MTV und VIVA wollen Klingeltonspots aus Programm verbannen
Der Musiksender MTV will ab Oktober keine Klingeltonwerbung mehr zur wichtigsten Sendezeit zwischen 16 und 24 Uhr zeigen, der Schwestersender VIVA soll im März 2006 nachziehen. Das berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vorab. Die Klingeltonmonotonie passe nicht in die seit Frühjahr dieses Jahres von Sendergruppen-Chefin Catherine Mühlemann vorangetriebene Neuausrichtung der Musiksender, heißt es in dem Bericht.
Das Image der Sender habe deutlich unter den billig produzierten und nervtötenden Werbespots von verrückten Fröschen und besoffenen Elchen gelitten. Es seien bereits viele Zuschauer vergrault worden. Anfang des Jahres hatten mehr als 150.000 ehemalige Musikfernseh-Freunde in einer Online-Petition MTV und VIVA aufgefordert, „in Zukunft die Anzahl der Klingelton-Werbespots zu reduzieren“.
Möglich, dass diese Aktion, die für viel Pressewirbel sorgte, tatsächlich zur Kehrtwende bei der Werbepolitik der Musiksender beigetragen hat. Entscheidend für die Einführung der Klingeltonsperrfristen soll laut dem „Spiegel“ auch die zunehmende Abkehr von klassischen Werbekunden sein. Zuletzt stammten nur noch weniger als 60 Prozent der Werbeeinahmen der Musiksender aus der Reklame dieser finanzkräftigen Kunden. Mit Klingeltonspots könnten die hohen Wachstumsforderungen der US-Mutterkonzerns Viacom nicht erfüllt werden können, habe Mühlemann nun erkannt.
Die Musikindustrie soll über die Pläne der MTV-Chefin entsetzt sein. Die Musiksender seien die wichtigste Werbeplattform für die Klingeltöne, die für die Plattenlabels inzwischen eine bedeutende Einnahmequelle darstellen.



