu machen.

"Wir sehen uns zu dieser Strafanzeige veranlasst, weil ganz offensichtlich RTL-Reporter erneut in den persönlichen, geschützten Lebens- und Wohnraum unserer Bewohner eingedrungen sind, um von ihnen Ton und Filmaufnahmen zu machen", sagte Dieter Wopen, Vorstandsvorsitzender der Marseille-Kliniken. "Diese billige Quotenjagd der RTL-Reporter ist würdelos und unterschreitet alle ethischen Standards des Journalismus." Selbst wenn angebliche Reinigungsmängel in der Einrichtung vorliegen würden, so rechtfertige das nicht den "schweren Eingriff in die Grundrechte der Bewohner des Seniorenheims".

Das "Team Wallraff" recherchierte bereits im vergangenen Jahr in einer Einrichtung der Marseille-Kliniken - schon damals hatte der Konzern Strafanzeige gegen eine RTL-Reporterin gestellt, die sich als Praktikantin unter falschem Namen eingeschlichen und heimlich Aufnahmen gemacht hatte. Damals seien "alle ethischen Grundsätze des Journalismus mit Füssen getreten worden, nachdem Videobilder von hilflosen, halbnackten Bewohnern in ihrem persönlichen, geschützten Lebensbereich einem Millionenpublikum präsentiert wurden", kritisiert die Marseille-Kliniken AG nun. So sei in einem Fall ein offensichtlich verwirrter, nur in Unterwäsche bekleideter Bewohner gerade aus der Toilette getreten, als er von der Kamera gefilmt wurde.

Wopen: "Es ist einfach unerträglich, was hier geschehen ist und jetzt wieder geschieht. Hilflosen, teilweise kranken Menschen in ihrem persönlichen, gesetzlich geschützten Lebensraum aufzulauern um für eine TV-Quote Bilder zu ergattern - das geht einfach zu weit! Bei unseren Bewohnern handelt sich um schutzbedürftige Menschen, um die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft und nicht um Zoo-Tiere, die man so einfach abfilmen darf. Quotenhascherei mag schon okay sein, aber nicht auf dem Rücken unserer Bewohner." RTL sprach damals von "unbeschreiblichen Zuständen in deutschen Pflegeheimen" und fand in Einrichtungen der Marseille-Kliniken eigenen Angaben zufolge "knappe personelle Besetzung und Hygienemängel".

Bei RTL hielt man sich am Freitag zunächst bedeckt. "Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass wir wie üblich bis kurz vor Ausstrahlung einer 'Team Wallraff'-Folge keine Informationen zum Thema und zu den Recherchen an die Öffentlichkeit geben", sagte RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer am Freitag auf Nachfrage des Medienmagazins DWDL.de. "Auch zu den Inhalten und der Art und Weise der Darstellung auf der Homepage der Marseille-Kliniken äußern wir und derzeit nicht. Wir werden dies ganz sicher zu gegebener Zeit nachholen." Die Ausstrahlung der nächsten "Team Wallraff"-Ausgabe ist für den kommenden Montag geplant. Zum Thema der Sendung äußerte sich RTL bislang noch nicht. Die Sendezeit wurde vorsorglich schon mal von einer Stunde auf 95 Minuten ausgedehnt.

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